Kartellverdacht EU-Kommission verschärft Ermittlungen gegen deutsche Autobauer

Deutschlands Autokonzerne geraten im EU-Kartellverfahren noch stärker unter Druck. Die Ermittlungen zu möglichen Absprachen zwischen BMW, Daimler und VW werden ausgeweitet.

Neuwagen von VW (Archivbild)
DPA

Neuwagen von VW (Archivbild)


Die EU-Kommission verschärft ihre Kartellermittlungen gegen die deutschen Autokonzerne BMW, Daimler und VW. Die Behörde habe eine eingehende Untersuchung eingeleitet' um zu prüfen, ob die Konzerne unerlaubte Absprachen getroffen haben, um bei der Entwicklung und Einführung von Systemen zur Verringerung der Emissionen von Benzin- und Diesel-Pkw nicht unter Wettbewerbsdruck zu stehen, teilte die Kommission am Dienstag mit.

"Falls dieser Verdacht zutreffen sollte, hätten die Hersteller den Verbrauchern die Möglichkeit vorenthalten, umweltfreundlichere Autos zu kaufen, obwohl die entsprechenden Technologien zur Verfügung standen", teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit.

Im Oktober 2017 hatte die Kommission bereits Untersuchungen zu möglichen Absprachen zwischen den Automobilherstellern über technische Entwicklungen für Pkw aufgenommen und die Geschäftsräume von BMW, Daimler, Volkswagen und Audi in Deutschland durchsucht.

Bereits vergangene Woche war bekannt geworden, dass neue Belege für solche womöglich geheime Absprachen aufgetaucht sind. Laut "Handelsblatt" sollen sie sogar den Verdacht erhärten, dass sich insgesamt fünf Autokonzerne - VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW - früh über die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge abstimmten.

Die Dokumente, die eine Enthüllung des SPIEGEL aus dem Sommer 2017 untermauern, befinden sich demnach in den Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig, die wegen des Dieselskandals gegen VW ermittelt. Zwei der Hinweise datieren den Angaben zufolge aus dem Jahr 2008.

Im Video: Abgastricks beim Porsche Cayenne Diesel?

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ssu/dpa/Reuters



insgesamt 57 Beiträge
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Fricklerzzz 18.09.2018
1. Koruptistan ist überall und die Politik tanzt mit
Es ist anscheinend viel im Argen bei der Automobilindustrie. Auffällig ist das die Hersteller so gelassen bezüglich staatlichen Interventionen sind, das wirkt als ob es da Absprachen geben würde, sonst wäre die nicht so gelassen. Für mich stinkt das ganze sehr nach Korruption.
zensurgegner2017 18.09.2018
2.
Zwei Hinweise aus 2008? Na ja, im Analogistan Deutschland, wo Justitzapparate noch nicht via Mail kommunizieren können, wo Papierberge noch von Hand bearbeitet werden, wo Kohlepapier Alltag ist, da ist es kein Wunder, dass Ermittlungen mal verjähren. Aber wie sagte unsere Greise Bundeskanzlerin: Das neumodische Dingens, das neue Internet...und das 16 Jahre nach der Gründung von Google
don_spon 18.09.2018
3. Na sicher
hat es Absprachen gegeben. Dobrindt hat es gewusst. Im Gegensatz zu Scheuer meine ich , das die Automobilindustrie nicht auch Schuld ist sondern ausschliesslich und die Automobileindistrie hat dafür zu sorgen das die Dieselfahrer ihre teuer bezahlten Autos uneingeschränkt nutzen kann. Entweder über Hardwareumrüstungen oder wenn das nicht geht über andere Autos. Jedenfalls so das die Dieselfahrer finaziell nicht schlechter gestellt werden. Ich bin sicher die Autoindustrie findet plötzlich verblüffend günstige Lösungen für das Problem, wenn es sonst richtig teuer würde.
Hansfried 18.09.2018
4. Was wird das Ergebnis sein?
Die EU schwächt die deutsche Automobilwirtschaft und stärkt die in USA und Fernost. Womit ich keinesfalls den Betrug an den Autokäufern mit falschen Verbrauchszahlen rechtfertigen möchte. Aber das scheint mir ein Phänomen wie das Doping im Radsport zu sein. Die Medien pickten sich einen Sportler heraus und wussten, dass es alle taten. Bezeichnend für die Verlogenheit der Diskussion ist das Verhalten der kalifornischen Umweltbehörde. Die sind ganz gezielt auf die kleinen Diesel-PKW´s von ausländischen Herstellern losgegangen, einen Autotyp, den die US-Industrie mangels Kompetenz nicht herstellen kann. Hingegen haben sie nichts gegen gewaltigen Benzinstinker aus den USA (schlecht verbrennende 8-Zylinder-Motoren), die mit genauso getürkten Zahlen zugelassen werden, getan. Obwohl die Schadstoff-Bilanz erheblich schlechter ist als bei Diesel-Kleinwagen.
marcnu, 18.09.2018
5. Und die Taktik, die Kunden bis zur Verjährung hinzuhalten
wurde sicher auch abgesprochen, damit nicht plötzlich ein Hersteller ein gutes Angebot macht und somit in Konkurrenz zu den anderen stehen würde.
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