Blitz-Stresstest: Commerzbank braucht mehr Geld
Der Aktienkurs der Commerzbank ist auf ein Rekordtief abgerutscht. Grund ist ein Bericht über massiven Kapitalbedarf: Laut Nachrichtenagentur Reuters benötigt das Geldhaus fünf Milliarden Euro. Das Institut selbst schweigt.
Frankfurt - Seit Tagen wird darüber spekuliert, wie viel zusätzliches Kapital die deutschen Banken brauchen. Vergangene Woche sorgte eine Meldung für Aufsehen, die Summe könnte von fünf auf zehn Milliarden Euro steigen. Nun meldet die Nachrichtenagentur Reuters, dass vor allem die Commerzbank zusätzlichen Finanzbedarf hat.
Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus nach der Deutschen Bank fehlen demnach rund fünf Milliarden Euro, sollten die europäischen Bankenaufseher ihre Anforderungen verschärfen. Das hätten bankinterne Berechnungen ergeben, meldet Reuters und beruft sich auf mehrere mit den Zahlen vertraute Personen. Die Finanzaufseher arbeiten derzeit an einem sogenannten Blitz-Stresstest.
Bislang hatte die Commerzbank eine Lücke von 2,9 Milliarden Euro angegeben. Die Summe werde benötigt, um die sogenannte harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Darunter versteht man Geld, das sofort verfügbar ist; auch Aktien und Gewinnrücklagen zählen zum harten Kernkapital.
Aufgrund der Reuters-Meldung sackte die Commerzbank-Aktie
deutlich ab. Sie fiel am Dienstag um 16 Prozent auf ein Rekordtief von 1,14 Euro. Am Markt sei zwar erwartet worden, dass die Bank neues Kapital benötige, sagten Händler. Die Höhe sei bislang jedoch ungewiss gewesen.
Deutsche Aufsicht ist gegen zu strenge Regeln
Im dritten Quartal verbuchte die Commerzbank einen Verlust von fast 700 Millionen Euro. Inwieweit dieser den Kapitalbedarf erhöht hat, ist offen. Zudem will die Europäische Bankenaufsicht EBA die Regeln für die Kapitalberechnung nochmals verschärfen, was bei zahlreichen Banken die Lücke vergrößern würde. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin leistet aber noch Widerstand gegen neue Hürden.
Die Banken leiden unter massiven Abschreibungen auf europäische Staatsanleihen. Die EU-Regierungen wollen die Geldinstitute mit frischem Geld krisenfest machen. Das sorgt aber in der Branche für Ärger, denn die geforderte Kapitalquote von neun Prozent geht weit über internationale Vorgaben hinaus.
In Aufsichtskreisen hieß es am Dienstag, die endgültigen Zahlen der EBA stünden noch nicht zu 100 Prozent fest. Die Commerzbank lehnte eine Stellungnahme zunächst ab.
cte/Reuters/dpa-AFX
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