Billigproduktion: Apple-Zulieferer beschäftigen Kinderarbeiter

Die Billigproduktion von Elektrogeräten hat eine hässliche Seite - auch beim Kultkonzern Apple: Der iPhone-Hersteller hat herausgefunden, dass mehrere seiner Zulieferer Minderjährige beschäftigen. In einem Betrieb waren Mitarbeiter zudem einer gesundheitsschädigenden Chemikalie ausgesetzt.

Steve-Jobs-Parodie in Foxconn-Werk: 91 minderjährige Beschäftigte bei Zulieferern Zur Großansicht
AP

Steve-Jobs-Parodie in Foxconn-Werk: 91 minderjährige Beschäftigte bei Zulieferern

New York - Es ist eine Entdeckung, die das Image von Apple beschädigen kann: Der iPhone-Hersteller hat bei einer breiten Überprüfung seiner Zulieferer Kinderarbeit und den gefährlichen Einsatz einer Chemikalie entdeckt. In den geprüften 127 Betrieben seien 37 Unregelmäßigkeiten entdeckt worden, teilte Apple am Montagabend in seinem jährlichen Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern mit.

Bei zehn Zulieferern seien insgesamt 91 minderjährige Beschäftigte festgestellt worden - davon 42 bei einem einzelnen. Die Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen sei beendet worden, hieß es. Die anderen seien angewiesen worden, das Alter ihrer Mitarbeiter besser zu kontrollieren.

In einem Betrieb seien 137 Arbeiter in schlecht belüfteten Räumen der Chemikalie N-Hexan ausgesetzt gewesen, was ihrer Gesundheit geschadet habe. Das Unternehmen sei angewiesen worden, den Stoff nicht mehr einzusetzen und die Entlüftung zu verbessern.

Besonders gründlich ist die Lage beim Auftragshersteller Foxconn untersucht worden, der neben Apple-Geräten auch für zahlreiche andere Elektronik-Konzerne produziert. Eine Serie von Selbstmorden unter den Foxconn-Beschäftigten hatte im vergangenen Jahr für weltweites Aufsehen gesorgt. Der amtierende Apple-Chef Tim Cook sei selbst nach China gefahren, um sich ein Bild von der Lage zu machen, erklärte das Unternehmen.

Foxconn sei unter anderem empfohlen worden, die soziale Betreuung der zumeist jungen Beschäftigten zu verbessern. Zugleich hätten die Maßnahmen, die der Zulieferer nach den Selbstmorden ergriffen hatte, "definitiv Leben gerettet". Die Betreiber der Fabrik-Stadt mit Hunderttausenden Arbeitern brachten unter anderem Gitter an den Gebäuden an, nachdem sich Menschen in den Tod gestürzt hatten.

ssu/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Immerhin wird jetzt endlich kontrolliert
Volker Hett 15.02.2011
In China ist das wahrscheinlich alles kein Problem und interessiert auch keinen, da kann nur der Auftraggeber die Kontrolle übernehmen und im Zweifel eben den Auftrag zurück ziehen.
2. Lassen Sie sich mal den letzten Absatz auf der Zunge zergehen,
sponwurm 15.02.2011
Zitat von sysopDie Billigproduktion von Elektrogeräten hat eine hässliche Seite - auch beim Kultkonzern Apple: Der iPhone-Hersteller hat*herausgefunden, dass mehrere*seiner Zulieferer Minderjährige beschäftigen. In einem Betrieb waren Mitarbeiter zudem einer gesundheitsschädigenden Chemikalie ausgesetzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,745637,00.html
und dann wissen Sie, wie blanker Zynismus wirklich funkioniert! Marie-Antoinettes Empfehlung, das Volk möge doch Kuchen zu essen, wenn es kein Brot gebe, ist nachgerade fürsorglich dagegen.
3. Bevor jetzt die üblichen Apple-Basher anfangen...
Zya 15.02.2011
Vielleicht hätte der Artikel etwas deutlicher sagen können, dass a) der gesamte Berichts ausschließlich auf einem Apple Report beruht (http://images.apple.com/supplierresponsibility/pdf/Apple_SR_2011_Progress_Report.pdf), mit dem Apple über die eigenen Massnahmen zur Untersuchung der Zulieferer untersucht. Warum es Apples Ruf schaden soll, wenn man feststellt, dass ein Zulieferer den Ansprüchen nicht gerecht wird und Massnahmen ergreift, dies zu unterbinden, ist mir nicht ganz klar. b) Dieser Report sicher eine Folge des öffentlichen Drucks ist, dem sich Apple im letzten Jahr nach den Selbstmorden bei Foxconn ausgesetzt sah, aber im Vergleich zu vielen anderen Firmen eine wesentlich intensivere Überprüfung der Zulieferer darstellt, als üblich. c) Der Report nicht nur über die Probleme berichtet, sondern auch im Detail beschreibt, was getan wurde, diese Probleme zu beheben. Das geht deutlich über "Empfehlungen" hinaus; Zulieferer wurden auf ihre Erfüllung der Anweisungen kontrolliert. Statt also Apple mit Kinderarbeit in Verbindung zu bringen, um ein paar schnelle Clicks zu erzeugen, hätte man auch etwas nuancierter schreiben können, dass Apple darüber berichtet hat, welche Massnahmen ergriffen wurden, um Kinderarbeit zu verhindern. Aber wen interessiert schon verantwortlicher Journalismus?
4. .
Mort 15.02.2011
Aus dieser Geschichte würde ich Apple keinen Strick drehen. Im Gegenteil. Immerhin haben sie ihre Zulieferer überprüft und dabei die Kinderarbeiter und schlechten Bedingungen gefunden. Ich möchte dagegen nicht wissen, was bei den Zulieferbetrieben von so manch anderen Weltkonzernen (nicht nur in der Unterhaltungselektronik) vor sich geht. Da werden doch normalerweise höchstens Qualität und Termintreue kontrolliert...
5. Vorbildlich!
xenoxx 15.02.2011
Wenn ich das richtig sehe, dann wurden die Überprüfungen von APPLE selbst durchgeführt oder beauftragt. Gleichfalls wurden die Resultate von APPLE veröffentlicht - auch die negativen Ergebnisse. Welche andere Firma kann sich daran messen? Missstände in Produktionsanlagen werden üblicher Weise von beteiligten Firmen verschleiert, geleugnet - oder am Besten verschwiegen. Insofern sehe ich nicht, weshalb das vorbildliche Verhalten APPLEs hier den Ruf der Firma beschädigen sollte - das Gegenteil dürfte wohl eher der Fall sein!
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