Brüssel/Wien - Die Summe klingt gewaltig, aber sie ist immer noch weit geringer als befürchtet: Europas Banken sollen sich nach einem Blitz-Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA 90 bis 100 Milliarden Euro frisches Kapital beschaffen. Auf diese Summe haben sich nach Angaben von EU- und Banken-Insidern alle Mitgliedsländer geeinigt. Am Wochenende soll diese Regelung auf dem EU-Gipfel zur Schuldenkrise verabschiedet werden.
"Die Zahl ist mit den Mitgliedstaaten diskutiert worden und ist jetzt von allen akzeptiert", sagte ein EU-Vertreter. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter bezifferte den Kapitalbedarf ebenfalls auf 100 Milliarden Euro. Damit legen die EU-Vertreter sogar einen Puffer auf die Berechnung der EBA: Einem Bericht der "Financial Times" zufolge hatte die Bankenaufsicht eine noch geringere Kapitallücke von 70 bis 90 Milliarden Euro errechnet.
Der Blitz-Stresstest der Londoner Behörde war nötig geworden, weil die europäische Politik die Banken für den Fall einer griechischen Staatspleite wappnen wollen. Die Kreditinstitute sollen daher gezwungen werden, ihr Eigenkapital zu erhöhen. Zudem sollen sie so das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen. Zuletzt war eine erhöhte Kernkapitalquote von neun Prozent im Gespräch.
Deutsche Banken kommen ohne staatliche Finanzspritze aus
Die nun bekannt gewordenen EU-Pläne zur Rekapitalisierung fallen deutlich niedriger aus, als vorherige Prognosen erwarten ließen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa hatte für Europa vor kurzem noch eine Lücke von mehr als 200 Milliarden Euro veranschlagt.
Für die deutschen Kreditinstitute fällt die Prüfung der EBA laut Angaben von Insidern besonders positiv aus: Demnach müssen die Banken hierzulande nur eine Lücke von etwa fünf Milliarden Euro schließen. Daher brauchen sie wohl kein Geld vom Staat, da sie bis mindestens Juni 2012 Zeit bekommen sollen, um das Geld zu beschaffen. In ersten Berechnungen war allein für die Deutsche Bank
noch ein Kapitalisierungsbedarf von bis zu neun Milliarden Euro veranschlagt worden. Offen ist noch, ob nur die beiden systemrelevanten deutschen Banken - Deutsche Bank und Commerzbank - ihr Eigenkapital aufstocken müssen. In diesem Fall müssten die acht Landesbanken nicht rekapitalisiert werden.
Den deutschen Banken kommt offenbar zugute, dass sie viele Bundesanleihen im Portfolio haben. Deren Kursgewinne gleichen laut Insidern einen Teil der Wertberichtigungen auf Papiere aus den Euro-Krisenstaaten aus. Stark betroffen sein könnten der "Financial Times" zufolge weiterhin vor allem Banken in Frankreich und Italien, die mit Staatsanleihen aus den Euro-Krisenländern und eigenen Töchtern in Griechenland doppelt belastet sind.
fdi/Reuters
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