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100 Jahre BMW: Ich war mal ein Flugzeug

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BMW

BMW 507

Vor hundert Jahren wurde BMW gegründet. Den Durchbruch als moderner Autohersteller schaffte das Unternehmen aber erst viel später. Fünf Gründe, warum der Münchner Konzern speziell ist.

Wenn es um weltweit bekannte Namen geht, dann dominieren eindeutig Firmen aus den USA. 2015 kamen acht der zehn wertvollsten globalen Marken laut dem Marktforschungsinstitut Interbrand aus den Vereinigten Staaten. Doch auf Platz elf in dem Ranking hat es immerhin eine Firma aus Deutschland geschafft: BMW. 37,2 Milliarden Dollar ist die Marke wert, haben die Marketingexperten berechnet.

Sie loben, dass BMW Chart zeigen es einerseits schafft, Kunden mit attraktiven Modellen für Elektromobilität zu gewinnen. Andererseits vernachlässige der Konzern aber auch seinen Markenkern nicht: Autos mit Fahrkomfort und technischem Know-how zu entwickeln.

Dieses Lob hört BMW-Chef Harald Krüger sicher gern. Er will den Spagat vollbringen, bei Stromautos vorne mit dabei zu sein und zugleich noch möglichst lange an herkömmlich motorisierten Schlitten zu verdienen.

Bisher gibt ihm der Erfolg recht: 2015 verkaufte BMW erneut mehr Autos als die deutschen Rivalen Mercedes und Audi.

Doch nicht nur der Status als absatzstärkster Premiumhersteller und als wertvollste Marke aus Deutschland hebt BMW unter anderen Unternehmen hervor. Fünf Gründe, warum der Münchner Konzern ein ganz spezielles Unternehmen ist.

  • BMW startete nicht als Autobauer

Heutzutage ist BMW mit 116.000 Mitarbeitern und 80 Milliarden Euro Umsatz als Hersteller von Premiumautos weltweit bekannt. Doch die Anfänge der Firma liegen in der Luftfahrt. BMW startete mit Flugzeugmotoren. Am 7. März 1916 wurde die Bayerische Flugzeug-Werke AG (BFW) gegründet. Dieses Datum gilt heute auch als Geburtsstunde für BMW. Die Anfänge des Unternehmens gehen auf die Unternehmer Gustav Otto und Karl Rapp zurück.

Aus der Flugmaschinenfabrik Gustav Otto ging 1916 die Bayerische Flugzeug-Werke AG (BFW) hervor.

Die Rapp-Motorenwerke wurden 1917 zur Bayerischen Motoren Werke GmbH ausgebaut und 1918 zur Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Bild von 1918 zeigt das Produktionsjubiläum des Flugmotors BMW IIIa.

1922 schließlich übertrug die BMW AG ihren Motorenbau samt dem Firmen- und Markennamen an die Flugzeugfirma BFW. Das BFW-Gründungsdatum, der 7. März 1916, ist damit auch das Gründungsdatum der Bayerischen Motoren Werke AG. Das Bild von 1930 zeigt eine Junkers Ju 52 mit Sternmotoren von BMW.

1918 entstand das blau-weiße Logo. Seit einem Flugmotorenprospekt aus dem Jahr 1929 wird das Logo als Propeller gedeutet.

Das erste fahrende Straßengefährt von BMW war kein Auto, sondern ein Motorrad. 1923 wurde die R 32 vorgestellt.

Erst 1928 stieg BMW mit dem Kauf der Fahrzeugfabrik Eisenach in den Automobilbau ein.

Dieses Bild zeigt einen Verkaufsraum in Berlin 1929. Mangels Geld für die eigene Entwicklung wurden zunächst Autos mit Lizenz des britischen Herstellers Austin gebaut. Erst ab 1932 gab es eigene Entwicklungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Werke von BMW demontiert. Im Werk in München-Milbertshofen (Bild von 1945) wurden Maschinen abgebaut und gingen als Reparationsleistung ins Ausland. BMW hatte während der NS-Zeit rund 25.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge beschäftigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam BMW zunächst mit einem Motorrad auf den Markt. Die R 24 wird 1948 präsentiert - und wird zum Verkaufsschlager.

Erst 1952 folgte als erstes Nachkriegsautomobil der BMW 501. Wegen der geschwungenen Karosserieform bekam das Modell den Spitznamen Barockengel. Als es 1952 auf den Markt kam, war es für die meisten Bundesbürger unerschwinglich. Mehr als 11.000 Mark verlangten die Münchner für das Premium-Gefährt.

Den eigentlichen Durchbruch als erfolgreicher und moderner Automobilhersteller schaffte BMW erst 1961 mit dem BMW 1500.

Seit 1933 haben BMW-Modelle den nierenförmigen Kühlergrill. Dieses Modell ist ein BMW 328 aus dem Jahr 1936.

Die BMW-Nieren in breiter Form - ein BMW 507.

Böser Blick, große Nieren - ein BMW 3.0 CSL Hommage.

  • Der Erfolg kam erst nach der Beinahe-Pleite

Doch noch bevor der große Erfolg als Automobilhersteller kam, wäre BMW fast gescheitert. Das Unternehmen stand 1959 kurz vor der Pleite. Das Werk Eisenach ging im Zuge der deutschen Teilung verloren. Überteuerte Modelle verkauften sich nicht, hinzu kam eine verlustbringende Produktion. Zwischenzeitlich landete BMW mit dem Rollermobil Isetta zwar einen Verkaufsschlager, doch das Mini-Fahrzeug konnte die Krise nicht aufhalten. BMW fehlten Modelle in der Mittelklasse.

Auf der Hauptversammlung am 9. Dezember 1959 sollte die Übernahme von BMW durch Daimler beschlossen werden. Doch es kam anders.

Das Übernahmeangebot scheiterte. Der Industrielle Herbert Quandt (l.) stieg bei BMW ein. Das Bild zeigt ihn mit dem langjährigen BMW-Betriebsratsvorsitzenden Kurt Golda, der Quandt mit überzeugte, BMW zu retten.

Die Quandt-Familie ist bis heute der größte Aktionär des Konzerns. Das Bild zeigt Herbert Quandt im Jahr 1970 mit BMW-Chef Eberhard von Kuenheim (M.) und Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel (l.).

Als der finanzielle Engpass in München immer größer wurde und die Banken kein Geld mehr bereitstellen wollten, stand bereits Konkurrent Daimler-Benz bereit, um BMW zu übernehmen. BMW hätte sich aber in die Rolle des Zulieferbetriebs fügen müssen. Vorstand und Aufsichtsrat leiteten die Übernahme in die Wege. Doch die Belegschaft und Aktionäre rebellierten.

Das war die Stunde von Herbert Quandt. Der Industrielle und BMW-Aktionär hatte zunächst die Übernahme durch Daimler-Benz mit forciert. Doch dann lotete er Möglichkeiten aus, BMW selbst zu retten. Als ihm die bayerische Staatsregierung Unterstützung zusagte, sprang Quandt bei BMW als Retter ein. Unter seiner Ägide konzentrierte sich der Hersteller auf die Idee der sportlichen Limousinen.

Um die Jahrtausendwende erlebte BMW ein zweites Debakel. Das Unternehmen wollte ein Volumenhersteller werden und kaufte 1994 den Autokonzern Rover. Doch die Münchner Zentrale bekam die britische Tochter nicht in den Griff. Nach Milliardenverlusten wurde Rover im Jahr 2000 schließlich für symbolische fünf Pfund verkauft. Ein Gutes hatte das Geschäft: Die Marke Mini wurde von BMW als Lifestyle-Marke erfolgreich reanimiert und verblieb als Premium-Kleinwagen bei den Münchnern.

  • Deutschlands reichste Familie beherrscht den Konzern

Seit der ebenso riskanten wie erfolgreichen Rettungsaktion von Herbert Quandt herrscht seine Familie über den BMW-Konzern. Nach dem Tod Quandts übernahm seine Witwe die Federführung. 2015 starb Johanna Quandt im Alter von 89 Jahren. Nun verwalten ihre Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt das Vermögen.

Die Geschwister halten fast 47 Prozent der Aktienanteile. In guten Jahren bewegt sich allein schon die Summe der Dividende im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Die Quandt-Kinder gelten mit einem geschätzten Vermögen von fast 27 Milliarden Euro als Deutschlands reichste Familie.

1960 heiratete Herbert Quandt die 16 Jahre jüngere Johanna Bruhn. Zuvor arbeitete sie als seine persönliche Assistentin.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1982 übernahm Johanna Quandt in ihrer Funktion als Testamentsvollstreckerin Mandate in den Aufsichtsräten von BMW, Altana und anderen Gesellschaften. 1997 übergab sie die unternehmerische Verantwortung an ihre Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt.

Susanne Klatten gilt als reichste Frau Deutschlands. Insgesamt halten die Quandt-Erben 46,7 Prozent der Aktien-Anteile an BMW.

Stefan Quandt hält zusammen mit seiner Schwester Susanne das BMW-Aktienpaket der Familie. Johanna Quandt hatte den größten Teil der BMW-Aktien unbemerkt von der Öffentlichkeit bereits von 2003 bis 2008 an die beiden Kinder verteilt.

Stammbaum der Familie Quandt: Johanna Quandt war die dritte Frau des 1982 gestorbenen Herbert Quandt, der wiederum gemeinsam mit Bruder Harald im Jahr 1954 das Erbe von Günther Quandt angetreten hatte.

Auch wenn Susanne Klatten und Stefan Quandt nicht die absolute Mehrheit der Stimmrechte bei BMW besitzen, hat die Familie in der Praxis das Sagen im Konzern: Bei allen strategischen Entscheidungen - Fusionen, Verkäufe, Besetzung des Vorstands - haben sie das letzte Wort.

Zum weiteren Besitz von Mitgliedern der Quandt-Familie gehören unter anderem der Spezialchemiekonzern Altana, Anteile am Windanlagenbauer Nordex sowie am Industriekonzern SGL Carbon.

  • BMW hat sich ein spezielles Image geschaffen

Im vergangenen Jahr hat BMW mit 2,25 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen das fünfte Jahr in Folge seine Verkäufe gesteigert und den besten Absatz in der Konzerngeschichte geschafft.

Der wichtigste Markt für BMW bleibt Europa. Hier wurden im vergangenen Jahr fast eine Million BMW und Mini verkauft. Zweitwichtigste Absatzregion ist Asien mit mehr als 684.000 Verkäufen, der Großteil davon in China. In der gesamten Region Amerika lieferte BMW 2015 fast 495.000 Autos aus, die meisten davon in den USA.

Wohl kaum ein anderer Autohersteller außerhalb des Sportwagensegments hat es geschafft, bei den Verbrauchern eine so starke Assoziation mit Sportlichkeit herzustellen. BMW hilft dabei mit geschicktem Marketing nach.

Inzwischen sind Online-Werbespots und virale Videos von Unternehmen Tagesgeschäft. BMW aber wagte sich bereits 2001 an Internet-Werbespots heran. Mit der Kurzfilmreihe "The Hire" ließ der Konzern bestimmte Modelle unter der Regie namhafter Regisseure in Szene setzen. Hauptdarsteller war jeweils Clive Owen als cooler, unbeirrbarer Held. Die Kurzfilme muten nicht wie plumpe Werbung an, sondern wie aufwendig gemachte Mini-James-Bond-Streifen. Mehr als 100 Millionen Menschen weltweit sollen die Filme gesehen haben.

Natürlich durfte auch der smarteste Autoverschrotter der Filmwelt mal BMW steuern. In drei James-Bond-Filmen bretterte Pierce Brosnan am Steuer eines Wagens aus München herum.

Die Anzüge saßen bei James Bond damals etwas lässiger, aber die Frauen zeigten wie immer viel Haut. 1995 konnte BMW seinen Z3-Roadster in "Golden Eye" platzieren.

Die Markteinführung des Wagens war perfekt auf den James-Bond-Film abgestimmt. Pierce Brosnan musste damals in New York für den Sportwagen werben.

In cooler Pose vor dickem Auto - so sieht sich wohl auch mancher BMW-Fahrer gerne. In "Der Morgen stirbt nie" fuhr James Bond 1997 einen BMW 750 iL.

Wäre es das eigene Auto, wäre diese Szene für jeden BMW-Besitzer ein Albtraum. Doch in "Der Morgen stirbt nie" ist es unterhaltsam anzusehen, wie der Wagen von einem Hausdach stürzt.

Auch in "Die Welt ist nicht genug" (1999) konnte BMW noch einmal einen Wagen platzieren. Der Z8 war in dem Film gut aufgerüstet. Im wahren Leben ist schon der Fahrstil mancher BMW-Fahrer gefährlich genug.

Mit geschicktem Marketing macht BMW seine Autos weltweit zu begehrten Objekten. Das Bild zeigt einen Autosalon in Peking (2012).

Ob BMW-Fahrer davon träumen? Gehört aber nach Ansicht von Marketing-Leuten irgendwie dazu: Leichtbekleidete Models auf glänzendem Auto auf einer Automesse in China 2009.

  • BMW prägt München

Wer nach München kommt, stößt überall auf BMW. Sei es auf großen Werbeflächen am Flughafen oder durch das imposante BMW-Territorium am Mittleren Ring, dem Hauptverkehrszubringer der Stadt.

München und BMW haben viele Parallelen: den gemeinsamen wirtschaftlichen Aufstieg, das vielbewunderte und von anderen gehasste Erfolgs-Image. Den Ruf, teuer und doch irgendwie lässig zu sein. Ganz oben mitspielen wollen und letztlich doch dieses heimelige Mia-san-mia-Gefühl bewahren.

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100 Jahre BMW: Konzern im Herzen von München
Wirtschaftlich ist BMW für die Landeshauptstadt essenziell wichtig. 41.000 Menschen arbeiten in München fest für BMW, davon 8000 im Stammwerk. Die Stadt ist finanziell auf den Konzern angewiesen. Wie viel Gewerbesteuer BMW aktuell zahlt, darf der Kämmerer mit Verweis auf die Schweigepflicht nicht sagen. 2011 ließ BMW selbst wissen, dass es rund 300 Millionen Euro waren. Ehrensache, dass der Münchner Oberbürgermeister einen BMW als Dienstwagen fährt.

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Von der Neuen Klasse bis Projekt i: Die wichtigsten BMW-Modelle

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insgesamt 62 Beiträge
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1. BMW - lebt vom
thedoctor46 05.03.2016
Der Mythos, der um diese Marke gemacht wird, ist unverständlich. Die Verkaufszahlen werden alleine durch den unnachahmlichen Sound des - eigentlich schon sehr betagten - "Reihensechszylinders" befördert. BMW hat diverse Trends einfach verschlafen: http://www.sueddeutsche.de/auto/bmws-zukunft-mit-sorgen-ins-naechste-leben-1.2486881 "BMW - mit Sorgen ins nächste Leben: Obwohl die Einbaurate des Reihensechszylinders stetig zurückgeht, sollte BMW den charismatischen Motor hegen und pflegen - gerne mit E-Lader für mehr Kraft, gerne aber auch ganz puristisch und emotional als Hochdrehzahl-Sauger."
2. Quandt?
widower+2 05.03.2016
Letztlich hat das Bundesland Bayern BMW gerettet, während das Land Bremen die Firma Borgward mit den seinerzeit wesentlich besseren Autos pleite gehen ließ.
3. Image ist eben alles
mansiehtnurmitdemherzengu 05.03.2016
Die Faszination für BMW werde ich nie verstehen, aber sie machen offenbar alles richtig. Gerade das Konzept "Mini" zeigt exemplarisch wie man den Leuten mit Emotionen das Geld aus der Tasche ziehen kann.
4. Vorsicht Sackgasse
MiniDragon 05.03.2016
Mit "Stromautos" sollten andere in die Pleite fahren. Hoffentlich gibt es bei BMW Ingenieure, die der grünen Susanne erklären können, warum damit kein Geld zu verdienen ist. Stichwort: Energiedichte , gemessen in kWh pro kg Treibstoff bzw. Elektrospeicher ( Akkumulator ) Oder soll BMW demnächst E-Autos bauen, die wie Straßenbahnen an einer Oberleitung hängen ? :-)
5. BMW Kleinwagen
clausculemann 05.03.2016
Als ehemaliger "Isetta" Besitzer fiel mir auf, dass in Ihrer Presentation von BMW's ein anderer ziemlich hässlicher Kleinwagen aus den 50/60gern fehlt der wohl auch die Karre nicht aus dem Dreck ziehen konnte!?
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