Neue Panne mit Boeing-Maschine: Dreamliner-Notlandung alarmiert Behörden
Die Pannenserie beim Dreamliner wird für Boeing zu einem immer ernsteren Problem. In Japan musste ein Flugzeug notlanden, zwei Airlines nahmen daraufhin alle Maschinen vom Typ 787 außer Betrieb. Das Verkehrsministerium in Tokio spricht von einem "schwerwiegenden Vorfall".
Tokio - Die Pannenserie von Boeings Prestigeflieger Dreamliner hat sich erneut fortgesetzt. Am Mittwoch musste in Japan ein Flugzeug der Gesellschaft All Nippon Airways (ANA) wegen Rauchentwicklung in der Kabine notlanden. Daraufhin entschieden die beiden führenden japanischen Fluggesellschaften ANA und Japan Airlines, vorerst alle 24 Dreamliner am Boden zu lassen und zu überprüfen. Das Verkehrsministerium wertete die Notlandung als "schwerwiegenden Vorfall", der zu einem Unglück hätte führen können. Die Entscheidung, die Maschinen aus dem Betrieb zu nehmen, hätten die Fluggesellschaften aber freiwillig getroffen.
In der vergangenen Woche gab es fast täglich Meldungen von neuen Dreamliner-Pannen. So gab es zwei Treibstofflecks, ein Batteriefeuer, ein Kabelproblem, eine Bremsstörung sowie ein zersprungenes Cockpit-Fenster. "Ich denke, wir nähern uns dem Punkt, ab dem sie es als ernsthafte Krise betrachten müssen", sagte Analyst Richard Aboulafia vom Luftfahrtbeobachter Teal Group. Bereits die Auslieferung der ersten Maschinen des Prestigeobjekts hatte sich wegen diverser Probleme um dreieinhalb Jahre auf Herbst 2011 verzögert. Seither drückt Boeing
bei den Auslieferungen aufs Tempo. Einige Experten sehen darin die Ursache für die Zwischenfälle.
Andere Luftfahrtexperten sprechen dagegen von "normalen Kinderkrankheiten". Ihre Argumentation lautet: Bei einem derart komplexen Flugzeug mit allen möglichen technischen Neuheiten seien Probleme unmittelbar nach der Markteinführung kaum zu vermeiden. Auch bei früheren Flugzeugmodellen habe es zu Beginn solche Pannen gegeben - zum Beispiel beim Airbus A380 oder bei Boeings 747.
Zu dem aktuellen Vorfall sagte ein Boeing-Sprecher: "Wir haben die Berichte gesehen, wir kennen die Ereignisse und arbeiten mit unseren Kunden zusammen." Der Dreamliner der All Nippon Airways war am Mittwoch im Westen Japans etwa eine halbe Stunde nach dem Start zur Notlandung gezwungen worden. Die Maschine war von Yamaguchi auf dem Weg nach Tokio - ein normalerweise 65-minütiger Flug. Alle 137 Passagiere und Crew-Mitglieder seien sicher evakuiert worden, teilte der Flughafen Osaka mit. Fünf Personen hätten sich dabei leicht verletzt. Dabei handele es sich vor allem um Kratzer. Die Notlandung erfolgte in Takamatsu.
ANA-Vizepräsident Osamu Shinobe sagte, die Instrumente an Bord der Maschine deuteten darauf hin, dass die Batterie fehlerhaft gewesen sei. Es handele sich um das gleiche Modell wie bei einem anderen Dreamliner, dessen Batterie auf dem Bostoner Flughafen vergangene Woche in Brand geraten sei, sagte Shinobe.
Die Japaner waren die ersten Käufer von Boeings Dreamliner. Die Pannenserie bei dem hochmodernen Langstreckenflieger hat inzwischen auch die US-Luftfahrtbehörde auf den Plan gerufen. Die FAA kündigte Ende vergangener Woche an, das Modell genau zu überprüfen. Die staatlichen Experten werden dabei ein besonderes Augenmerk auf die elektrischen Systeme sowie auf die Mechanik legen.
cte/dpa/Reuters/AP
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