Blohm +Voss ThyssenKrupp verkauft Werft an Finanzinvestor

Die Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss wird britisch. Nach jahrelangen Verhandlungen verkauft der Stahlkonzern ThyssenKrupp den Schiffsbauer an einen Finanzinvestor. Gewerkschafter sorgen sich um die Arbeitsplätze in Hamburg.

Blohm + Voss in Hamburg: Eines der größten Trockendocks Europas
DPA

Blohm + Voss in Hamburg: Eines der größten Trockendocks Europas


Essen - Die britische Beteiligungsgesellschaft Star Capital Partners übernimmt die Hamburger Werft Blohm + Voss vom Stahlkonzern ThyssenKrupp Chart zeigen. Der Vertrag wurde am Sonntag unterzeichnet, muss aber noch von den Behörden abgesegnet werden.

Verkauft werden alle zivilen Schiffbau- und Reparaturbereiche von Blohm + Voss sowie deren Tochterfirmen. Den militärischen Sektor von Blohm + Voss will ThyssenKrupp als Teil seiner Marine-Schiffbausparte weiterführen, zu der auch die auf U-Boote spezialisierte Kieler Werft Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) gehört. Eine Kaufsumme nannten die beteiligten Unternehmen nicht. Nach Angaben aus Branchenkreisen liegt der Wert von Blohm + Voss bei etwa 150 Millionen Euro.

Der neue Eigner werde die Aktivitäten "an allen Standorten" weiterführen, erklärte ThyssenKrupp. Star Capital betonte, es werde "bedeutende Kapitalbeträge" anlegen. Sein Unternehmen habe die Absicht, "signifikante" Beträge in das Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Unternehmen zu stecken, sagte Star Capital-Geschäftsführer Tony Mallin. Blohm+Voss-Geschäftsführer Herbert Aly soll seinen Posten weiterhin behalten.

Die Gewerkschaft IG Metall forderte eine Bestandsgarantie für die rund 1500 Arbeitsplätze bei Blohm + Voss, von denen die meisten in Hamburg angesiedelt sind. Geltende Tarifverträge dürften nicht in Frage gestellt werden, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

ThyssenKrupp hatte seit längerem versucht, den zivilen Teil von Blohm + Voss zu verkaufen. Der Stahlkonzern hatte die Hamburger Werft 2005 gekauft und seiner Sparte ThyssenKrupp Marine Systems angegliedert. Zunächst hatte das Unternehmen zwei Jahre lang mit dem arabischen Emirat Abu Dhabi verhandelt, die Gespräche aber im Sommer beendet. Lediglich der zivile Teil von HDW, HDW-Gaarden, ging an Abu Dhabi. Eine Offerte der Bremer Lürssen-Werft lehnte ThyssenKrupp später ab, nun ging Blohm + Voss an Star Capital Partners.

Der zivile Zweig von Blohm + Voss baut Yachten und repariert Schiffe. Das 1877 gegründete Unternehmen besitzt zwei Bau- und fünf große Reparaturdocks, darunter das rund 350 Meter lange Trockendock "Elbe 17", das zu den größten Trockendocks Europas gehört. Die Militärsparte der Werft ist unter anderem am Bau von Fregatten und anderen Schiffen für die deutsche Marine beteiligt. Die Docks von Blohm + Voss liegen direkt gegenüber den Hamburger Landungsbrücken und sind daher auch vielen Touristen als Teil des Hafenpanoramas bekannt.

Star Capital Partners wurde nach eigenen Angaben im Jahr 2000 gegründet und hat mehr als eine Milliarde Euro für Investitionen zur Verfügung. Der Kauf von Blohm + Voss ist bereits die sechste Beteiligung in Deutschland. Bislang hatte die Fondsgesellschaft bereits unter anderem das Nahverkehrsunternehmen Abellio und die Alloheim Senioren-Residenzen gekauft, die Altersheime und betreute Wohnungen betreibt.

stk/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
redwed11 12.12.2011
1. Geschäftsgrundlage der "Investoren"
Zitat von sysopDie Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss wird britisch. Nach jahrelangen Verhandlungen verkauft der Stahlkonzern ThyssenKrupp den Schiffsbauer an einen Finanzinvestor. Gewerkschafter sorgen sich um die Arbeitsplätze in Hamburg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803227,00.html
Damit ist die Zukunft der Traditionswerft besiegelt. Diese "Investoren gehören zu den sogenannten Heuschrecken, die aus den aufgekauften Unternehmen in möglichst kürzester Zeit soviel wie möglich herausholen wollen. Als Vehikel dieses Melkens des aufgekauften Unternehmens werden erst einmal alle flüssigen Mittel aus dem Unternehmen genommen, dann werden enorme Summen an Beraterhonorare angesetzt und an die Heuschrecke abgeführt. Als Nächstes werden bis an die Grenze des möglichen Kredite auf das Unternehmen aufgenommen, die dann aber an den "Investor" abgeführt werden müssen. Die Entwicklung, die Weiterbildung der Belegschaft und Investitionen werden gestrichen. Am Ende des Prozesses, wenn das Unternehmen finanziell völlig ausgequetscht wurde, werden evetuell noch vorhandene Werte verscherbelt. Dann ist der Punkt gekommen, wo das Unternehmen dann in die Pleite geführt wird. Da keine Werte mehr vorhanden sind, gehen die Beschäftigten bei der Entlassung leer aus. So sieht die Zukunft der Traditionswerft aus. Der Prozess wird sich noch zwei, drei Jahre hinziehen und dann gibt es Blohm + Voss nicht mehr. 1700 Beschäftigte haben die Aussicht auf H4 und der "Investor" ist um ca. eine Milliarde reicher. So funktioniert der Kapitalismus angel-sächsischen Zuschnitts den Cameron für so schützenswert hält. Die Dummen sind die Beschäftigten und die deutsche Werftindustrie und wir haben wieder mal ein Beispiel wie Unternehmen geplündert werden und dieses Land nach britischem Vorbild deindutrialisiert wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.