Waterloo - Eigentlich war es ein guter Tag für RIM. Der gebeutelte Hersteller des einst hippen Handys Blackberry hat im abgelaufenen Quartal einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Nach mehreren Quartalen mieser Bilanzen eigentlich eine positive Nachricht. Doch dann schockte Vorstandschef Thorsten Heins die Anleger mit einer Bemerkung, und die Aktie stürzte ab. Um bis zu 17 Prozent.
Konkret ging es um die Neuordnung der Servicegebühren. Die machen rund ein Drittel des RIM-Geschäfts aus. Nun aber entnahmen die Anleger einer Ankündigung von Heins, dass sie bald deutlich sinken könnten.
RIM will die Servicegebühren stärker staffeln: Kunden, die zusätzliche Dienste etwa für mehr Sicherheit nutzen, sollen sie weiter bezahlen. Von anderen dürfte weniger Geld kommen. Konkrete Beträge blieben offen, ebenso wie die Frage, ob alle Kundengruppen von der Änderung betroffen sein werden. Heins betonte, dass er nicht mit einem Absacken des Servicegeschäfts rechne. Doch die Anleger blieben skeptisch.
Zuvor hatte RIM bessere Zahlen vorgelegt als erwartet. Unterm Strich stand - nach hohen Verlusten in den vergangenen Quartalen - sogar ein Gewinn von neun Millionen Dollar. Er entstand, weil eine Steuergutschrift den operativen Verlust von 212 Millionen Dollar mehr als ausglich - aber immerhin.
Umsatz schrumpft, eine Million Kunden weniger
Der Umsatz belief sich auf 2,73 Milliarden Dollar. Verglichen mit dem Vorjahresquartal bedeutete das einen Einbruch von 47,2 Prozent. Gemessen am Vierteljahr war das Minus mit 4,6 Prozent deutlich moderater. Die Zahl der Blackberry-Kunden sank um eine Million auf 79 Millionen. Es war das erste Mal überhaupt, dass die Blackberry-Kundenbasis zurückging.
Der aus Deutschland stammende Heins will im Februar das nächste Betriebssystem Blackberry 10 mit neuen Geräten auf den Markt bringen. Mit der mehrfach verzögerten Software verbindet RIM die Hoffnung, Anschluss an die erfolgreicheren Rivalen Samsung und Apple zu finden. Die neuen Smartphones würden derzeit von rund 150 Mobilfunkbetreibern getestet, sagte Heins. RIM hofft, mit dem neuen System auch Unternehmen und Behörden als Kunden zu behalten, die zuletzt immer häufiger unter anderem zu Apples iPhones wechselten.
Die Blackberrys von RIM waren einst sehr populär, doch das kanadische Unternehmen ignorierte zu lange den Trend zu Touchscreens und war zu langsam bei der Weiterentwicklung der Software. Als Folge schmolzen die Marktanteile dahin.
Apple verkaufte im vergangenen Quartal mehr als 26 Millionen seiner Smartphones, Samsung kommt auf mehr als 50 Millionen Computer-Handys pro Vierteljahr. RIM verkaufte im vergangenen Quartal rund 6,9 Millionen Blackberry-Smartphones und 255.000 Tablet-PC.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand ein Bild, das nicht RIM-Chef Thorsten Heins zeigte. Dieser Fehler beruhte auf einer falschen Angabe einer Nachrichtenagentur. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
ssu/dpa-AFX
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