Detroit Motor Show Deutsche Autokonzerne in der Formkrise

Jenseits des VW-Skandals prahlen die deutschen Autohersteller gern mit ihren steigenden Verkaufszahlen. Doch gerade in den USA läuft das Geschäft längst nicht so gut, wie es auf den ersten Blick aussieht.

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Volkswagen auf der Detroit Motor Show: Ehrerbietung gegenüber den US-Kunden
AP/dpa

Volkswagen auf der Detroit Motor Show: Ehrerbietung gegenüber den US-Kunden


Diesmal nutzt Daimler-Chef Dieter Zetsche die Detroit Auto Show für den ganz großen Auftritt. Vor Hunderten Ehrengästen und Journalisten präsentierte er am Vorabend von Amerikas wichtigster Automesse die neue E-Klasse. Fünf Tage zuvor hatte er sie durch Las Vegas rollen lassen, um den Besuchern der Consumer Electronics Show zu zeigen, welche Gimmicks in seinem neuen Schmuckstück stecken. Die Botschaft, die Zetsche damit überbrachte, lautete nicht nur "Wir haben ein tolles neues Auto", sondern: "Ihr, liebe Amerikaner, seid die Ersten, die es zu sehen bekommen."

Die Ehrerbietung gegenüber den US-Kunden kommt nicht von ungefähr. Zwar laufen die Geschäfte jenseits des Atlantiks alles in allem nicht schlecht, doch sie könnten viel besser gehen. Um knapp vier Prozent steigerte Daimler 2015 seinen Absatz in den USA - der Gesamtmarkt dort wuchs jedoch mit 5,7 Prozent deutlich dynamischer. Daimler, das zeigen die Zahlen, schafft es nicht, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich bieten.

Die Formschwäche macht aber nicht nur Daimler zu schaffen, sondern der deutschen Autoindustrie insgesamt. Seit 2012 verliert sie kontinuierlich Boden gegenüber der Konkurrenz, der Marktanteil in den USA ging von 8,8 Prozent auf 8,0 Prozent zurück.

Dieselaffäre keine Entschuldigung

Der Branchenverband VDA führt die Situation auf den Abgasbetrug von Volkswagen zurück, den die US-Umweltbehörde EPA im September bekannt gemacht hatte. Die Auswirkungen des Skandals seien "noch nicht vollständig erkennbar", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Rande der Detroit Show. Die Folgen träfen aber die gesamte deutsche Autoindustrie, 2016 würden die Absatzzahlen allenfalls stagnieren.

Doch viele Experten lassen die Dieselaffäre nicht als Entschuldigung gelten. "Der Betrug wurde im September bekannt und hat vor allem der Marke VW geschadet, die in den USA ohnehin nur eine geringe Rolle spielt", sagt Henner Lehner von IHS Automotive. Es fehle vielmehr an Autos, die in den USA besonders gefragt seien.

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Premieren auf der Detroit Motor Show: Die Neujahrsknaller
Tatsächlich haben die erfolgsverwöhnten deutschen Premiumanbieter einen Trend verschlafen, der mit dem Verfall des Ölpreises einherging. Weil deshalb auch der Kraftstoff an den Zapfsäulen rasant billiger wurde, mussten die Amerikaner allein im vergangenen Jahr knapp 135 Milliarden Dollar weniger ausgeben. Hinzu kam, dass auch Kredite dank niedriger Zinsen billig zu haben waren. Die Folge: Große SUVs und Pick-ups kamen wieder in Mode, weil die Kosten für die Finanzierung und den Spritverbrauch nicht mehr so sehr ins Gewicht fielen.

Solche Autos findet man aber nur vereinzelt in den Katalogen von Daimler Chart zeigen, BMW Chart zeigen und Co. Amerikanische Konzerne wie General Motors Chart zeigen, Ford Chart zeigen und Chrysler haben dagegen gleich eine ganze Reihe der großen Wagen im Angebot. Und selbst die japanischen Hersteller haben mehr zu bieten und wachsen schneller als der Markt.

Immerhin: Daimler will künftig mit einem Pritschenwagen dagegenhalten, der aus der Kooperation mit Renault-Nissan stammt. Und Volkswagen versucht, mit Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen einen Teil des Ansehensverlusts wieder wettzumachen, der durch den Abgasbetrug entstanden ist.

Nachfrageeinbruch in China

Auch um den Diesel will man kämpfen, dessen Image durch die Affäre gewaltig gelitten hat. Denn dieser Antrieb ist eine gute Alternative zur teuren Hybrid-Technologie, um die Vorgaben zum Flottenverbrauch zu erfüllen - also dem, was die gesamte Flotte eines Herstellers verbrauchen und an Kohlendioxid in die Luft pusten darf. Aus Sicht der deutschen Ingenieure ist der Diesel sogar die einzige Möglichkeit, diese Vorgaben einzuhalten.

Die Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt stecken die deutsche Hersteller dagegen vergleichsweise gut weg. Doch auch hier drohen Probleme. Anders als zunächst vermutet wirken sich allerdings weniger die Börsenturbulenzen auf die Nachfrage nach schicken Autos aus als vielmehr der Kampf der Regierung gegen die Korruption. "Die Scheu, sich in einem luxuriösen Auto von Mercedes, Audi oder BMW sehen zu lassen, ist viel größer geworden", erklärt Autoexperte Lehner. Denn man gerate schnell in Verdacht und müsse erklären, woher das Geld dafür stammt.

Sollte die Zurückhaltung der Chinesen gegenüber Premiumautomobilen noch stärker werden, müssten sich die Deutschen schnell umstellen. Denn im Billigsegment lauert mit General Motors bereits ein starker Konkurrent. In den vergangenen zwei Jahren haben die Amerikaner mehrere neue Werke und ihre Kapazitäten fünf Millionen Einheiten pro Jahr erweitert. Im vergangenen Jahr lieferten sie mehr als 3,6 Millionen Fahrzeuge aus - deutlich mehr als VW, die mit gut 2,6 Millionen Autos 4,6 Prozent weniger verkauften als im Vorjahr.

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rolf_meier 12.01.2016
1. Vor allem D Einheitsbrei und Hochmut
Vor allem sind deutsche Normalo Autos auch langweiliger Einheitsbrei geworden. Wer kennt heute von weitem noch einen Unterschied zwischen Audi A3 bis Audi A8...? BMW, Mercedes, VW - alles gleichtönig. Da fehlt der Mut zu gutem Design. Zudem sind die amerikanischen Autos seit der Krise 2008 in der Qualität deutlich besser geworden (Ja die Spaltmasse mögen noch ein par 10tel Millimeter schlechter sein und etwas mehr Plastik). Fahre nun seit 14 Monaten mit über 25'000km einen Import Ami mit V8 (Liebe Grüne, auch der säuft heute nicht mehr als jeder Porsche) und hatte noch nie so wenig Beanstandungen wie mit den europäischen Vorgängern. Vielleicht liegt's auch daran, das andere mittlerweile auch bessere Autos bauen können ?
dirk1962 12.01.2016
2. Selbstzufriedenheit
Die Deutschen Autobauer ruhen in sich selbst in der falschen Arroganz, die besten Autos der Welt zu bauen. Aber ist das so? Gut ist ein Auto doch dann, wenn sie den Geschmack der Kunden treffen, Innovationen bieten und das Ganze zu einem akzeptablen Preis. Den Kunden interessiert es nicht, ob das Spaltmaß einen zehntel Millimeter kleiner, dafür das Auto aber einige Tausend Euro teurer ist. Und wann kam zuletzt eine echte Innovation aus Deutschland?
zick-zack 12.01.2016
3. Premium?
Was, bitte, ist an Audi, BMW und Mercedes Premium? Audi hab ich nach 8 Monaten gewandelt, Mercedes - Motorschaden nach 81600 km. BMW - sieht scheußlich aus und es gibt kein Modell, in das ich meine Familie hineinbekomme. Also was in D so an "Autos" zusammengeschustert wird ist einfach nur unterirdisch. Ich frage mich, wieso sich Amerikaner in einen Mini quetschen. Welchen Grund gibt es für diesen Quatsch?
nichtdoch 12.01.2016
4. Spaltmasse!
Zitat von rolf_meierVor allem sind deutsche Normalo Autos auch langweiliger Einheitsbrei geworden. Wer kennt heute von weitem noch einen Unterschied zwischen Audi A3 bis Audi A8...? BMW, Mercedes, VW - alles gleichtönig. Da fehlt der Mut zu gutem Design. Zudem sind die amerikanischen Autos seit der Krise 2008 in der Qualität deutlich besser geworden (Ja die Spaltmasse mögen noch ein par 10tel Millimeter schlechter sein und etwas mehr Plastik). Fahre nun seit 14 Monaten mit über 25'000km einen Import Ami mit V8 (Liebe Grüne, auch der säuft heute nicht mehr als jeder Porsche) und hatte noch nie so wenig Beanstandungen wie mit den europäischen Vorgängern. Vielleicht liegt's auch daran, das andere mittlerweile auch bessere Autos bauen können ?
Was soll der bloedsin mit den Spaltmassen? bin Werkzeugbauer von Beruf und habe mal die Spaltmasse von den Ami Autos mit den von Deutscher production gemessen und da ist null unterschied die einen sind 1/10 mm grosser und die anderen sind eben etwas kleiner,und wenn kuemmert es schon was diese Spaltmassen sind,genau wie mit dem Plastik, die Deutschen Autos haben genausoviel Plastik in der Innenaustattung, nur scheumt man die verkleitungen etwas mehr auf ,und schon denkt der Deutsche Michel dass in seinem Auto besseres Plastik ist als wie beim Ami Aber wenn man eben vor lauter hochmut nichts anderes kann als wie an den Spaltmassen und dem Plastik zu meckern sollte man sich eben mal weiterbilden "im technischen bereich" und dann wird man feststellen dass jedes Auto etwas zu bemaengeln hat Wie der poster "rolf_meier" schreibt hat er nichts an seinem fahrzeug auszusetzen und wenn in Deutschland mal diese ewige verschoenerung {Luegen} der Verbrauchsangaben unterbunden wuerden muesste auch der schlaueste Michel feststellen wenn man Pferde hat welche laufen sollen muss man sie fuettern Und YES die Amis bauen fuer das Geld bessere Auto als die Deutschen moechte man ein fahrbares Wohnzimmer als Vorzeigeobjeckt darf man das nicht mit einem Ami Auto welches als Gebrauchsgegenstand gebaut ist vergleiche ein gleichwertiges Amiproduckt,es kosstet die Haelfte eines Deutschen Fahrzeuges. Dass in Deutschland der Importer solche aufschlaege macht liegt wirklich nicht am Ami.
Jobuch 12.01.2016
5. Innovationen, die keine sind
Wann immer ich in diversen Automobilabhandlungen lese, was mir da als Innovation verkauft werden soll, handelt es sich meist um Gimmicks im elektronischen Sektor: Ambiente-Beleuchtung, noch größere Touch-Screens, Mulitmedia-Tralla, Helferlein en Masse mit Draufsicht-Kameras, Assistenten und dergleichen mehr - bis hin zum selbstfahrenden Auto. Alles zeug, was ich nicht brauche und auch nicht will. Man mag das anders sehen, aber die Tugenden, die MEIN Auto haben soll, ist Übersichtlichkeit, Reparierbarkeit, günstige Ersatzteilpreise, Variabilität, Platz... Diese Tugenden haben durchweg alle aktuellen Autos bzw. deren Macher verlernt und daher können die mir noch so viele "Innovationen" anpreisen - ich bleibe bei meinem Autos aus den Mitte 80ern des letzen Jahrhunderts, denn die erfüllen genau das. Sie verlieren keinen Wert mehr, legen eher wieder zu, weil es auch andere Leute gibt, die erkannt haben, daß diese Tugenden mehr zählen, als ein 13"-Touchscreen und Plastikverkleidungen vorn und hinten und einer Motorabdeckung, die aussieht, wie ein muskelgestählter Bauch. Und irgendwann kommt mir noch ein alter Ami-V8 ins Haus - der braucht sowas erst recht nicht. Denn der hat was, was ihn unendlich souverän macht: Viel Hubraum. Da können die ganzen aufgeblasenen Motörchen noch so viel Leistung aus den 3 Töpfen pusten - Hubraum ist nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen.
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