Kryptowährung Größter Bitcoin-Broker will Wetten auf fallende Kurse anbieten

Seit dieser Woche werden sogenannte Bitcoin-Futures angeboten, mit denen Spekulanten auf die Kursentwicklung der Cyberwährung setzen können. Der größte Broker in diesem Geschäft will nun auch riskante Wetten auf sinkende Kurse zulassen.

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Wetten gegen den Bitcoin-Hype sollen schon in den kommenden Tagen erleichtert werden. Der größte Händler im gerade neu gestarteten Geschäft mit Bitcoin-Futures, Interaktive Brokers, will seinen Kunden erlauben, Wetten auf sinkende Bitcoin-Kurse einzugehen. Das sagte der Chef des Handelshauses, Thomas Peterffy, der "Financial Times" - und revidierte damit eine frühere Aussage, wonach er nur Wetten auf steigende Kurse abwickeln wollte.

Seit Anfang der Woche ist an der Optionsbörse in Chicago (CBOE) der Handel mit sogenannten Bitcoin-Futures möglich. Ab der kommenden Woche will eine weitere Börse, die CME, nachziehen. Für die Cyberwährung ist das der Schritt in die traditionelle Finanzwelt.

Mit den Futures können Investoren erstmals in großem Stil mit Terminkontrakten auf die Kursentwicklung des Bitcoin wetten. Der Käufer eines solchen Futures verpflichtet sich dabei, zu einem bestimmten Termin in der Zukunft (zum Beispiel in einem Monat) Bitcoins zu einem schon heute festgelegten Preis zu kaufen. Steigt der Kurs bis dahin über diesen vereinbarten Preis, hat der Käufer ein gutes Geschäft gemacht, fällt er darunter, verliert er Geld.

Solche Terminkontrakte sind ohnehin oft riskant - beim Bitcoin sind sie noch spekulativer. Denn der Kurs der Digitalwährung ist riesigen Schwankungen ausgesetzt. Seit Anfang des Jahres ist er um 1700 Prozent gestiegen. Es gibt aber auch Tage, an denen der Kurs mal eben um 25 Prozent fällt. Gerade Privatanleger sollten deshalb extrem vorsichtig sein.

Ist der Markt aus dem Gleichgewicht?

Händler wie die Firma Interactive Brokers wickeln den Handel im Auftrag von Kunden an den Börsen ab. Unternehmenschef Peterffy gilt eigentlich als Bitcoin-Kritiker und hält die Digitalwährung für ein "systemisches Risiko", das eines Tages Banken und Broker ins Wanken bringen könne. Trotzdem bietet seine Firma die Bitcoin-Wetten an - anders als andere Broker wollte sie allerdings zunächst nur solche auf steigende Kurse zulassen.

Dass Peterffy seine Meinung nun geändert hat, liegt nach seiner Aussage vor allem an den Ungleichgewichten im Markt. Denn die Kurse für Bitcoin-Futures lagen in den ersten Handelstagen deutlich über den eigentlichen Bitcoin-Preisen - teilweise waren sie um bis zu zehn Prozent teurer.

Solch hohe Aufschläge sind ungewöhnlich - und gehen nach Einschätzung von Experten auch darauf zurück, dass die Broker es ihren Kunden schwer machen, gegen den Bitcoin zu wetten. "Wir erkennen, dass wir die Möglichkeit eröffnen müssen, auf fallende Kurse zu setzen", sagte Peterffy der "Financial Times". Allerdings will er dabei hohe Sicherheiten von den Investoren verlangen. Denn wer mit Futures auf fallende Kurse wettet, kann schnell gigantische Verluste einfahren, wenn die Preise weiter so steigen wie bisher.

stk



insgesamt 20 Beiträge
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susuki 13.12.2017
1.
lol, die chinesischen Betreiber der ASIC basierenden Rechencenter mit riesigen Beständen an Bitcoin freuen sich wenn sie beim Verkauf der BitCoins sich gegen fallende Kurse versichern können. Nicht klar ist wie letztlich der kleine Steuerzahler zu Kasse gebeten wird? Aber das wird sich noch zeigen.
FinWir.de 13.12.2017
2. Für eine Nischenwährung ganz schön viel Aufmerksamkeit
Wenn man bedenkt, dass Bitcoins gerade mal 0,01 Prozent aller Zahlungstransaktionen mit einer Kapitalisierung von knapp über 200 Mrd. Dollar ausmacht, ist die Aufmerksamkeit ziemlich groß. Wenn das Kartenhaus aber kollabiert und das wird es bei dieser Blase, dann sind alle wieder vollkommen überrascht, wie das passieren konnte. Aber mit dem Hype zieht man noch den ein oder anderen unbedarften Privatanleger rein, der dann alles verliert.
hefe21 13.12.2017
3. Heimspiel
"Wir erkennen, dass wir die Möglichkeit eröffnen müssen, auf fallende Kurse zu setzen", Supi, die Satire, die das "Digitalgeld" (als ob die offiziellen Währungen nicht auch digitalisiert wären) von Anfang an umweht, hat also auch die Futsch(ur)-Broker erfasst. Sie wollten nur Wetten auf den Sieg der Heimmannschaft anbieten. Gibt es für so viel Infantilismus eigentlich nicht irgendwo einen Preis oder einen Orden? Apropos Infantilismus: wir vermissen noch immer nähere Angaben über diese Coin-Handelsplattformen, also über Orderbücher, Handelsvolumen und die Bonität der dort auftretenden Käufer. Also ob die dort mit Mitteln aus einem Habenüberhang in ihrer Vermögensbilanz auftreten oder stumpf mit auf die Allgemeinheit angeschriebenen Frischkrediten den angewärmten Ofen bedient.
flitzepete 13.12.2017
4. Gier frisst Hirn
Ich kenne jemanden der vor einiger Zeit angefangen hat in Kryptowährungen zu investieren, Bitcoin ist dabei nur eine Variante. Keine große Summe aber aufgrund der exorbitanten Steigerungen der letzten Monate ein durchaus merkbarer Wertzuwachs. Vor ein paar Tagen haben wir uns über das Thema unterhalten. Wir beide halten es für eine Blase. Die Buchgewinne zu monetisieren? - es könnten ja weitere Kursgewinne entgehen. Und das bei mehr als 1000% Gewinn. Ich schaue gespannt von der Seitenlinie zu. Ich hoffe nur der Steuerzahler muss nicht wieder für die Verluste einiger weniger großen Adressen haften.
gruenertee 13.12.2017
5.
Bereits 2013 wurde bei einem Kurs von 1000$/BTC von einer Blase gesprochen, die in naher Zukunft platzen wird. 4 Jahre später liegt der Kurs bei 18.000$/BTC und das Geschrei nach der herbeigesehnten Blase wird immer lauter. Ich denke die größte Angst ist nicht dem Kurs geschuldet, sondern der Angst, dass Bitcoin bzw. Cryptowährungen doch funktionieren könnten und die größte Revolution des Finanzmarktes verschlafen wurde. Übrigens, lediglich 5% des Dollars sind tatsächlich ausgegebene Scheine. Die restlichen 95% sind digitale Dollar, die von Computer A nach Computer B verschoben werden. Für den Euro dürfte es ähnlich aussehen.
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