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19. Januar 2013, 01:06 Uhr

Pannenflieger

Boeing stoppt Auslieferung von Dreamliner

Boeing zieht Konsequenzen aus der Pannenserie der Dreamliner-Maschinen: Der Flugzeughersteller hat die Auslieferung des Modells 787 gestoppt. Diese solle erst wieder aufgenommen werden, wenn alle Probleme gelöst sind - und die US-Luftfahrtbehörde das Flugverbot für die Flieger wieder aufhebt.

Washington/Hamburg - Boeings Langstreckenflugzeug ist vom Vorzeigejet zum Problemflieger geworden. Nach der Pannenserie bei seinen Maschinen vom Typ Boeing 787 Dreamliner will der US-Flugzeugbauer jetzt alle geplanten Auslieferungen des Modells vorerst aussetzen. Die Produktion der Flugzeuge werde aber fortgeführt, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Ein Unternehmenssprecher erklärte am Freitag in einer E-Mail, es werde keine Boeing 787 mehr ausgeliefert, bis die Probleme mit den Batterien gelöst seien. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hatte am Mittwoch wegen zweier Zwischenfälle mit brennenden Batterien an Bord der Dreamliner vorerst ein weltweites Flugverbot für alle im Einsatz befindlichen 50 Maschinen verhängt.

Boeing baut Lithium-Ionen-Batterien ein, weil sie leichter und leistungsfähiger sind als herkömmliche Nickel-Cadmium-Batterien. Die Entwicklung der aus Leichtmaterial gebauten und damit treibstoffsparenden Dreamliner-Maschinen war als Meilenstein in der Luftfahrt gefeiert worden. Die Lithium-Ionen-Batterien können aber leicht heiß werden und dann Feuer fangen.

Zwischenfälle mit dem neuartigen Stromsystem hat es schon mehrfach gegeben. Bei einem Testflug brannte es am Stromregelwerk im hinteren Frachtabteil. Anfang Dezember 2012 absolvierte eine United-Airlines-Maschine eine Notlandung in New Orleans nach einem Problem an gleicher Stelle. Nur vier Tage später musste eine 787 der Qatar Airways mit einem Generatorenproblem landen.

Bei der FAA waren sich die Prüfer des Risikos offenbar bewusst. Im Zertifizierungsprozess soll es nach Insider-Informationen zu einem langen Austausch zwischen der Behörde und Boeing gekommen sein. Eine Art Sonderverfahren für die Zulassung musste gewählt werden, weil für die "Hochleistungsbatterien keine adäquaten und anwendbaren Sicherheitsstandards" zur Verfügung stehen. So schreibt es die FAA in ihrer Zulassungsanweisung und verweist dabei auch darauf, dass "die Industrie von Handyproduzenten bis zu Elektroautoherstellern Sicherheitsprobleme" mit den Batterien erfahren musste.

Wegen der Pannen erwägen erste Fluggesellschaften bereits Schadensersatzforderungen gegen Boeing - darunter etwa die polnische Airline Lot, die einzige Fluggesellschaft in Europa, die den Dreamliner in Betrieb hat.

bos/AFP

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