IWF-Schätzung Billiges Öl kostet Förderländer 425 Milliarden Dollar

Der niedrige Ölpreis bringt die Exportländer in Bedrängnis: Den Golfstaaten entgehen 300 Milliarden Dollar, schätzt der IWF, ähnlich sieht es im Nahen Osten und in Zentralasien aus. Der italienische Ölkonzern Eni rechnet aber mit einem schnellen Anstieg auf 200 Dollar.

Hochnebel in Dubai: Ölpreisabsturz kostet Förderländer Hunderte Milliarden Dollar
REUTERS

Hochnebel in Dubai: Ölpreisabsturz kostet Förderländer Hunderte Milliarden Dollar


Washington/Davos - Der rasant gefallene Ölpreis bringt für die Förderländer kaum zu bewältigende Probleme. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat jetzt erstmals eine Schätzung über die Einnahmeausfälle veröffentlicht. Demnach kostet der Preisverfall beim Öl allein die Golfstaaten rund 300 Milliarden Dollar.

Von den erdölexportierenden Ländern des Golf-Kooperationsrates dürfte deshalb in diesem Jahr vermutlich nur Kuwait einen Haushaltsüberschuss aufweisen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Den anderen Mitgliedern - Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate - drohe dagegen ein Defizit.

Abgesehen von den Golfstaaten entgehen durch den niedrigen Ölpreis auch Ländern aus dem Nahen Osten und Zentralasien Einnahmen. Der IWF bezifferte ihre Ausfälle in seinem Bericht auf weitere 125 Milliarden Dollar. Fast alle diese Länder rutschten deshalb in ein Defizit, schreibt der IWF und bezieht sich unter anderem auf Iran, Irak, Algerien und Libyen.

Neben Kuwait sei ein ausgeglichener Haushalt vermutlich lediglich für Turkmenistan und Usbekistan möglich. Die meisten der betroffenen Länder müssten allerdings trotz der Einnahmeausfälle nicht ihre Haushalte zusammenstreichen, sondern könnten auf Finanzpolster aus den vergangenen Jahren zurückgreifen.

Die Ölpreise haben sich seit Juli mehr als halbiert. Nach Einschätzung des IWF müssten die Preise über 57 Dollar pro Fass liegen, damit die Einnahmen aus dem Ölgeschäft die staatlichen Ausgaben decken.

Eni-Chef warnt vor Ölpreissprung auf 200 Dollar

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos warnte der Chef des italienischen Energiekonzerns Eni vor einem rasanten Anstieg der Ölpreise und fordert die Opec zum Eingreifen auf. Wenn die Investitionen in neue Projekte wegen des aktuellen Preisverfalls deutlich gesenkt würden, werde in vier bis fünf Jahren nicht mehr genügend gefördert, sagte Claudio Descalzi am Mittwoch, der Ölpreis könnte deswegen auf 200 Dollar je Fass steigen.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatte im November beschlossen, trotz des Preisverfalls ihre Produktion nicht zu drosseln. Die Energiekonzerne leiden unter einem Überangebot von Öl, unter anderem wegen des Schiefergas-Booms in den USA . Seit Juni sind die Ölpreise um fast 60 Prozent auf unter 50 Dollar je Barrel gefallen.

Nach Descalzis Ansicht ist deswegen die Opec gefragt. "Wir brauchen Stabilität. Die Opec ist wie eine Zentralbank für Öl." Sie müsse die Preise stabilisieren, damit die Firmen normal investieren können, sagte der Chef des Agip-Mutterkonzerns.

Auch der französische Konkurrent Total warnte, dass eine Reduktion der Investitionen zum Problem werden könnte. Die Kapazität von Förderstätten in der ganzen Welt nehme jährlich um fünf Prozent ab, sagte Konzernchef Patrick Pouyanne. Bis zum Jahr 2030 werde deswegen die Hälfte der Produktion ausfallen. Um dies auszugleichen, müsse viel Geld investiert werden. "Die Preise werden wieder steigen", sagte der Manager.

Auch Opec-Generalsekretär Abdullah al-Badri prognostizierte, der Ölpreis werde wieder zulegen. "Wir kommen sehr bald wieder auf das normale Niveau." Wenn die Opec-Länder die Produktion gedrosselt hätten, wären andere Staaten eingesprungen und hätten mehr Öl auf den Markt gebracht, sagte er in Davos. Die Opec wäre dann gezwungen gewesen, erneut weniger zu fördern.

nck/AFP/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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kreisklasse 21.01.2015
1. Neues aus Absurdistan
Nach Jahrzehnten illegaler Kartellpreise bildet sich seit einigen Monaten endlich wieder auch der Oelpreis am Markt. Und das soll jetzt schlecht sein? Sorry, aber das ist absurd. Ähnlich absurd ist es, jetzt den Anbietern das klassische Schweinezyklusverhalten zu unterstellen.
raber 21.01.2015
2. Ölkonzerne verdienen weniger, aber immer noch prächtig
Die Ölförderländer leiden unter dem Preissturz. Wie sieht es denn für die Vermarktungsgesellschaften Exxon, Shell, BP, Texaco usw. aus? Die haben sich in der Vergangenheit dumm und dämlich verdient und auch so verhalten. Ein wenig den Gürtel enger anschnallen wäre für die Ölkonzerne nicht einmal so schlecht.
leidernein 21.01.2015
3. Es gibt ja bald
Kein Öl mehr.... Darauf basierte mitunter der sprunghafte Anstieg des Ölpreises in den letzten Jahren. Irgendwann in 80 Jahren, das würde gern weggelassen. Mit dieser Falschspekulation und durch die Kartellbildung wurde der Ölpreis befeuert, und erst jetzt, wo die USA selbst ein Angebot entwickeln, wird er wieder realistisch. Ölkonzerne und -staaten haben sich satt verdient, bauen Hochhäuser, Luxusmalls, goldene Hotels und riesige Flughäfen, unterhalten subventionierte Fluglinien, bauen Vergnügungsparks die niemand besucht. Klar, dass wenn der Prunkhaushalt auf Kartellpreisen beruht, bei Verfall dieses der Haushalt defizitär wird. Höchste Zeit!
2023 21.01.2015
4.
Mein Mitleid hält sich in grenzen für n Exxon, Shell, BP, Texaco usw.
geotie 22.01.2015
5.
Das wird man sich bald wiederholen, mit noch höheren Preisen.
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