Turbulenzen in China Neue Börsenschließung - Bitcoin-Kurs bricht ein

Nur einen Tag nach der Bitcoin-Börse BTC hat in China auch der Konkurrent ViaBTC seine Schließung angekündigt. Der Kurs der Digitalwährung stürzte teilweise um fast 30 Prozent ab.

Bitcoin (Illustration)
REUTERS

Bitcoin (Illustration)


Die Cyberwährung Bitcoin ist durch zwei Börsenschließungen in China unter großen Druck geraten. Rund 24 Stunden nach der Megabörse BTC China verkündete auch der Handelsplatz ViaBTC sein Aus zum Monatsende. Auf ViaBTC fiel der Bitcoin-Kurs daraufhin um etwa 16 Prozent auf 18.000 Yuan (2750 Dollar). Auf der Handelsplattform BitPoint stürzte er sogar um fast 30 Prozent auf 2767,85 Dollar ab.

Auch an anderen wichtigen Handelsbörsen wie Bitstamp oder Coinbase fielen Bitcoin unter die Marke von 3000 US-Dollar. Auf Bitstamp wurden ein Tiefstand von 2972 Dollar für einen Bitcoin erreicht. Das waren zwölf Prozent weniger als am Vortag. Seit dem Rekordhoch von knapp 5000 Dollar Anfang September beträgt das Minus damit etwa 40 Prozent.

ViaBTC begründete die Entscheidung mit einer Warnung der chinesischen Behörden vor den Risiken von Cyberwährungen zu Beginn des Monats. Die Aufseher hatten parallel dazu Börsengänge solcher Währungen verboten, sogenannte Initial Coin Offerings (ICO). In den Monaten zuvor hatten chinesische Investoren umgerechnet 333 Millionen Euro bei diesen ICOs angelegt. Medienberichten zufolge will die Regierung in Peking den Handel mit Kryptowährungen komplett verbieten.

China gegen "staatenlose" Cyberwährungen

Am Freitag warnte Li Lihui, Vertreter des chinesischen Branchenverbands der Internet-Finanzwirtschaft und ehemaliger Chef der Bank of China, "staatenlose" Cyberwährungen könnten für illegale Aktivitäten genutzt werden. Von offiziellen Stellen entwickelte Internetwährungen seien dagegen nützlich - passende gesetzliche Rahmenbedingungen vorausgesetzt. Am Donnerstag hatte der Verband bereits dazu aufgerufen, auf den Handel mit Bitcoin und ähnlichen Währungen zu verzichten.

Vor einige Tagen hatte auch der Chef der US-Großbank JPMorgan Chase, Jamie Dimon, Cyberwährungen scharf kritisiert. Er bezeichnete Bitcoin als Betrug. Der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny warnte vor einigen Wochen ebenfalls vor den Gefahren. Ein Verbot sei allerdings kein Thema.

Bitcoin ist die bekannteste unter den mittlerweile zahlreichen Digitalwährungen, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Sie werden im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen nicht von einer staatlichen Zentralbank ausgegeben, sondern in einem komplizierten technischen Verfahren von privaten Nutzern hergestellt (Mining).

Befürworteter schätzen an Digitalwährungen die Unabhängigkeit von staatlicher Kontrolle. Da Beträge schnell und anonym weltweit transferiert werden können, sind sie aber auch für Nutzer interessant, die Geld aus illegalen Geschäften waschen oder Kapitalkontrollen umgehen wollen. Neben Bitcoin gibt es unter anderem die Digitalwährungen Etherium, Monero und Ripple.

Verglichen mit herkömmlichen Währungen sind die Kursschwankungen von Digitalwährungen wesentlich größer. Der Bitcoin stand zu Jahresbeginn bei 1000 Dollar, verfünffachte sich dann bis zum Frühherbst im Wert und stürzte abschließend wieder ab.

dab/Reuters/dpa



insgesamt 69 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
micromiller 15.09.2017
1. Die Chinesische Regierung
handelt verantwortungsvoll! Währungen sind kein Spielplatz für Cyber-Schakale!
sozialismusfürreiche 15.09.2017
2. mal sehen ...
Irgendwann wollen die Bitcoin -Millionäre auch echtes Geld dafür sehen. Wenn dann mehrere ihre Bitcoin eintauschen wollen dann bricht der Kurs ins bodenlose ein. Ja das ist wie Tulpenzwiebeln. Aber immerhin, die konnte man wenigstens noch pflanzen ....
robin-masters 15.09.2017
3. Kein Grund zur Panik
Kurs war eh übertrieben hoch und die Idee Bitcoin wird auch nicht sterben - dafür ist sie zu erfolgreich. Das man das in China mit argwohn sieht war klar - Menschen die nicht absolut transparent sind - sind dort ja prinzipiell Böse... so ähnlich ist es ja hier zu lande. Gut das es noch Länder mit anderem Rechtsverständnis gibt.
Pixopax 15.09.2017
4. Gut so, diese Währung dient nur Verbrechern
Alle Länder sollten dem Beispiel folgen und anonyme Währungssysteme untersagen. Momentan kann man mit diesen Währungen nichts anderes machen als Lösegeld zahlen oder illegales Zeug im Darknet bestellen. Einen Nutzen für die Wirtschaft hat sie nicht.
mrotz 15.09.2017
5.
Zitat von micromillerhandelt verantwortungsvoll! Währungen sind kein Spielplatz für Cyber-Schakale!
Ähm... dann müsste man sämtliche Börsen und insbesondere den Hochfrequenzhandel sowie auch den Handel mit Derivaten und Edelmetallen einstellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.