BMW-Großaktionärin Johanna Quandt ist tot

Sie war eine der bekanntesten Unternehmerinnen Deutschlands: Johanna Quandt, Großaktionärin des BMW-Konzerns, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Die zweitreichste Frau Deutschlands galt als bescheiden und außerordentlich wohltätig.

Unternehmerin Quandt (Archivbild): Zweitreichste Frau Deutschlands
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Unternehmerin Quandt (Archivbild): Zweitreichste Frau Deutschlands


Die Unternehmerin und BMW-Großaktionärin Johanna Quandt ist tot. Sie starb bereits am Montagabend im Alter von 89 Jahren in ihrem Haus in Bad Homburg, wie ein Sprecher der Familie sagte. Dort hatte sie zuletzt zurückgezogen gelebt.

Quandt lernte in den Fünfzigerjahren den Unternehmer Herbert Quandt kennen, den sie 1960 heiratete. Nach seinem Tod im Jahr 1982 übernahm sie in ihrer Funktion als Testamentsvollstreckerin Mandate in den Aufsichtsräten von BMW, Altana und anderen Gesellschaften. Sie übte die Mandate bis 1997 aus, bevor sie die unternehmerische Verantwortung an ihre Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt übergab.

Die Unternehmerin machte sich zudem einen Namen durch ihr gemeinnütziges Engagement. Sie gründete ihre eigene Stiftung, die sich für den Stellenwert des privaten Unternehmertums einsetzt, und förderte junge Journalisten - bei der jährlichen Verleihung des mit 50.000 Euro dotierten Herbert-Quandt-Medien-Preises äußerte sie sich häufig kritisch zu aktuellen Themen.

Ihr Engagement für krebskranke Kinder brachte Quandt die Ehrensenatorwürde ein. So unterstützte sie Projekte des 1983 als Elterninitiative gegründeten Vereins Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt, dessen Beirat sie angehörte. Sie verband ihr Engagement für medizinischen Fortschritt und freie Wirtschaft mit großzügiger Unterstützung einer neuen Stiftung der Berliner Charité.

Quandt galt als Deutschlands zweitreichste Frau - nach ihrer Tochter. Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" führt sie mit einem geschätzten Vermögen von 11,8 Milliarden US-Dollar auf Rang 77 in der Liste der reichsten Menschen der Welt.

Zu Wahlkampfzeiten fiel Johanna Quandt auch immer wieder mit ihren Großspenden an Parteien auf. 2009 spendete sie etwa 150.000 Euro an die CDU, wie es in der Aufstellung des Deutschen Bundestags heißt , im Jahr 2013 70.000 Euro an die FDP.

Zusammen mit ihren Kindern kontrollierte sie rund 47 Prozent an BMW. Die Familie ist darüber hinaus seit Jahrzehnten an zahlreichen deutschen Unternehmen beteiligt, darunter der Chemiekonzern Altana, sowie SGL Carbon und Nordex.

Nach einem Jahr als Haushaltshilfe in den USA hatte Johanna Bruhn Mitte der Fünfzigerjahre bei Herbert Quandt in Frankfurt eine Anstellung als Sekretärin angetreten und wurde bald dessen persönliche Assistentin. Zu Quandts Unternehmensgruppe gehörten rund 200 Firmen, etwa der Batterienhersteller Varta, der Petrochemiekonzern Wintershall, der Textilproduzent Stöhr und Aktienpakete von Daimler-Benz und BMW.

1960 heiratete die damals 34-Jährige den 16 Jahre älteren Unternehmer, für den es die dritte Ehe war. 1963 kam Tochter Susanne, drei Jahre später Sohn Stefan zur Welt. Die Quandts mieden die Öffentlichkeit, vor allem nachdem 1978 eine Entführung von Mutter und Tochter erst im letzten Augenblick verhindert werden konnte.

Das Ehepaar machte gern lange Spaziergänge, ritt gemeinsam aus und beschäftigte sich mit Musik. Quandt las ihrem Mann, der unter einem schweren Augenleiden litt, auch viel vor. Als er mit 71 Jahren starb, ging ein großer Teil seines gewaltigen Vermögens an die damals 55 Jahre alte Witwe und ihre Kinder.

Auf öffentliche Auftritte legte Quandt keinen großen Wert. Ihr Sohn Stefan merkte dazu in einer Rede zu ihrem 80. Geburtstag an, so groß das Interesse seiner Mutter an anderen Menschen sei, so wenig leuchte ihr ein, dass sich jemand für sie interessieren könnte. So habe ihre Lieblingsantwort auf die Frage, ob sie "die" Frau Quandt sei, gelautet: "Ach ja, schön wär's".

Als Unternehmerin habe seine Mutter die Aufgaben, die ihr nach dem Tod Herbert Quandts zugefallen waren, auf eine unspektakuläre und fast preußisch-pflichtbewusste Weise erfüllt, berichtete ihr Sohn.

brk/apr/Reuters/dpa

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