Tokio - Die Pannenserie von Boeings Prestigeflieger Dreamliner hat sich erneut fortgesetzt. Am Mittwoch musste in Japan ein Flugzeug der Gesellschaft All Nippon Airways (ANA) wegen Rauchentwicklung in der Kabine notlanden. Daraufhin entschieden die beiden führenden japanischen Fluggesellschaften ANA und Japan Airlines, vorerst alle 24 Dreamliner am Boden zu lassen und zu überprüfen. Das Verkehrsministerium wertete die Notlandung als "schwerwiegenden Vorfall", der zu einem Unglück hätte führen können. Die Entscheidung, die Maschinen aus dem Betrieb zu nehmen, hätten die Fluggesellschaften aber freiwillig getroffen.
In der vergangenen Woche gab es fast täglich Meldungen von neuen Dreamliner-Pannen. So gab es zwei Treibstofflecks, ein Batteriefeuer, ein Kabelproblem, eine Bremsstörung sowie ein zersprungenes Cockpit-Fenster. "Ich denke, wir nähern uns dem Punkt, ab dem sie es als ernsthafte Krise betrachten müssen", sagte Analyst Richard Aboulafia vom Luftfahrtbeobachter Teal Group. Bereits die Auslieferung der ersten Maschinen des Prestigeobjekts hatte sich wegen diverser Probleme um dreieinhalb Jahre auf Herbst 2011 verzögert. Seither drückt Boeing
bei den Auslieferungen aufs Tempo. Einige Experten sehen darin die Ursache für die Zwischenfälle.
Zu dem aktuellen Vorfall sagte ein Boeing-Sprecher: "Wir haben die Berichte gesehen, wir kennen die Ereignisse und arbeiten mit unseren Kunden zusammen." Der Dreamliner der All Nippon Airways war am Mittwoch im Westen Japans etwa eine halbe Stunde nach dem Start zur Notlandung gezwungen worden. Die Maschine war von Yamaguchi auf dem Weg nach Tokio - ein normalerweise 65-minütiger Flug. Alle 137 Passagiere und Crew-Mitglieder seien sicher evakuiert worden, teilte der Flughafen Osaka mit. Fünf Personen hätten sich dabei leicht verletzt. Dabei handele es sich vor allem um Kratzer. Die Notlandung erfolgte in Takamatsu.
Die Japaner waren die ersten Käufer von Boeings Dreamliner. Die Pannenserie bei dem hochmodernen Langstreckenflieger hat inzwischen auch die US-Luftfahrtbehörde auf den Plan gerufen. Die FAA kündigte Ende vergangener Woche an, das Modell genau zu überprüfen. Die staatlichen Experten werden dabei ein besonderes Augenmerk auf die elektrischen Systeme sowie auf die Mechanik legen.
cte/dpa/Reuters/AP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte | RSS |
| alles zum Thema Boeing 787 Dreamliner | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH