Billiges Baugeld: Immobilienmakler hoffen auf dicke Geschäfte

Von Claudia Lindenberg

Die Zinsen sind niedrig wie nie, viele Anleger planen den Kauf einer Immobilie. Die Angst um den Euro befeuert den Markt zusätzlich - denn in der Krise sind reale Werte gefragt. Für Makler brechen goldene Zeiten an.

Anleger in den Metropolen auf der sicheren Seite - sofern die Mikrolage stimme Zur Großansicht
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Anleger in den Metropolen auf der sicheren Seite - sofern die Mikrolage stimme

Die griechische Schuldentragödie hat auch gute Seiten - zumindest für Baugeldanbieter und Immobilienunternehmen - und deren Vermittler. Denn die Krise befeuert zum einen ein enorm niedriges Zinsniveau für Hypothekendarlehen, zum anderen schürt sie Inflationsängste, was den Sachwert Immobilie für viele Anleger attraktiv macht. Angesichts der enorm niedrigen Zinsen sind auch Direktinvestments in Wohnimmobilien für viele Anleger eine Überlegung wert, denn sie lassen sich derzeit extrem günstig finanzieren oder schnell entschulden. Von den Mieteinnahmen bleibt so schneller mehr übrig - und diese dürften angesichts sinkender Neubautätigkeit und zunehmender Wohnfläche pro Einwohner eher steigen als sinken.

So beziffert das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) den Bedarf an Wohnungen auf 195.000 jährlich, rund 36.000 mehr als 2009 gebaut wurden. Das bietet gute Chancen im Vertrieb von Baufinanzierungen. So meldet etwa der Baugeldbroker Interhyp für das erste Quartal 2010 einen Anstieg des Finanzierungsvolumens um 20 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2009.

Auch die ASG Baufi, Tochterunternehmen der ASG Assecuranz Service, verzeichnet steigende Umsätze im Finanzierungsgeschäft und will die niedrigen Zinsen nutzen, um zusätzliches Geschäft zu generieren: "Die aktuelle Zinssituation ist ideal für den Ausbau von Kooperationen; wir führen derzeit Verhandlungen mit diversen Versicherern, deren Makler bislang keine Baufinanzierung anbieten", sagt John Semler, geschäftsführender Gesellschafter der ASG Baufi.

"Die aktuelle Zinssituation ist ideal für den Ausbau von Kooperationen"

Die ING Diba forciert das Geschäft ebenfalls zusätzlich und bietet 0,3 Prozentpunkte Rabatt auf die Zinsen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) - bei voller Provision für die Berater. Zudem winkt ein Zinsnachlass von 0,1 Prozentpunkten für Umschuldungen und Darlehen ab 300.000 Euro. Andreas Pflegshoerl, Leiter Sales Management bei der ING Diba, sieht vor allem bei Bestandskunden Potential: "Bei einer Eigentumsquote von bundesweit 45 Prozent kommen im Schnitt vier bis fünf von zehn Kunden für eine Anschlussfinanzierung infrage", so Pflegshoerl. Das Thema sei Kunden derzeit aufgrund der niedrigen Zinsen für Forward-Darlehen, bei denen die Konditionen für die Anschlussfinanzierung bis zu drei Jahre im Voraus festgezurrt werden, optimal vermittelbar.

Wie Pflegshoerl erwartet auch Semler, dass die Zinsen 2011 wieder anziehen. "Es ergibt darum Sinn, bei Kunden, deren Anschlussfinanzierung innerhalb der kommenden drei Jahre ansteht, die Zinsvorteile über Forward-Darlehen zu sichern." Auch der Immobilienbereich bietet Potential für weitere Umsätze. Bei ASG etwa gelten Kunden mit Einkommen im Bereich des Spitzensteuersatzes als Zielgruppe für Denkmalschutz- oder Bestandsimmobilien: "Neubauten sind preislich mit dem Niveau der Denkmalschutz- Projekte vergleichbar, allerdings ohne attraktive Sonderabschreibungsmöglichkeiten", sagt Stefan Thiel, Geschäftsführer der DS Deutsche Sachwert Akademie, der neben ASG auch andere Vertriebe bei der Auswahl geeigneter Anlageimmobilien berät. "Wir sondieren im Schnitt 40 bis 50 Denkmalschutzprojekte, prüfen die demografischen Gegebenheiten und die Initiatoren, übrig bleiben dann rund zehn empfehlenswerte Projekte", erläutert Thiel.

Bei Bestandsimmobilien setzt er unter anderem auf Bestandsgutachten des TÜV und lässt sich Referenzen über andere Wohnanlagen der gleichen Verwaltung zeigen. Auch EFC aus Frankfurt bietet Immobilien aus Bausteinen der Kapitalanlage an. Dort werden enge Kooperationen mit ausgewählten Partnern bevorzugt: "Von ihnen erwarten wir unter anderem umfassende Referenzen sowie detaillierte Geschäftszahlen und eine Beiratstätigkeit für die EFC", umschreibt Vorstand Gordon Grundler die Anforderungen an potentielle Partner. Aus den Erfahrungen der 90er Jahre heraus, als viele Schrottimmobilien unbesichtigt den Besitzer wechselten, bevorzugen viele Anleger eine Immobilie in räumlicher Nähe zum Heimatort.

Das hält Thiel jedoch nicht immer für sinnvoll: "Je nach Wohnort des Kunden kann dies zu Fehlinvestitionen führen, wenn die demografischen Gegebenheiten dort nicht stimmen." Auf der sicheren Seite seien Anleger dagegen in den Metropolen München, Frankfurt, Berlin, Hamburg, Köln, Düsseldorf und Stuttgart - sofern die Mikrolage stimme, betont Thiel.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
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1. Rechnen
GerhardFeder 15.08.2010
Wer gut rechnen kann, der wird feststellen, dass Immobilien nur selten eine gute Kapitalanlage sind. Dafür gibt es mehrere Gründe: 1. Der Kauf ist i.d.R. mit einem Darlehen verbunden, das einen hohen Zinsaufand erfordert, den die Meisten nicht genau beziffern und der den langfristigen Ertrag schmälert. 2. Immobilien haben hohe staatliche Kosten - Grunderwerbskosten (wie Steuern und Notar/Gerichtsgebühren), Grundsteuer, diverse Anliegergebühren (Straßen- und Anschlußbau, Straßenausbau, Zwangsmitgliedschaft in Müll und Wasser-/Abwasserverbänden, Schornsteinfegergebühren etc). 3. Immobilien erfordern laufenden Erhaltungsaufwand, der nur z.T. steuerlich absetzbar ist. Dieser wird sich durch Umweltgesetze weiter steigern (CO2 Einsparung etc). 4. Die Wertsteigerung von Immobilien liegt stets unter der langfristigen Inflationsrate. Am Besten dran ist, wer rechtzeitig eine günstige Wohnung mietet (z.B. in einer Genossenschaft) und dann nur selten umzieht.
2. Bleibt nur zu hoffen....
titurel 15.08.2010
Zitat von sysopDie Zinsen sind niedrig wie nie, viele Anleger planen den Kauf einer Immobilie. Die Angst um den Euro befeuert den Markt zusätzlich - denn in der Krise sind reale Werte gefragt. Für Makler brechen goldene Zeiten an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,708218,00.html
dass die Kunden sich nicht massenweise übernehmen und der nächste Crash die Folge ist. Noch ist der "Aufschwung" doch ziemlich oberflächlich, wer weiß, was in fünf oder zehn Jahren der Fall ist, wenn für viele die günstige Zinsbindung ausläuft...
3. Der Markt regelt alles ...
Huuhbär 15.08.2010
Zitat von sysopDie Zinsen sind niedrig wie nie, viele Anleger planen den Kauf einer Immobilie. Die Angst um den Euro befeuert den Markt zusätzlich - denn in der Krise sind reale Werte gefragt. Für Makler brechen goldene Zeiten an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,708218,00.html
Henkel und Co. lassen Grüssen! Die wollen nur das Geld im Jetzt vervespern. Was danach für die Einzelen nach kommt ist denen doch egal.
4. Vorbereitung für die nächste Krise
Hubert Rudnick 15.08.2010
Zitat von sysopDie Zinsen sind niedrig wie nie, viele Anleger planen den Kauf einer Immobilie. Die Angst um den Euro befeuert den Markt zusätzlich - denn in der Krise sind reale Werte gefragt. Für Makler brechen goldene Zeiten an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,708218,00.html
------------------------------------------------------------- Die Werbeaktionen für die nächste Krise beginnt schon, wer sich unüberlegt in Immobilienspekulationsgeschäfte stürzt, der sorgt schon für die nächste Krise vor. HR
5. Billiges Baugeld
seniorita 15.08.2010
Man könnte auch von anderen lernen. Zum Beispiel von den USA. Die hatten vor uns "billiges Baugeld". Wie sieht es nun dort aus? Warum sollte es bei uns anders werden? Muss man immer erst am eigenen Leib die Obdachlosigkeit erfahren, um zu wissen, dass der Weg der falsche war? Dass man früher etwas ändern hätte können und sollen? Dass die Zinswirtschaft einfach nicht funktionieren kann, was jeder Oberschüler, der schon mal das Thema "Funktionen" im Mathe-Unterricht hatte, bestätigen kann. Wenn man heute weiß, dass kurzfristige Gewinne, die eine bestimmte Berufsgruppe heute noch einfahren kann und vielleicht noch einige Monate oder auch wenige Jahre auch für die der Rubel rollt, uns auf längere Sicht gesehen zu völlig verarmten Bettlern en gros macht - sollte man da nicht einen anderen Ausgang der Geschichte haben wollen? Wie wollen wir enden, das ist die Frage. www.freiheitswerk.de
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