Billige Löhne in Bulgarien: Chinesen eröffnen erste Autofabrik in Europa

Es ist eine kleine Revolution in der Autowelt: Bisher montierten europäische Hersteller ihre Fahrzeuge gerne in China - nun drehen die Chinesen den Spieß um und eröffnen ihre erste Fabrik in einem EU-Land, in Bulgarien. Der Schritt soll nur ein Anfang sein.

Modell Voleex C70 des Herstellers Great Wall: Das Unternehmen will auf den EU-Markt Zur Großansicht
Corbis

Modell Voleex C70 des Herstellers Great Wall: Das Unternehmen will auf den EU-Markt

Sofia - Chinas Autobauer sind in Europa auf dem Vormarsch. Als erster Hersteller hat das Unternehmen Great Wall ein Werk in der EU eröffnet. Die nahe der nordbulgarischen Stadt Lowetsch gelegene Fabrik wurde am Dienstag von Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow eingeweiht. Das Werk betreibt Great Wall zusammen mit der bulgarischen Firma Litex.

"Es ist für uns von strategischer Bedeutung, Zugang zum Markt der Europäischen Union zu bekommen", sagte Firmenchefin Wang Feng Ying bei der Eröffnungszeremonie.

In drei bis fünf Jahren werde das Unternehmen eine ganze Reihe von Modellen in Lowetsch produzieren und diese dann in alle europäischen Länder verkaufen, kündigte die Firmenchefin an. Im Werk in Lowetsch werden bereits seit November testweise Autos zusammengeschraubt: der Kleinwagen Voleex C10 und der Pick-Up Steed 5. Verkauft werden sie für 16.000 bis 25.000 Lewa (8200 bis 12.800 Euro).

Great Wall will in dem 500.000 Quadratmeter großen Werk mittelfristig rund 50.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen. Am Anfang sollen es jedoch nur 4000 sein. Die Zahl der Mitarbeiter soll von jetzt 120 auf 2000 steigen. Als Absatzmärkte gelten zunächst Bulgarien und seine unmittelbaren Nachbarländer wie Serbien oder Mazedonien, später aber auch andere EU-Staaten.

Bulgarien, das Armenhaus Europas, bietet niedrige Löhne und niedrige Steuern, die Arbeiter gelten aber als gut ausgebildet - die ideale Startbasis für Unternehmen wie Great Wall. In China selbst sind die Löhne für Fabrikarbeiter zuletzt deutlich gestiegen.

Die chinesischen Autobauer wollen wie einst japanische und koreanische Hersteller auf lange Sicht die Märkte in Westeuropa und den USA erobern.

Great Wall ist der größte Geländewagenhersteller in der Volksrepublik und betreibt bereits Werke in rund einem Dutzend Länder, darunter in Russland, Indonesien, Ägypten und der Ukraine.

Auch andere chinesische Hersteller expandieren, allerdings mit anderer Strategie: Geely etwa hat 2010 den schwedischen Hersteller Volvo von Ford gekauft, Chery hat zusammen mit der italienischen DR Motor Ende vergangenen Jahres das Fiat-Werk im sizilianischen Termini Imerese übernommen. "So machen sie Fortschritte in Sachen Qualität", sagt Auto-Experte Yann Lacroix von Euler Hermes.

stk/dpa/dapd/AFP

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insgesamt 106 Beiträge
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1.
baumuster 21.02.2012
Dacia hat einen Riesenerfolg in Deutschland. Wenn die wenig verbrauchende und dabei solide Fahrzeuge anbieten können, werden die auch sehr erfolgreich sein. Denn: vergleicht mal die Preise!
2. Willkommen in Korruptanien
tomkey 21.02.2012
Zitat von sysopEs ist eine kleine Revolution in der Autowelt: Bisher montierten europäische Hersteller ihre Fahrzeuge gerne in China - nun drehen die Chinesen den Spieß um und eröffnen ihre erste Fabrik in einem EU-Land, in Bulgarien. Der Schritt soll nur ein Anfang sein. Billige Löhne in Bulgarien: Chinesen eröffnen erste Autofabrik in Europa - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,816744,00.html)
Bulgarien, das Armenhaus Europas. Und jetzt kommen die Chinesen, die Retter der bulgarischen Wirtschaft. Was soll man davon halten, wenn selbst den Chinesen ihre eigenen Facharbeiterlöhne zu hoch sind? In Europa, gleichzeitig ein riesiger Absatzmarkt, findet sich ein Land, welches Chinas Autolawine als Start-Up begleitet. Und sicher auch mit EU-Geldern. Dazu zählt Bulgarien zu den korruptesten Ländern der Welt. Da fühlen sich doch die Chinesen gleich wie zu Hause. Und Billigautos werden sicher in Europa gefragt sein. Bei Löhnen von unter 10€/h brauch sich niemand wundern, wenn Dacia und Co bald zu den teuren Autos zählen werden.
3. Konkurrenz in Sicht !
syssifus 21.02.2012
Zitat von sysopEs ist eine kleine Revolution in der Autowelt: Bisher montierten europäische Hersteller ihre Fahrzeuge gerne in China - nun drehen die Chinesen den Spieß um und eröffnen ihre erste Fabrik in einem EU-Land, in Bulgarien. Der Schritt soll nur ein Anfang sein. Billige Löhne in Bulgarien: Chinesen eröffnen erste Autofabrik in Europa - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,816744,00.html)
Wie in der Solarbranche,werden die Chinesen den schnellen Anschluß finden,hoffentlich nicht auch noch mit EU-Subventionen!
4. Billig, billig und noch mals billig
hubertrudnick1 21.02.2012
Zitat von sysopEs ist eine kleine Revolution in der Autowelt: Bisher montierten europäische Hersteller ihre Fahrzeuge gerne in China - nun drehen die Chinesen den Spieß um und eröffnen ihre erste Fabrik in einem EU-Land, in Bulgarien. Der Schritt soll nur ein Anfang sein. Billige Löhne in Bulgarien: Chinesen eröffnen erste Autofabrik in Europa - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,816744,00.html)
Geht es nur darum Produkte zu Billigpreisen auf den Markt zu werfen und noch mehr Müll zu produzieren, haben wir denn Rohstoffe in Überfluß? Kommt es denn nicht vielmehr darauf an nachhaltig zu produzieren und Produkte mit einer besseren Qualität herzustellen? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das die Chinesen dazugelernt haben. Wir haben in den letzten 200 Jahren fast die gesamten Rohstoffe der Erde verbraucht und da können wir doch nicht noch immer weiter Müll produzieren. Aber ich glaube nicht das die Menschen dazulernen, es kommt doch nur auf den schnellen Profit an, was später geschied interssiert keinen mehr. Aber die Chinesen werden trotzdem die welt erobern, ob und das gefällt oder nicht. HR
5. Mit der Geldbörse abgestimmt
ditor 21.02.2012
Zitat von baumusterDacia hat einen Riesenerfolg in Deutschland. ... Denn: vergleicht mal die Preise!
Dumm nur, dass man letztlich nicht mit den Gewerkschaften sondern mit seiner Geldbörse abstimmt welche Löhne im eigenen Land mittelfristig zu erzielen sind.
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