Care Energy Netzagentur nimmt Billigstromanbieter ins Visier

Schon wieder gerät ein Billigstromanbieter unter Druck: Laut "Handelsblatt" prüft die Bundesnetzagentur, ob das Hamburger Unternehmen Care Energy rechtswidrig die Zahlung der EEG-Umlage verweigert. Im schlimmsten Fall könnten 250.000 Kunden ohne Strom dastehen.

Stromleitungen in Mehrum (Niedersachsen): Verfahren gegen Care Energy
DPA

Stromleitungen in Mehrum (Niedersachsen): Verfahren gegen Care Energy


Hamburg - Erst Teldafax und Flexstrom, nun bekommt der nächste Billigstromanbieter Probleme: Laut einem Bericht des "Handelsblatts" hat die Bundesnetzagentur ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Care Energy eingeleitet. Der Verdacht: Das Hamburger Unternehmen soll versucht haben, sich "der Pflicht zur Zahlung der EEG-Umlage zu entziehen". Das sagte die Sprecherin der Netzagentur der Zeitung. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte sie die Informationen.

Die Netzagentur stört sich dem Bericht zufolge am Geschäftsmodell von Care Energy. Das Unternehmen tritt gegenüber seinen 250.000 Kunden nicht als Energielieferant auf, sondern bezeichnet sich als Energiedienstleister. So wolle man die Kunden nicht nur mit Strom versorgen, sondern sie auch beraten, wie sich Energie sparen lässt.

Laut "Handelsblatt" begründet Care Energy mit dieser vermeintlichen Sonderrolle, Auflagen nicht erfüllen zu müssen. Das gelte etwa für die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Mit dieser sogenannten EEG-Umlage unterstützen die Verbraucher den Ausbau von Wind- und Solarenergie. Care Energy kalkuliere nicht mit den üblichen 5,3 Cent pro Kilowattstunde, sondern nur mit zwei Cent. So spare der Anbieter monatlich Millionen.

"Eigenwillige Rechtsauslegung"

Die Netzagentur wirft dem Unternehmen eine "eigenwillige Rechtsauslegung" vor. Man habe deshalb ein Verfahren nach Paragraf 95 des Energiewirtschaftsgesetzes eingeleitet. Ein Care-Energy-Sprecher wies im "Handelsblatt" die Vorwürfe zurück: "Wir zahlen alle Steuern, Abgaben und Gebühren bei Fälligkeit pünktlich." Auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage teilte der Sprecher mit, das Unternehmen prüfe "juristische Schritte bezüglich des falschen und verzerrenden Artikels im Handelsblatt". Am Mittwoch werde es eine Pressekonferenz geben, in der Care Energy sich ausführlich äußern werde.

Der Zeitung zufolge könnte der Fall auch für die 250.000 Kunden Folgen habe. Die Netzagentur verweist auf Rechtseinschätzungen von Marktakteuren, wonach die Konstruktion bei Care Energy dazu führe, dass die Grund- oder Ersatzversorgung nicht greife. "Anschlusssperrungen der Endverbraucher könnten die Folge sein." Im Klartext heißt das: Im Extremfall könnten die Kunden also zeitweise ohne Strom dastehen - anders als bei Teldafax.

Das Unternehmen wies auch dies gegenüber dem "Handelsblatt" zurück: "Wenn wir insolvent gehen, fallen die Kunden in die Grundversorgung. Das ist eindeutige Rechtslage."

cte

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Aguilar 14.05.2013
1.
Zitat von sysoppicture alliance / dpaSchon wieder gerät ein Billigstromanbieter unter Druck: Laut "Handelsblatt" prüft die Bundesnetzagentur, ob das Hamburger Unternehmen Care Energy rechtswidrig die Zahlung der EEG-Umlage verweigert. Im schlimmsten Fall könnten 250.000 Kunden ohne Strom dastehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/billigstromanbieter-care-energy-geraet-ins-visier-der-netzagentur-a-899654.html
Dann ist ja bald wieder mit dem Aufheulen der ewigen Schnäppchenjäger zu rechnen.
SirRobin 14.05.2013
2. Ohne Strom - geht doch nicht - oder?
Ich dachte ja immer dass Strom wegen sowas nicht abgedreht werden darf - die Kunden haben ja gezahlt... Warum ist es hier anders?!
ruibok 14.05.2013
3. Die lokalen Anbieter sind zurück!
So langsam versteht es auch der letzte Kunde: Es kann aufgrund des extrem hohen Staatsanteils keine großen Unterschiede zwischen den Anbietern geben. Außerdem bieten fast alle Stadtwerke inzwischen die gleichen Leistungen und oft einen besseren Service. Deshalb wird es in den nächsten Monaten/Jahren eine spürbare Marktbereinigung geben. Ein paar Anbieter mit abenteuerlichen Bonus-Versprechen werden übrig bleiben und ein paar "passende" Kunden auch. Ich bin noch nie gewechselt und zahle in der Summe weniger als viele Bekannte bei selbsternannten "Discountern". Gut ist auf jeden Fall, dass die Bundesnetzagentur nach langem Stillhalten für etwas Ordnung im Strommarkt sorgt.
krulle 14.05.2013
4. @CareEnergy
Ihr seid doch kein "Energieversorger", damit können Eure Anschlüsse gesperrt werden. Und die Kunden werden dann alle Schadensersatzforderungen stellen. Ihr seid so gut wie weg vom Fenster!
glass88 14.05.2013
5. Windige
...andererseits hängen die geiz-ist-geil Kunden ja am Netz der Nahversorger/Stadwerke oder wem auch immer. D.h. bevor der Strom weg ist muss ihn jemand abkelmmen. Wer geht da bei 250.000 Kunden von Haus zu Haus und macht das? Da kommt ein Neuvertrag von lokalen Versorger und gut ist's. ...aber ich würde es den Billigheimern mal gönnen im Dunklen zu sitzen, ohne RTL2
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.