"Black Friday" und "Cyber Monday" Ver.di ruft zu Streiks bei Amazon auf

Rund um die Aktionstage "Black Friday" und "Cyber Monday" will die Gewerkschaft Ver.di den Onlinehändler Amazon bestreiken. Der Konzern zeigte sich gelassen.

Mitarbeiterin in einem Amazon Logistik-Zentrum
DPA

Mitarbeiterin in einem Amazon Logistik-Zentrum


Die Gewerkschaft Ver.di hat die Beschäftigten mehrerer Amazon-Standorte zum Streik aufgerufen. Der Ausstand fällt in die Zeit der Schnäppchentage "Black Friday" und "Cyber Monday", an denen viele Händler mit Sonderangeboten locken. Sie fallen auf diesen Freitag und den kommenden Montag. Auch viele stationäre Händler beteiligen sich daran.

Laut Ver.di traten Beschäftigte am Standort Leipzig und in Koblenz in den Streik. Für Freitag rief die Gewerkschaft Angestellte an insgesamt sechs großen Standorten auf, die Arbeit niederzulegen - neben Leipzig und Koblenz in Bad Hersfeld, Rheinberg, Werne und Graben.

Ver.di fordert eine Bezahlung der Amazon-Beschäftigten nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels. "Die Cyber-Monday-Woche macht besonders die Widersprüchlichkeit dieses Unternehmens deutlich", sagte Ver.di-Streikleiter Ronny Streich.

Ver.di fordert Tarifvertrag

Eine ganze Woche lang gebe es Rabatte und neue Angebote, gleichzeitig würden den Beschäftigten aber "elementare Rechte wie tarifliche Bezahlung verwehrt". So sei im Handel etwa die Zahlung eines Weihnachtsgeldes in Höhe eines halben Monatslohns üblich.

Löhne, Gehälter, Urlaubs- und Weihnachtsgeld müssten "verbindlich in einem Tarifvertrag" geregelt werden, forderte auch Ver.di-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago.

Ver.di forderte den Konzern eigenen Angaben zufolge an allen deutschen Standorten erstmals auch zu einem speziellen Tarifvertrag "Gute und gesunde Arbeit" auf. Amazon gefährde mit seiner Arbeitsweise "permanent" die Gesundheit seiner Beschäftigten, sagte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

"Hoher Druck, immer mehr in kürzerer Zeit zu schaffen, permanente Leistungskontrollen und Überwachung, eine schlechte Führungskultur und unzureichende Erholungszeiten" seien Gesundheitsgefährdungen im Amazon-Arbeitsprozess. Das würden weit überdurchschnittlich hohe Krankheitsraten belegen.

brt/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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FinWir.de 23.11.2017
1. Hat das bisher eigentlich irgendetwas gebracht?
Haben deswegen wirklich Leute ihre Pakete nicht erhalten oder ist die Lieferkette zusammengebrochen? Ich hab etwas das Gefühl, dass hier gegen Windmühlen gekämpft wird, ohne auch nur ansatzweise eine Auswirkung auf das Geschäft von Amazon zu haben. Vielleicht sollte Verdi sich mal an die Politik wenden und ihre Kungelei bei Leiharbeitern beenden und dort richtig Druck machen.
.freedom. 23.11.2017
2. Warum ist jemand dagegen, dass ein Arbeiter ...
so viel verdient wie möglich? Das habe ich mich des öfteren gefragt. Mitlerweise hat sich herausgestellt, dass viele Amazon-Shopbetreiber nicht wollen, dass die Arbeiter höher bezahlt werden. Diese Shop und Affiliate Betreiber tauchen in vielen Foren auf und plädieren für niedrigste Löhne der Arbeiter. Firmen die durch niedrige Löhne die Aktionäre füttern werden von mir nicht unterstützt.
g.eliot 23.11.2017
3.
Dass solche Aufrufe nur selten gegen deutsche Unternehmen erfolgen, ist inzwischen auffällig. Da fallen mir gewisse Lieferdienste z.B. ein... Ach, sorry, ganz vergessen. Dort arbeiten die Menschen wohl eh nur noch mit Werkverträgen oder sonstigen Verträgen, sind sowieso keine Gewerkschaftsmitglieder. Hm, war das nicht die SPD, die das Gewerkschaftssystem zerschlagen hatte? Und heute wird gejammert, dass die Menschen mit nur einem Job nicht davon leben können, während die Konzerngewinne steigen... Aber ist immer schön medienwirksam, wenn man eine amerikanisches Feindfigur bei dem ganzen Elend stellvertretend angreifen kann.
bold_ 23.11.2017
4. weit überdurchschnittlich hohe Krankheitsraten
können kompensiert werden durch einen ausreichend großen Haufen von Schlechtbezahlten? Wachsen solche Menschen beliebig nach? Mit welcher "Methode" kann A. auf Dauer niedrigere Arbeitskosten erzielen? Müssen wir uns noch lange um deutsche Standorte Gedanken machen - oder wird A die gesamte Arbeit in den Osten verlagern? Für mich gibt es nur eine Lösung: Weiterhin niemals bei A. kaufen!
Eumelkopp 23.11.2017
5. Smile
Ich finde Amazon großartig! Bis auf Lebensmittel kaufe ich eigentlich alles dort. Das ist einfach und bequem. Zu dem bin ich Prime Kunde, nutze Amazon Video und Music Unlimited sowie Audible. Sorry, aber aufgrund des Jobs habe ich keine Lust, die wenige freie Zeit mit Shopping in irgendwelchen Innenstädten zu verbringen. Da kommen mir die Angebote von Amazon sehr gelegen.
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