Frankfurt am Main/Hamburg - Deutschland könnte in diesem Jahr zum Netto-Importeur bei Getreide werden. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ist die Bundesrepublik 2012 voraussichtlich erstmals seit 25 Jahren auf Getreideeinfuhren angewiesen. Das Blatt beruft sich auf den Agrarstatistiker Georg Keckl. "Wir haben eine zunehmende Verdrängung von Getreide durch Mais für Biogasanlagen", begründete der Leiter der niedersächsischen Erntestatistik seine Prognose.
Der Selbstversorgungsgrad bei Getreide - das Verhältnis des Verbrauchs zur Herstellung im Inland - sei in der landwirtschaftlichen Saison 2011/2012 auf 96 Prozent zurückgegangen, sagte Keckl demnach.
Auch Experten der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) halten es für möglich, dass die Menge der Einfuhren die Ausfuhren übersteigen wird. Dafür sprächen mehrere Faktoren, sagte Marktexpertin Wienke von Schenck SPIEGEL ONLINE. So sei die Getreideernte 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Millionen Tonnen geringer ausgefallen. Auch würden Verarbeiter auf günstigere Ware aus Nicht-EU-Ländern zurückgreifen, da die Marktpreise für deutsches Getreide unter anderem wegen der schlechten Ernte hoch seien.
Steigende Einfuhren hingen aber auch mit dem Boom bei Bio-Energie zusammen. Demnach nehmen die Anbauflächen für Mais zulasten von Getreide überdurchschnittlich zu.
Zugleich betonte von Schenck, dass Deutschland bereits bisher bei Getreide in bestimmten Bereichen auf Importe angewiesen sei. So werde etwa Roggen und Weizen von hoher Qualität eingeführt. Zuletzt aber überstiegen bei Getreide die Exporte die Menge der Importe noch, sagte von Schenck. Zwischen Juli 2010 und Juni 2011 wurden demnach 11,4 Millionen Tonnen Getreide aus Deutschland ausgeführt und 8,4 Millionen Tonnen aus dem Ausland eingekauft.
mmq/dapd
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