BIZ-Jahresbilanz Oberste Zentralbank sieht große Risiken bei Europas Geldhäusern

Europas Banken befinden sich weiter in einer kritischen Situation. Davor warnt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in ihrem Jahresbericht. Ihr Chefökonom fürchtet, konservative Großanleger könnten neue Finanzmarktturbulenzen auslösen.

Bankenstadt Frankfurt am Main:  "Lage in Europa bleibt angespannt"
REUTERS

Bankenstadt Frankfurt am Main: "Lage in Europa bleibt angespannt"


Basel - Auch fast sechs Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise befindet sich insbesondere Europas Bankensektor nach Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) weiter in einer kritischen Situation.

Weltweit habe die Branche zwar wieder recht gut Tritt gefasst, allerdings bleibe die Lage gerade in Europa angespannt, heißt es im am Sonntag in Basel veröffentlichten Jahresbericht der "Bank der Zentralbanken". Der Handlungsbedarf sei weiter groß, um die Banken widerstandsfähiger und ihre Geschäftsmodelle langfristig tragfähig zu machen.

Gerade in Europa sei die hohe Verschuldung der Institute weiter ein Risiko. Allerdings räumt die BIZ ein, dass die Institute in der Eurozone zuletzt im Zusammenhang mit dem laufenden Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank diese Probleme verstärkt angingen. Die Institute machten nun anscheinend Ernst damit, in ihren Bilanzen aufzuräumen und Problemanlagen abzuschreiben.

Die BIZ dient als Plattform für den Austausch von Notenbankern in aller Welt und war eine der wenigen Institutionen, die vor der schweren Finanzkrise der Jahre 2007/08 gewarnt hatten. Ihr Jahresbericht gilt unter Fachleuten als eine bedeutende Analyse von Weltwirtschaft, Geldpolitik und Finanzwirtschaft. (Hier können Sie den kompletten Report als PDF lesen.)

Darin heißt es, außerhalb des Euroraums - vor allem in den USA - hätten sich die Gewinne der Banken im vergangenen Jahr wieder deutlich verbessert. Dagegen sei in der Eurozone angesichts von Staatsschuldenkrise und der verbreitet schwierigen Konjunktur die Ertragslage trüb geblieben.

Chefökonom warnt vor Risiken bei Großinvestoren

Insgesamt habe der Sektor weltweit seit der Krise seine Puffer verstärkt, indem Gewinne einbehalten wurden. Zugleich senkten die Banken ihren Bestand an Risikopositionen. Allerdings bemängelt die BIZ dabei, dass dies auch daran lag, dass die Institute einfach optimistischere Risikomodelle anwendeten. Bei der Berechnung dieser Werte forderte die Notenbanker-Institution nun erneut mehr Transparenz, um das Vertrauen in die Stabilität der Banken zu stärken.

Neue Turbulenzen auf den Finanzmärkten könnten durch eigentlich als eher konservativ geltende Großinvestoren wie Pensionsfonds oder Vermögensverwalter ausgelöst werden. Während viele Banken immer noch ihre Wunden nach der jüngsten Krise leckten, gingen diese angesichts der weltweit niedrigen Zinsen immer höhere Risiken ein, unter Druck teils garantierte Erträge erwirtschaften zu müssen, sagte der neue Chefvolkswirt der BIZ, Hyun Song Shin, der Nachrichtenagentur Reuters. "Aktuell sieht alles zwar sehr gut aus, aber es baut sich möglicherweise ein schmerzhafter und sehr zerstörerischer Umschwung auf."

Für den südkoreanischen Ökonomieprofessor sind insbesondere die geringen Schwankungen der Notierungen an den Weltmärkten ein Warnsignal. Durch die aus seiner Sicht trügerische Ruhe werde verdeckt, dass einzelne Investoren schon heute immense Risiken aufgebaut hätten.

fab/dpa/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.