Bitcoin-Hype Vor fünf Jahren 1000 Dollar investiert = heute 2.000.000 Dollar

Der Kurs der Digitalwährung Bitcoin hat sich seit Jahresbeginn verzehnfacht - das weckt mittlerweile auch die Gier normaler Privatanleger. Ist die Aufregung berechtigt? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Bitcoin-Münze (Symbolbild)
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Bitcoin-Münze (Symbolbild)

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Im Internet breitet sich derzeit eine der wildesten Finanzspekulationen aller Zeiten aus. Spekulanten pumpen immer mehr Geld in Bitcoin - die Kurse steigen schneller und schneller. Der Preis eines einzelnen Bitcoin stieg seit 2010 von wenigen Cent auf 1000 Dollar Anfang des Jahres. Am Dienstag durchbrach der Bitcoin-Kurs dann auf einigen Handelsplattformen die Marke von 10.000 Dollar. Am Mittwoch war es auch an der führenden Krypto-Börse Bitstamp zum ersten Mal soweit: Die Marke von 10.000 Dollar wurde geknackt. Der Kurs kletterte auf 10.069,12 Dollar. Allein seit Jahresbeginn hat sich der Kurs damit verzehnfacht.

Oder anders gesagt: Hätte man Anfang 2012 1000 Dollar in Bitcoin investiert, hätte man jetzt zwei Millionen Dollar auf dem Konto.

Ob sich ein Einstieg noch lohnt, und welche Risiken es gibt - die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist der Bitcoin?

Bitcoin ist eine digitale Währung, auch Kryptowährung genannt. Im Unterschied zu herkömmlichen Geld, kaufen die Nutzer sie ausschließlich über das Internet. Die Währung besteht aus Zahlencodes, die sich mit jeder Transaktion neu verschlüsseln und dadurch sehr fälschungssicher sind. Die Nutzer verwahren ihre Bitcoin in sogenannten Wallets, das sind digitale Portemonnaies, die sich als Software auf den Computer herunterladen lassen. (Hier lesen Sie, wie Sie Bitcoins kaufen können.)

Bitcoin ist aber nicht nur ein Bezahlsystem, sondern auch eine Währung an sich. Er ist also nicht nur Alternative zu Bargeld und Kreditkarte, sondern auch zu Euro und Dollar.

Hinter der Währung steckt das revolutionäre Blockchain-Prinzip: eine dezentrale Datenbank, die alle Bezahlvorgänge der Digitalwährung verschlüsselt und dokumentiert. Sie ist ein kollektives Buchhaltungssystem aller Bitcoin-Transaktionen, die jemals getätigt wurden. Die Datenkette verlängert sich mit jeder Transaktion um ein weiteres Datenpaket und aktualisiert sich laufend selbst.

Warum steigt der Kurs immer weiter?

Zuletzt ließ sich der extreme Kursanstieg noch erklären: Immer mehr Händler akzeptieren Bitcoin als Alternative zur Kreditkarte und einige Terminbörsen ließen den Handel mit sogenannten Futures auf Bitcoin zu. Damit wurde der Bitcoin auch für den Massenmarkt attraktiv.

Doch inzwischen hat sich eine Spekulationsblase entfaltet. Für die aktuelle Rekordjagd sehen Experten keine plausiblen Gründe mehr und sprechen von einer "allgemeinen Spekulation auf die Digitalwährung". Denn inzwischen steigen auch Laien in das Geschäft mit dem Bitcoin ein und heizen so die Nachfrage weiter an.

Was ist der Vorteil von Bitcoin gegenüber anderen Zahlungsmitteln?

Das digitale Währungssystem von Kryptowährungen ist von Staaten und Zentralbanken unabhängig. Das bietet Anonymität.

Außerdem sind Bitcoins durch die Blockchain-Technologie fälschungssicher und lassen sich auf der ganzen Welt in Sekunden einsetzen. Wo sich bisher Finanzbuchhalter bei Transaktionen von Firmengeld durch Zahlenkolonnen hangelten, laufen mit Blockchains sämtliche Transaktionen automatisch im Hintergrund.

Wie werden Bitcoins hergestellt?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Geld braucht es keine Zentralbank oder Notenbank, um die Währung auszugeben. Bitcoins entstehen auf den Rechnern ihrer Nutzer. Die Computer stellen durch komplexe Software Rechenleistung bereit, durch welche neue Bitcoins "geschürft" werden.

Mit einem normalen PC lohnt sich das Schürfen längst nicht mehr, denn durch die starken Kursanstiege wird immer mehr Rechenleistung benötigt, um einen Bitcoin herzustellen. Professionelle Bitcoin-Schürfer stellen deshalb ganze Armeen von Rechnern auf, um gemeinsam leistungsstarke Netzwerke zu schaffen. Weltweit laufen "Mining"-Rechner Tag und Nacht und saugen dabei riesige Mengen an Strom: laut Berechnungen mehr als die US-Großstädte Chicago und San Francisco zusammen.

Wer hat den Bitcoin erfunden?

Es ist immer noch ein Rätsel, wer den Bitcoin erfunden hat. In Onlineportalen taucht immer wieder der Name "Satoshi Nakamoto" auf. Dahinter könnte sich ein Mann, eine Frau oder eine Gruppe von Menschen verbergen. Immer wieder wird auch Tesla-Chef Elon Musk als sagenumwobener Erfinder ins Spiel gebracht. Doch Musk twitterte am Dienstag: "Nicht wahr. Ein Freund hat mir einen Teil eines Bitcoins vor ein paar Jahren geschickt, aber ich weiß nicht, wo er ist."

Ist der Bitcoin als private Geldanlage geeignet?

Nein. Der Bitcoin ist ein hoch spekulatives Investment und eignet sich nicht für die Altersvorsorge. Denn die Kurse schwanken extrem: Jüngst ist der Bitcoin-Kurs in zwei Stunden um fast 500 Dollar abgestürzt und danach fast ebenso schnell wieder in die Höhe geschossen.

Natürlich kann der Bitcoin auch noch auf einen Kurs von 12.000 oder 50.000 steigen, genauso kann es aber sein, dass der Wert in Kürze vollständig in sich zusammenbricht. Wenn der Bitcoin irgendwann vom Markt verschwindet, droht Anlegern der Totalverlust. Denn im Gegensatz zu Aktien und Staatsanleihen steht hinter der Digitalwährung kein realer Wert. Und anders als Euro oder Dollar kann man mit Bitcoin auch nicht seine Steuern zahlen, sie sind kein staatlich akzeptiertes Zahlungsmittel.

Zwar sind sich Trendforscher sicher, dass Kryptowährungen eine große Zukunft vor sich haben. Die dahinterliegende Technologie, die Blockchain, werde sich als virtuelles Zahlungsmittel durchsetzen und klassische Zahlungsmittel ablösen, glauben sie. Aber es ist völlig unklar, ob am Ende der Bitcoin die Basiswährung aller digitalen Währungen sein wird. Denn längst sind neue Kryptowährungen entstanden, die viele Experten für noch bahnbrechender als den Bitcoin halten. Noch ist also völlig unklar, welche digitale Währung sich am Ende durchsetzt.

Besonders risikofreudige Anleger können sich kleine Summen von Kryptowährungen als hochspekulative Beimischung ins Depot legen. Dann sind sie mit dabei, wenn sich der globale Blockchain-Trend durchsetzt.

Klar ist aber auch: Die Chancen auf große Kursgewinne sind inzwischen viel geringer als noch vor ein paar Monaten. Inzwischen dürfte die Wahrscheinlichkeit eines Kursverfalls deutlich höher sein, als die eines weiteren Kursanstiegs. Denn inzwischen ist der Bitcoin zum Straßengespräch geworden. Ob Taxifahrer, oder Unternehmensberater, alle reden über ihn. Das allein ist ein Zeichen, die Finger davon zu lassen.

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Seite 1
olaf.lieser 29.11.2017
1. gut formuliert mit einem Fehler
Lieber Autor, herzlichen Dank, im wesentlichen gut auf den Punkt gebracht. Auch, dass niemand wirklich weiß, wann die Blase genau platzt und wie hoch es noch gehen kann. Ein Denkfehler jedoch: Die Tatsache alleine, dass Bitcoins teurer werden macht es MEHR lukrativ sie zu schürfen (minen). Ich bekomme doch mehr Geld für das Produkt! Wie bei Gold. Goldminen geht es GUT, nicht schlecht,m wenn das Gold teurer wird. Was das Schürfen teuer macht, ist die Tatsache, dass die noch zu "entdeckenden" Bitcoins - da von einer absolut begrenzten Zahl Coins schon viele da sind - nur aufwändig zu "finden" sind. Das überwiegt den Faktor Preis.
brandyandy 29.11.2017
2. Lieschen Müller
Es ist wie bei allen Hypes: wenn Lieschen Müller darüber redet, ist das Ding schon durch... Wer da jetzt noch "reingeht" läuft große Gefahr, abgezockt zu werden (hat man beim Börsengang von Facebook aber auch gesagt). Nun ja, mir ist das Ding damals aufgefallen und ich hielt es für ne Spielerei. Hätte ich meine 1000 $ zu ein paar $/Bitcoin investiert, wäre ich wahrscheinlich schon bei 10-20$ wieder ausgestiegen und hätte mir (zunächst) nen Ast gefreut. Aus solchen und ähnlichen Gründen muss ich ja auch noch jeden morgen zur Abbeit gehen...
JochenHe 29.11.2017
3. BitcoinCash
Ich traue meinen Augen kaum - ein kompletter Artikel zu dem Thema der quasi Bitcoin in den Himmel lobt, ohne dabei auf BitcoinCash und was es mit dieser Fork auf sich hatte, hinzuweisen? Wer jetzt noch in Bitcoin investiert wird zu den gleichen armen Teufeln gehören die am neuen Markt kurz vor Schluss gekauft hatten. Bitcoin ist in seiner jetzigen Form am Ende seiner technischen Möglichkeiten angelangt. Eine zweijährige Debatte über die Zukunft Bitcoins endete mit einer Hardfork. Wer heute noch in Bitcoin investieren will, nur in die geforkte Version, BitcoinCash investieren (BCH). Wer weiterhin in diesen Hype um BTC investiert wird bald sein blaues Wunder erleben. Alle Personen die mit der Entwicklung Bitcoins jahrelang beschäftigt waren und hinter dem Projekt standen, sind mittlerweile bei BitcoinCash versammelt, welches mit 8MB Blocks einfach die Zukunft darstellt.
kotzgott 29.11.2017
4.
Meine erste Begegnung mit Bitcoins hatte ich Ende 2010. Damals hatte ich keine Ahnung, was auf mich zukommt und vor allem habe ich die Blockchain nicht verstanden bzw. mich nicht dafür interessiert. Die Blockchain und an zweiter Stelle der Bitcoin werden oder besser gesagt, fangen an die Welt zu verändern. Zum Artikel möchte ich nur anmerken, dass man ihn um die Rolle der Medien ergänzen sollte. Cryptowährungen wurden in den letzten Jahren immer im Zusammenhang mit Mafia, Geldwäsche, Terrorismus und Kinderpornografie gebracht und wie es so in der Branche ist, orientiert sich der eine am anderen und am Ende erzählt jeder die gleiche Geschichte. Das Spielchen hatten wir schon davor bei verschlüsselten E-Mails und auch auch beim Tor Browser.
librax 29.11.2017
5.
Bitcoins sind nicht durch Sachwerte, Rohstoffe, Dienstleistungen, Staaten oder Institutionen gesichert. Nicht einmal das Konzept ist geschützt. Die Kurse werden durch Gier getrieben, nicht weil tatsächliche Nachfrage besteht. Es ist eine Wette auf erhoffte Kursteigerungen. Die Gewinne aus der Spekulation werden nicht in eine Firme „Bitcoin“ investiert, sondern überwiegend in sichere Anlagen. Der Weg ist vorgezeichnet. Ich empfehle das unterhaltsame Buch „Tulpenwahn“ von Mike Dash.
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