Sofia - Chinas Autobauer sind in Europa auf dem Vormarsch. Als erster Hersteller hat das Unternehmen Great Wall ein Werk in der EU eröffnet. Die nahe der nordbulgarischen Stadt Lowetsch gelegene Fabrik wurde am Dienstag von Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow eingeweiht. Das Werk betreibt Great Wall zusammen mit der bulgarischen Firma Litex.
"Es ist für uns von strategischer Bedeutung, Zugang zum Markt der Europäischen Union zu bekommen", sagte Firmenchefin Wang Feng Ying bei der Eröffnungszeremonie.
In drei bis fünf Jahren werde das Unternehmen eine ganze Reihe von Modellen in Lowetsch produzieren und diese dann in alle europäischen Länder verkaufen, kündigte die Firmenchefin an. Im Werk in Lowetsch werden bereits seit November testweise Autos zusammengeschraubt: der Kleinwagen Voleex C10 und der Pick-Up Steed 5. Verkauft werden sie für 16.000 bis 25.000 Lewa (8200 bis 12.800 Euro).
Great Wall will in dem 500.000 Quadratmeter großen Werk mittelfristig rund 50.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen. Am Anfang sollen es jedoch nur 4000 sein. Die Zahl der Mitarbeiter soll von jetzt 120 auf 2000 steigen. Als Absatzmärkte gelten zunächst Bulgarien und seine unmittelbaren Nachbarländer wie Serbien oder Mazedonien, später aber auch andere EU-Staaten.
Bulgarien, das Armenhaus Europas, bietet niedrige Löhne und niedrige Steuern, die Arbeiter gelten aber als gut ausgebildet - die ideale Startbasis für Unternehmen wie Great Wall. In China selbst sind die Löhne für Fabrikarbeiter zuletzt deutlich gestiegen.
Die chinesischen Autobauer wollen wie einst japanische und koreanische Hersteller auf lange Sicht die Märkte in Westeuropa und den USA erobern.
Great Wall ist der größte Geländewagenhersteller in der Volksrepublik und betreibt bereits Werke in rund einem Dutzend Länder, darunter in Russland, Indonesien, Ägypten und der Ukraine.
Auch andere chinesische Hersteller expandieren, allerdings mit anderer Strategie: Geely etwa hat 2010 den schwedischen Hersteller Volvo von Ford gekauft, Chery hat zusammen mit der italienischen DR Motor Ende vergangenen Jahres das Fiat-Werk im sizilianischen Termini Imerese übernommen. "So machen sie Fortschritte in Sachen Qualität", sagt Auto-Experte Yann Lacroix von Euler Hermes.
stk/dpa/dapd/AFP
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