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Blitz-Stresstest: Europas Banken müssen mit Kapitalspritzen rechnen

Viele Banken in Europa müssen sich wohl bald um Staatshilfe bewerben - das wird laut Insidern das Ergebnis eines verschärften Stresstests der Aufsichtsbehörde EBA sein. Demnach ist das Kernkapital der meisten Institute nicht ausreichend, um eine Pleite Griechenlands zu verkraften.

Bankenzentralen in Frankfurt: Viele deutsche Geldhäuser benötigen wohl frisches Kapital Zur Großansicht
DPA

Bankenzentralen in Frankfurt: Viele deutsche Geldhäuser benötigen wohl frisches Kapital

Frankfurt am Main - 100 bis 200 Milliarden Euro sollen fehlen: Europäische Banken müssen sich auf umfangreiche Kapitalspritzen einstellen, weil ihr Kernkapital nicht ausreicht, um realistische Krisenszenarien zu überstehen. Derzeit führt die europäische Bankenaufsicht EBA einen deutlich verschärften Blitz-Stresstest durch, um die Anfälligkeit der Institute angesichts der Staatsschuldenkrise zu ermitteln.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters gehen Insider davon aus, dass die Aufsichtsbehörde eine harte Kernkapitalquote von mindestens sieben Prozent auch unter Krisenbedingungen - etwa einer Staatspleite Griechenlands - fordern wird. "Diese Messlatte des Tests dürfte eine große Zahl von Banken in Europa und Deutschland reißen", sagte ein Banker. "Da wird eine ordentliche Summe an benötigtem Kapital zusammenkommen."

Wie viel Kapital den Banken fehlt, ist schwer abzuschätzen. Nach Berechnungen von Reuters müssten 48 Banken etwa hundert Milliarden Euro an frischen Mitteln aufnehmen. Der Internationale Währungsfonds ( IWF) hingegen hatte den Kapitalbedarf auf bis zu 200 Milliarden Euro beziffert.

Insider: Nur die Deutsche Bank kommt hierzulande durch den Stresstest

Der Blitz-Stresstest, den die EBA im Augenblick durchführt, ist in doppelter Hinsicht wesentlich härter als die Prüfung von 90 Finanzinstituten im Sommer, die nur acht Geldhäuser nicht bestanden. Damals bestanden auch die Banken den Test, deren Kernkapital nur bei fünf Prozent hartem Kernkapital lag - nicht wie nun von Insidern vermutet bei mindestens sieben Prozent. Anders als im Sommer werde nun auch durchgespielt, welche Folgen es für die Kapitalausstattung hätte, wenn die Staatsanleihen aus den Euro-Krisenländern auf den Marktwert abgeschrieben würden.

Bei den deutschen Banken herrscht Insidern zufolge große Unruhe. "Kaum einer rechnet damit, dass er da gut durchkommt", sagte ein Spitzenbanker in Bezug auf den neuen Stresstest. Einzige Ausnahme sei die Deutsche Bank Chart zeigen, die in eigenen Berechnungen auf eine Kernkapitalquote von mehr als sieben Prozent kommt. Die teilverstaatlichte Commerzbank Chart zeigen schwieg zu dem Thema, ist aber stärker in den Euro-Krisenländern engagiert und schwächer kapitalisiert als der größere Rivale. (Zum voraussichtlichen Kapitalbedarf deutscher Banken siehe Kasten.)

Für viele Banken wird der neue Stresstest Folgen haben: Wer die geforderte Marke des Kernkapitals nicht erreiche, werde gut informierten Personen aus dem Umfeld der Bankenaufsicht zufolge aufgefordert, sich frisches Kapital zu besorgen - am Markt oder beim Staat. Angesichts der aktuellen Unruhe an den Märkten dürfte vielen Instituten am Ende nur die Staatshilfe bleiben. Seit 2008 haben die EU-Staaten im Zuge der Finanzkrise bereits mehr als 400 Milliarden Euro in die Banken gesteckt.

fdi/Reuters

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1. Was kann man noch glauben?
Fprester, 11.10.2011
Zitat von sysopViele Banken in Europa müssen sich wohl bald um Staatshilfe bewerben - das wird laut Insidern das Ergebnis eines verschärften Stresstests der Aufsichtsbehörde EBA sein. Demnach ist das Kernkapital der meisten Institute nicht ausreichend, um eine Pleite Griechenlands zu verkraften. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791247,00.html
In der Ausgabe vom 8./9.19.11 der Zeitschrift "Der Standard" (A) wird eine Graphik zur Unterfinanzierung europäischer Banken gezeigt. Danach ist die Deutsche Bank mit -10.6 Milliarden Euro am stärksten unterfinanziert. Im oben genannten Artikelwird mehr oder weniger das Gegenteil behauptet. Was gilt nun?
2.
Paul Kessler, 11.10.2011
Zitat von sysopViele Banken in Europa müssen sich wohl bald um Staatshilfe bewerben - das wird laut Insidern das Ergebnis eines verschärften Stresstests der Aufsichtsbehörde EBA sein. Demnach ist das Kernkapital der meisten Institute nicht ausreichend, um eine Pleite Griechenlands zu verkraften. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791247,00.html
Dann haben die Leute vom Management eben einen Fehler gemacht und die Konsequenzen voll zu tragen. Laden auflösen, Leute feuern, restliches Geld auf die Kunden quotiert verteilen, Immobilien verwerten, Privathaftung rigoros bei den leitenden anwenden. Eben wie bei jedem deutschen Mittelständler.
3. Prüfung von 90 Finanzinstituten im Sommer, die nur acht Geldhäuser nicht bestanden.
Pedro1000 11.10.2011
Der erste Test sollte wohl nur beruhigen und hat das Gegenteil erreicht! Wenn schon der EZB Chef offen die schlechte Lage zugibt dann ...............
4. Kann man den Blitz-Stress-Test …
wika 11.10.2011
… auch mal für Hartz IV Bezieher durchführen und dann genauso unbürokratisch und entschlossen die Milliarden draufkippen? Ach Entschuldigung ich vergaß, bei denen müssen wir einen teil davon holen und anders als die Banken mit ihrem „too big to fail“ glänzt ja diese Personengruppe mit dem „too small to be rescued“. Dann müssen wir die anstehenden Verwerfungen und Perversionen wohl so schlucken wie sie kommen. Aber dennoch gibt es da einen Hoffnungsstreif am Horizont: *„Arbeitsamt will Bankengründungswelle bei Hartz IV Beziehern“* … Link (http://qpress.de/2011/09/17/bfa-will-banken-grundungswelle-in-deutschland/). Und sind wir doch mal ehrlich, das Zuwarten auf die Zinseinnahmen können doch die Hartzer viel günstiger realisieren als die teuren Boni-Banker, oder? Das scheint eine vernünftige Lösung zu sein. Wenn wir jetzt 10 Millionen Banken in Deutschland gründen lassen, von den Hartzern, dann ist keine zu groß und auch Hartz IV Bezieher gibt es nicht mehr. Die sitzen dann genauso teilnahmslos da wie heute die Banker und warten ganz simpel darauf dass die Zinsen überwiesen werden (statt Hartz IV). Den Rest der Auflagen für diese interessante und durchaus globale Lösung können sie unter dem Link studieren. Neue Ideen braucht das Land, gelle!
5.
hartsch 11.10.2011
Zitat von sysopViele Banken in Europa müssen sich wohl bald um Staatshilfe bewerben - das wird laut Insidern das Ergebnis eines verschärften Stresstests der Aufsichtsbehörde EBA sein. Demnach ist das Kernkapital der meisten Institute nicht ausreichend, um eine Pleite Griechenlands zu verkraften. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791247,00.html
Meine Güte, das klingt ja wie eine Drohung für die leidgeplagten Banken, daß sie bald eine Blitz-Steuerzahler-Hilfe erhalten.. Die Zustände in diesem Land sind noch nicht mal mehr mit viel Alkohol zu ertragen. Ich hätte nie gedacht, daß ich den Kollaps dieses alternativlosen Systems mal so herbeisehnen würde.
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Kapitalbedarf deutscher Banken
Deutsche Bank
Der Branchenprimus läge unter den verschärften Bedingungen Finanzkreisen zufolge noch leicht über der Marke von sieben Prozent. Die Bank hat ihr Engagement in den Krisenstaaten in diesem Jahr deutlich reduziert: Ende Juni waren es 3,7 Milliarden Euro, Ende 2010 noch 12,1 Milliarden. Vor allem das umfangreiche Italien-Geschäft wurde abgesichert. Im dritten Quartal hat die Deutsche Bank auf Griechenland noch einmal 250 Millionen Euro abgeschrieben. Aber die Bank kann auf Basis der Stresstest-Daten auf mehr als 30 Milliarden Euro Grundkapital und Gewinnrücklagen bauen, die das harte Kernkapital ausmachen.
Commerzbank
Noch im Juni hatte die Bank 3,3 Milliarden Euro Kapital an den Staat zurückgegeben, das sie nach Ansicht der Aufseher nicht mehr brauchte. Als größter Kreditgeber für den deutschen Mittelstand ist sie auf jeden Fall im Blickfeld der Politiker. Doch der Stresstest hatte gezeigt, wie anfällig die Commerzbank für Krisen ist: Auch ohne einen "Haircut" auf Staatsanleihen wäre sie in dem Szenario 2012 - auf Basis der Daten von Ende 2010 - von 10,0 auf 6,4 Prozent hartes Kernkapital abgerutscht. Ende Juni standen Staatsanleihen aus den Schuldenstaaten mit fast 15 Milliarden Euro in ihren Büchern - nach Abschreibungen von 760 Millionen Euro auf die griechischen Papiere. Der Wert ihrer griechischen Staatsanleihen lag bei 2,2 Milliarden Euro. Bei den Aktionären noch einmal Kapital einzusammeln, wäre für sie schon technisch schwer: Der Commerzbank-Kurs liegt mit 1,80 Euro nicht mehr weit entfernt vom Nennwert von einem Euro, unter dem neuen Aktien nicht ausgegeben werden dürfen. Vom SoFFin hatte die Bank bereits zweimal Kapital erhalten.
DZ Bank
Das genossenschaftliche Spitzeninstitut gehört mit sieben Milliarden Euro Krediten und Anleihen für die öffentliche Hand in Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien (Stand Ende Juni) zu den am meisten in den Schuldenstaaten engagierten Banken in Deutschland. Auf Griechenland wurden in der ersten Jahreshälfte 243 Millionen abgeschrieben, 793 Millionen Euro sind noch übrig. Schon im leichten Stress-Szenario des Tests im Sommer blieben weniger als sieben Prozent hartes Kernkapital übrig. Doch die Genossen würden erneut versuchen, bei ihren Mitgliedern - den Volks- und Raiffeisenbanken - das notwendige Kapital einzusammeln, hieß es im Verbund. Sie hatten in der Finanzkrise schon mehr als eine Milliarde Euro nachgeschossen. Staatshilfe hat die DZ Bank noch nie gebraucht.
LBBW
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) arbeitet eifrig am Abbau ihrer Risiken in den Euro-Peripheriestaaten. Ende Juni waren aber noch 8,3 Milliarden Euro übrig. Auf Staatsanleihen aus Griechenland hatten die Stuttgarter bereits im Juni die Hälfte abgeschrieben, mehr als die meisten anderen Institute - bleiben noch 700 Millionen Euro. Das war allerdings im Stresstest noch nicht berücksichtigt. Da war die LBBW selbst unter Stress noch auf 7,1 Prozent hartes Kernkapital gekommen.
BayernLB
Die Münchener Landesbank hatte im Stresstest ebenfalls noch 7,1 Prozent erreicht. In den fünf Euro-Schuldenstaaten sind die Bayern jedoch nur noch mit gut 600 Millionen Euro engagiert. Die griechischen Staatsanleihen - 100 Millionen Euro - stehen zu Marktwerten in der Bilanz.
Helaba
Die Landesbank Hessen-Thüringen wäre im Stresstest selbst unter Berücksichtigung der Stillen Einlage des Landes Hessen - die die EBA nicht anerkannt hatte - unter der Marke von sieben Prozent hartem Kernkapital geblieben. Aus dem Geschäft mit den Schuldenstaaten hat sich die Helaba aber längst weitgehend zurückgezogen: knapp 900 Millionen Euro sind noch übrig, davon 53 Millionen griechische Staatsanleihen.
NordLB
Sie hatte als erste Landesbank griechische Staatsanleihen auf die Hälfte abgeschrieben, hatte allerdings schon vorher nur noch gut 100 Millionen Euro davon in den Büchern. In den fünf Schuldenstaaten zusammen lag ihr Engagement gegenüber Staaten und Kommunen Ende Juni noch bei 3,5 Milliarden Euro. Mit 5,6 Prozent hartem Kernkapital war sie zusammen mit der HSH Nordbank im Stresstest die schwächste deutsche Bank. Als einem der größten Schiffsfinanzierer kommt der NordLB auch eine gewisse Systemrelevanz zu.

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