Abgestürzte Boeing 737 Max Deutsche Experten lehnten ab - Frankreich untersucht Blackbox

Französische Experten werden die Blackboxes der abgestürzten Boeing 737 Max untersuchen. Auch der Konzern empfiehlt mittlerweile das Aussetzen aller Flüge von Maschinen dieses Typs. Das Grounding könnte Monate andauern.

Inspektion im Cockpit einer Boeing 737 Max 8 in Jakarta
AP

Inspektion im Cockpit einer Boeing 737 Max 8 in Jakarta


Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien sollen die beiden Flugschreiber in Frankreich ausgewertet werden. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die französische Luftsicherheitsbehörde Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA).

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat eine äthiopische Delegation die Blackboxes inzwischen nach Paris gebracht. Wie die BEA mitteilte, hätten die äthiopischen Behörden um Unterstützung gebeten. Die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hatte eine Untersuchung zuvor abgelehnt. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten.

Hinweise auf Ähnlichkeiten bei Abstürzen

Am Wochenende war eine 737 Max 8 der Ethiopian Airlines aus bislang ungeklärten Gründen abgestürzt. Einige Monate zuvor war auch in Indonesien eine 737 Max 8 niedergegangen, dabei starben 189 Menschen. Die 737 Max ist ein neues Modell, das erst seit 2017 ausgeliefert wird, und für Boeing wirtschaftlich von großer Bedeutung ist. Die Boeing-Aktien, die zum Wochenbeginn bereits rund elf Prozent verloren hatten, sackten am Mittwoch um weitere rund drei Prozent ab.

Boeing 737 Max 8 von American Airlines
AFP

Boeing 737 Max 8 von American Airlines

Zahlreiche Länder erließen nach dem zweiten Absturz ein Flugverbot für sämtliche Maschinen des Typs. Inzwischen hat auch der US-Konzern reagiert. Boeing empfehle der US-Flugaufsicht FAA vorsorglich ein vorübergehendes Flugverbot für die weltweit 371 Maschinen, teilte das Unternehmen mit. Unmittelbar zuvor hatte US-Präsident Donald Trump ein entsprechendes Verbot für die 737 MAX in den USA angeordnet.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA stellt sich derweil auf eine längere Stilllegung der Maschinen des Typs ein. Behördenchef Daniel Elwell sagte, er rechne mit einer Wiederaufnahme der Flüge "innerhalb von ein paar Monaten", wie unter anderem das "Wall Street Journal" berichtete.

Die FAA begründete das Flugverbot mit neuen Erkenntnissen zum Absturz in Äthiopien, die auf Ähnlichkeiten zum Crash im vergangenen Oktober in Indonesien hinwiesen. Der Druck auf die USA war zuletzt stetig gewachsen, nachdem viele Länder den Einsatz der Flieger untersagt hatten - zuletzt der US-Nachbar Kanada.

Boeing erklärte am Mittwoch, der Konzern tue alles ihm Mögliche, um die Ursachen der Abstürze herauszufinden. Dabei arbeite man mit den Behörden zusammen. Gleichwohl habe Boeing weiter vollstes Vertrauen in die Sicherheit der 737 Max.

TUI: Boeing-Flugverbot kostet pro Woche drei Millionen Euro

Diese Entscheidung fuße auch auf neuen Erkenntnissen aus Satelliten-Daten, die der Behörde am Mittwoch zugegangen seien. Die großen US-Fluglinien Southwest Airlines, American Airlines und United hatten bis zuletzt bekräftigt, sie hätten Vertrauen in ihre Boeing-Flotten.

Der Flugstopp kostet allein den deutschen Reisekonzern TUI nach eigenen Angaben rund drei Millionen Euro pro Woche. Betroffen seien alle 15 Maschinen, sagte ein TUI-Sprecher. Zur Flotte des Konzerns gehören 14 Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max 8, die in Großbritannien und den Benelux-Staaten auf Strecken zu den Kanaren oder den Kapverden im Einsatz sind. Eine weitere Maschine wurde erst kürzlich nach Brüssel überführt.

Als erste Airline kündigte die von Flugverboten betroffene Norwegian Air an, von Boeing Schadensersatz zu fordern. Der finanziell angeschlagene Billigflieger gehört zu den größten Abnehmern der Boeing 737 Max in Europa. Die Airline strich am Mittwoch rund drei Dutzend Abflüge aus Skandinavien, buchte die Passagiere um und setzte andere Flugzeuge ein. Die Kosten dafür wolle sie nicht selbst tragen.

Unterdessen hat Ethiopian Airlines erste Hinweise auf mögliche Ursachen des Absturzes ihrer Maschine gegeben. Der Pilot habe Probleme mit der Flugkontrolle gemeldet, aber keine äußeren Faktoren wie etwa Vogelschlag, sagte ein Sprecher der Airline. Unmittelbar vor dem Absturz am Sonntag habe der Pilot noch die Freigabe zur Rückkehr an den Flughafen erhalten.

apr/Reuters/AFP/dpa



insgesamt 212 Beiträge
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Seite 1
c.PAF 14.03.2019
1.
Warum hat die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung die Untersuchung der Blackbox abgelehnt?
frenchie3 14.03.2019
2. Wenn Boeing selbst schon anrät
die Maschinen unten zu lassen müssen die Satellitendaten interessant gewesen sein. Hoffentlich kommt bald die Ursache raus
breizh44 14.03.2019
3. Vertrauensverlust
Die unübliche Entscheidung, das Auslesen der Flugschreiber nicht im Herstellerland durch die FAA vornehmen zu lassen, läßt tief blicken in der Vertrauensverlust, den Trump's Amerika erlitten hat. Das Zögern der FAA, ein Flugverbot auszusprechen, wenn der Rest der Welt dies tut, legt den Verdacht nahe, daß Fakten unter den Teppich gekehrt würden, um die US Industrie zu schützen. America first, no matter what.
claus7447 14.03.2019
4.
Zitat von c.PAFWarum hat die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung die Untersuchung der Blackbox abgelehnt?
War beschrieben. Noch fehlt beim LBA die notwendige Software.
l/d 14.03.2019
5. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher,
dass sich das Problem mir zwei oder vier Vortex-Generatorflügeln auf der Oberseite des Triebwerks lösen lässt, wenn es die neue Höhenlage und vorliche Lage des Triebswerks ist, das aus einem bewährten Flügel einen macht, dessen Schwäche bei fallender Geschwindigkeit im Steigflug, die voher völlig unkritisch war, man mit einer Software kupieren will. Die Vortex-Generatoren ersetzen dann den durch die neue Lage des Triebwerks (Abschirmung) ausbleibenden Vortilon-Effekt der Triebwerkshalterungen. (Der Vortilon-Effekt stabilisiert bei deutlich gepfeilten Flügeln bei großen Anstellwinkeln bzw. hohen Auftriebsbelastungen die Strömung in Längs- und Querrichtung. Diese Effekt der Triebwerkhalterungen fand man durch Zufall heraus, als man einen guten Flügel besser machen wollte und die Triebwerke am Heck anbrachte. Der Flügel sackte bei niedrigen Geschwindiglkeiten unerwartet durch, mit angebrachten Halterungen (ohne Triebwerke) war der Flügel "wieder der alte".)
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