Kryptowährung Was hinter dem Bitcoin-Crash steckt

Der Bitcoin hat binnen Stunden massiv an Wert verloren. Experten haben dafür mehrere Erklärungen.

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Der US-Getränkehersteller Long Island Iced Tea trieb das Prinzip Bitcoin diese Woche auf die Spitze. Nachdem er sich in Long Blockchain Corp umbenannte, stieg der Aktienkurs des Unternehmens an der Börse um mehr als 200 Prozent. Blockchain verweist auf die Basistechnologie des Bitcoins. Dass die Limo-Firma nun angeblich in sie investieren will, lockte Anleger.

Wie bei Long Island Iced Tea geht es auch bei der Kryptowährung selbst um die Frage: Was ist sie wirklich wert? Am Freitag sackte der Preis binnen Stunden um rund 30 Prozent ab - auf unter 12.000 Dollar. Vergangenes Wochenende war die Währung noch in Richtung 20.000 Dollar gestiegen.

Es lohnt, an der Idee Bitcoin festzuhalten

Ein Analyst sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg von einem "Realitätscheck", dem sich die rein virtuelle Währung nun unterziehe. Laut dem Wirtschaftsinformatiker Gilbert Fridgen von der Universität Bayreuth spricht tatsächlich viel dafür, dass der aktuelle Kursrutsch auf eine Blase zurückgeht. Aber: "Eine Konsolidierung ist grundsätzlich gar nicht so schlecht, die Blase hätte noch viel größer werden können." Es sei aber genauso denkbar, dass der Kurs schnell wieder ansteigt und bald alte Höhen erreicht.

Den Wert der Bitcoins Chart zeigen bestimmen allein Angebot und Nachfrage. Staaten oder Zentralbanken, die regulierend eingreifen, gibt es nicht - genauso wenig wie eine nennenswerte Volkswirtschaft, die dahintersteht und für Stabilität sorgt. Dennoch hätten ihn in den vergangenen Wochen sehr viele Menschen auch fernab der IT-Szene gefragt, ob sie nicht Bitcoins kaufen sollten, sagt Fridgen. "Dabei würde es mich nicht wundern, wenn der Kurs noch mal um 30 Prozent einbricht."

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Die größten Digitalwährungen: Bitcoin und die Alternativen

Getrieben von der Hoffnung auf schnellen Profit griffen viele Anleger zu - wobei allen klar sein sollte, dass Bitcoins nicht zur Altersvorsorge taugen. Der Preis schoss in die Höhe, auch weil das Angebot knapp ist: Maximal 21 Millionen Bitcoins soll es dem zugrunde liegenden Algorithmus zufolge je geben. Nachdem der US-Möbelhändler Nova LifeStyle ankündigte, künftig Bitcoin und andere Kryptowährungen regulär als Zahlungsmittel zu akzeptieren, legte der Kurs nochmals kräftig zu.

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Warum also stürzte der Kurs ausgerechnet an diesem Freitag ab? Viele Investoren, so der Gründer der Londoner Branchen-Website Cryptocompare, Charles Hayter, wollten zum Jahresende nun noch Gewinne einstreichen - und sich so in die Weihnachtspause verabschieden. Für das Einknicken des Kurses gibt es zudem noch weitere Gründe:

  • Die Bitcoin-Börse Coinbase sieht sich mit dem Verdacht des Insiderhandels konfrontiert.
  • Der dänische Zentralbankchef Lars Rode warnte Anleger in einem viel beachteten Interview von Danmarks Radio: "Bleiben Sie weg. Das ist tödlich!"
  • Die südkoreanische Bitcoin-Plattform "Youbit" musste zudem wegen eines Hackerangriffs den Betrieb einstellen, ein Teil der Einlagen ging verloren.

Bitcoins sind Zahlencodes, die bei jeder Transaktion per Blockchain gespeichert und neu verschlüsselt werden. Auf dem USB-Stick, im Handy oder im Rechner wird die Währung den Käufern in digitalen Brieftaschen (Wallets) angezeigt - und von dort aus können sie sie einsetzen.

Da es - anders als etwa in Asien - hierzulande bislang nur wenige Geschäfte gibt, die digitales Geld akzeptieren und kaum jemand Bitcoins hergeben will, gilt die Währung für viele bloß als (äußerst riskante) Geldanlage. Hinzu kommt: "Das Bitcoin-System ist aus heutiger Sicht veraltet, da es für Transaktionen zu langsam und zu teuer ist, aber in der Welt der Kryptowährungen hat es die Funktion einer Leit- und Reservewährung", sagt Fridgen.

Video: So funktionieren Kryptowährungen

Die Europäische Zentralbank und die Finanzaufsicht BaFin warnen im Zuge des Kursanstiegs allerdings vor Verlusten. Die deutsche Chef-Aufseherin Elisabeth Roegele machte Spekulanten und windige Geschäftemacher am Markt aus. Der US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz forderte gar ein Verbot, da die Währung "keinen sozialen Nutzen" habe. Andererseits dürften die Folgen eines Platzens einer Bitcoin-Blase überschaubar sein: "Vom Marktvolumen her sind das noch keine Zahlen, die eine Volkswirtschaft schrecken", sagt Fridgen.

Doch selbst wenn die Kurse weiter abstürzen sollten: Es lohnt, an der Idee Bitcoin festzuhalten. Die Technologie der Kryptowährungen kann für die Wirtschaft konstruktiv eingesetzt werden. "Etwa wenn es darum geht, Plattformen zu erstellen, die Angebote verschiedener Marktteilnehmer vereinen", sagt Wirtschaftsinformatiker Fridgen.

Café in Singapur, in dem mit Bitcoin bezahlt werden kann
REUTERS

Café in Singapur, in dem mit Bitcoin bezahlt werden kann

Als Beispiel nennt er ein Angebot, über das man etwa verschiedene Verkehrsmittel von verschiedenen Anbietern buchen und kombinieren kann - obwohl diese in Konkurrenz zueinander stehen. "Einen zentralen Plattformbetreiber, der immer auch eigene Interessen verfolgt, wollen Unternehmen in der Regel vermeiden - er hätte zu viel Marktmacht. Eine neutrale Plattform auf Basis der Blockchain löst dieses Dilemma und könnte so neue Angebote schaffen und für den Kunden Vorteile bieten."

Nach langem Zögern öffnen sich mittlerweile auch Banken den Kryptowährungen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs will einem Bloomberg-Bericht zufolge sogar einen eigenen Handelsbereich für Kryptowährungen einrichten. Das ist ein Weg, den auch Fridgen befürwortet: "Die Musikkonzerne stemmten sich gegen das Filesharing, dann stießen Apple, Amazon und Spotify in die Marktlücke."

Die Finanzbranche sollte den Fehler nicht wiederholen: Außer für Limo-Hersteller könnten Blockchains auch für Banken und Staaten eine Chance sein. Nur, mit Bitcoins selbst wird das wohl nicht klappen - die Gesellschaft verlangt nach Sicherheit und Regulierung.

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Mit Material von Reuters

insgesamt 96 Beiträge
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bigroyaleddi 22.12.2017
1. Es ist eine Schimäre
und nur der Profotgier und der Spekulation unterworfen. Wenn man sich daran beteiligt, muss man auch damit rechnen, mal kräftig was in den Sand zu setzen.
uhrentoaster 22.12.2017
2. Gute Nachricht
Das ist eine gute Nachricht. Diese Pseudowährung sollte so schnell wie möglich verschwinden.
zeisig 22.12.2017
3. Schadenfreude nicht verhehlen.
Ich gebe zu, ich habe das Prinzip nie verstanden. Aber ich habe immer daran geglaubt, daß virtuelles Geld ohne Gegenwert einfach nur heiße Luft ist und sich irgendwann auch als solche entpuppt. Ich habe kein Mitleid mit den Verlierern. Im Gegenteil hoffe ich, daß es noch weiter runtergeht mit dem Bitcoin. Möge dies als Warnung verstanden werden an alle, die aus "Nichts" Geld machen wollen.
JONZ 22.12.2017
4. Experten experturbieren Expertiefen des Elends
Leute, lasst das gut sein mit euren hilflosen Cryptoberichten. BITTE BITTE BITTE BITTE. Bitte? https://twitter.com/robertreidmd/status/944208162630000641
firefox34 22.12.2017
5. Der Bitcoin
hat keinerlei Bedeutung für die Realwirtschaft. Reine Spekulation. Man könnte auch ins Casino gehen um sein Geld zu vermehren...
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