Vetorecht Stefan Quandt baut Macht bei BMW aus

Stefan Quandt gehört zu den reichsten Deutschen. Wie seine Schwester Susanne Klatten hat er weitere Stimmrechte an BMW übertragen bekommen - und kann nun Entscheidungen bei dem Autobauer blockieren.

Stefan Quandt (Archivbild von 2014)
DPA

Stefan Quandt (Archivbild von 2014)


Die beiden Großaktionäre von BMW, Stefan Quandt und Susanne Klatten, haben das Erbe ihrer Mutter nun vollständig unter sich aufgeteilt. Laut einer Börsenmitteilung gehen die Stimmrechte von 49,3 Millionen BMW-Aktien aus dem Besitz der verstorbenen Johanna Quandt endgültig an Susanne Klatten über. Stefan Quandt bekommt endgültig die Stimmrechte für 50,7 Millionen Anteilsscheine.

Stefan Quandt, 51, hält damit 25,83 Prozent der Stimmrechte an dem Münchner Automobilbauer. Durch die neu hinzugewonnenen Stimmrechte hat er nun eine Sperrminorität in dem Konzern. Das bedeutet: Er kann nun zum Beispiel die Auflösung von BMW verhindern, ebenso Satzungsänderungen - für beides ist laut Aktienrecht eine Dreiviertelmehrheit nötig. Auch Kapitalerhöhungen kann Quandt so leichter unterbinden.

Susanne Klatten, 55, hält nach der Aufteilung 20,94 Prozent an BMW. Die beiden Geschwister hätten keine Absicht, sich von ihren Anteilen zu trennen, sagte ein Sprecher der Familie. Beide sitzen im Aufsichtsrat von BMW. Sie agierten geschwisterlich und gemeinsam, hieß es. Die Mehrheitsverhältnisse bleiben unverändert.

Johanna Quandt war im August 2015 im Alter von 89 Jahren in Bad Homburg bei Frankfurt gestorben. Sie hatte 1960 den Unternehmer Herbert Quandt geheiratet. Dieser wiederum war Ende der Fünfzigerjahre bei dem damals angeschlagenen BMW-Konzern eingestiegen.

Dass Stefan Quandt mehr Stimmrechte an BMW Chart zeigen hält als seine Schwester, hängt laut einem Sprecher noch mit dem Nachlass Herbert Quandts zusammen. Weil Susanne Klatten demnach eine wertvollere Beteiligung am Pharmakonzern Altana Chart zeigen bekommen hatte, habe Stefan Quandt mehr BMW-Aktien erhalten. Vor der nun vollzogenen endgültigen Aufteilung des Erbes hatten sie bei BMW 12,7 beziehungsweise 17,6 Prozent der Stimmrechte.

Die Quandts gehören mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 30 Milliarden Euro zu den reichsten Familien Deutschlands. Allein das BMW-Aktienpaket von Stefan Quandt ist 13,4 Milliarden Euro wert, das seiner Schwester 10,9 Milliarden.

Die Aufteilung des Erbes hatte sich abgezeichnet. Formal waren die beiden Kinder zunächst gemeinsam Erben der Holding ihrer Mutter geworden. Johanna Quandt hatte den größten Teil ihres BMW-Aktienpakets von 16,4 Prozent bereits von 2003 bis 2008 - unbemerkt von der Öffentlichkeit - an sie verteilt, die Stimmrechte aber zunächst behalten. Mit der Übertragung der Stimmrechte ist das Erbe nun komplett vollzogen.

Susanne Klatten 2015
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Susanne Klatten 2015

Susanne Klatten führt ihre Anteile in einer eigenen Kommanditgesellschaft. Stefan Quandt und seine Anteile dagegen bleiben laut einem Sprecher der Familie in der Gesellschaft der Mutter, die er unter neuem Namen Aqton GmbH & Co. KG für Automobilwerte fortführt. Darüber steht künftig die europäische Gesellschaft Aqton SE.

ssu/apr/Reuters/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
janfred 20.02.2018
1. BMW loyal
Sie sitzen ja schon ewig im Aufsichtsrat und der war natürlich auch darüber informiert, wann der Zeitpunkt kommt an dem H.Quandt weitere Stimmrechte übertragen werden. Ich weiss deshalb nicht, warum das eine Nachricht ist, die an oberster Stelle erscheint. Oder es ist DIE Nachricht für diejenigen, die den Quandts allerlei Schlechtes unterstellen, weil es für sie nicht nachvollziehbar ist, in einer Position zu stehen, so viel Macht zu haben.
Friedrich der Streitbare 20.02.2018
2. Sehr gut für BMW !
Eine starke und schon immer langfristig orientierte Hand ist das absolut Beste für einen börsennotierten Konzern. Ein Bollwerk gegen eventuelle Spielchen von Hedge Fonds, Leerverkäufern und ähnlichen nur am schnellen Geschäft Interessierten.
deufin 20.02.2018
3. Capitalism...
you gotta love it. Mal ernsthaft. Das ist doch genau das Problem, an diesem ach so tollen Wirtschaftssystem. Wie kann es sein, daß eine einzelne Person so viel Macht in einem Unternehemen wie BMW hat. Ungerechter verteilt werden kann es doch gar nicht mehr. Es wird Zeit, daß wir das Anteils-Eigner-System beenden und durch ein demokratisches Mitarbeiter-Votum ersetzen, aka Arbeiter-Kooperative. Jeremy Corbin hat da z.B. ein paar nette Ideen dazu geäußert, wie man dahin kommen könnte.
syracusa 20.02.2018
4.
Zitat von janfredSie sitzen ja schon ewig im Aufsichtsrat und der war natürlich auch darüber informiert, wann der Zeitpunkt kommt an dem H.Quandt weitere Stimmrechte übertragen werden. Ich weiss deshalb nicht, warum das eine Nachricht ist, die an oberster Stelle erscheint. Oder es ist DIE Nachricht für diejenigen, die den Quandts allerlei Schlechtes unterstellen, weil es für sie nicht nachvollziehbar ist, in einer Position zu stehen, so viel Macht zu haben.
Nachvollziehbar ist das für jedermann. Die Frage ist eher, ob einzelne Bürger in einer Demokratie so viel Macht haben sollten. Es wäre durchaus angebracht, Erbschaften so zu besteuern wie Arbeitseinkommen, um die antidemokratische dynastische Verfestigung großer Vermögen zu erschweren. Beim Quandt-Vermögen kommt hinzu, dass dieses zum wesentlichen Teil durch jüdische Enteignungen und durch Ausnutzung von Sklavenarbeit entstanden ist. Es hätte nach dem Weltkrieg zum größten Teil ersatzlos enteignet werden müssen.
marcaurel1957 20.02.2018
5.
Zitat von deufinyou gotta love it. Mal ernsthaft. Das ist doch genau das Problem, an diesem ach so tollen Wirtschaftssystem. Wie kann es sein, daß eine einzelne Person so viel Macht in einem Unternehemen wie BMW hat. Ungerechter verteilt werden kann es doch gar nicht mehr. Es wird Zeit, daß wir das Anteils-Eigner-System beenden und durch ein demokratisches Mitarbeiter-Votum ersetzen, aka Arbeiter-Kooperative. Jeremy Corbin hat da z.B. ein paar nette Ideen dazu geäußert, wie man dahin kommen könnte.
Vielleicht weil es ohne Papa Quandt, der sein Vermögen dafür riskiert hat, BMW nicht mehr gäbe.... Auch heute noch sollt man dem bösen Kapitalisten dankbar sein! Mir ist das allemal lieber, als irgendwelche „Arbeiterräte“, wo keiner verantwortlich ist, weil es ja um fremdes Geld geht.
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