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Börsen im Minus: Angst vor dem Ausverkauf

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Frankfurter Börse: Es regiert die Verunsicherung

Weltweit schlagen die Aktienkurse wilde Kapriolen. Anleger merken plötzlich, dass sie viele Risiken über Monate ignoriert haben - und suchen nun verzweifelt nach sicheren Alternativen.

Hamburg - Taumelnde Aktienkurse, ängstliche Investoren und sprunghaft steigende Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Euro-Krisenländer: Auf den Finanzmärkten herrschen derzeit Zustände, die beinahe schon an den Sommer 2012 erinnern, den bisher letzten Höhepunkt der Euro-Krise.

Eine neue Angst hat die Teilnehmer an den Finanzmärkten gepackt: die Angst vor dem großen Ausverkauf. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat in den vergangenen vier Wochen rund 14 Prozent verloren. Ähnlich erging es dem Rest Europas. Seit diesem Mittwoch hat sich der Abwärtstrend erheblich beschleunigt. Wichtige Aktienbarometer wie der Dax Chart zeigen oder der Euro Stoxx 50 Chart zeigen fielen auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Am Donnerstag ging es nach Handelsbeginn noch einmal steil bergab - bis gute Nachrichten aus den USA kamen.

Noch bemerkenswerter aber sind die heftigen Schwankungen der Kurse. Die sogenannten "Angstindizes", die die kurzfristigen Ausschläge nach oben und unten messen, sind so hoch wie zuletzt im Krisensommer 2012. Das zeigt: Die Investoren sind extrem nervös.

Sie ziehen ihr Geld aus riskanten Anlagen wie Aktien oder Staatsanleihen der Euro-Krisenländer ab - und stecken es in vermeintlich sichere Anlagen wie amerikanische oder deutsche Staatsanleihen - obwohl sie dort derzeit so wenig Zinsen bekommen wie noch nie zuvor.

Doch woher kommt die plötzliche Angst?

Schon seit Monaten lastet ein ganzes Bündel Risiken auf den Finanzmärkten: die geopolitischen Krisen in der Ukraine sowie im Irak und Syrien, das schwache Wachstum und die niedrige Inflation in der Eurozone, die wirtschaftliche Abkühlung in China.

Lange haben die Investoren an den Finanzmärkten diese Krisenherde ignoriert. Am Aktienmarkt ging es immer weiter nach oben. Gleichzeitig sanken in Europa die Risikoaufschläge für Staatsanleihen. Irgendwo mussten die Anleger ja das viele Geld investieren, das die Notenbanken seit Jahren in die Märkte pumpen.

Geraten die Anleger vollends in Panik?

In einer solchen Situation genügen oft kleine Anlässe, um die Finanzmärkte in Panik zu versetzen. Im aktuellen Fall waren es überraschend schwache Daten der US-Wirtschaft, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Sie ließen die Anleger daran zweifeln, dass wenigstens die Vereinigten Staaten wieder schnell zu alter wirtschaftlicher Stärke zurückfinden werden. Wer soll die Welt denn sonst aus der Krise ziehen, fragen sich viele Beobachter nun bang. Und: Wie werden wohl die Anleger reagieren?

Und plötzlich rücken auch all die Risiken wieder in den Vordergrund, die lange ignoriert wurden:

  • Geht es den südeuropäischen Krisenstaaten wirklich wieder so gut, dass ihre Staatsanleihen ähnlich attraktiv sein sollten wie deutsche Papiere?
  • Bremsen die Sanktionen gegen Russland die Wirtschaftsentwicklung in Europa stärker als zunächst gedacht?
  • Was passiert, wenn der europäische Bankenstresstest am letzten Oktoberwochenende unangenehme Überraschungen hervorbringt?
  • Wird die Verbreitung des Ebolavirus die Weltwirtschaft stärker lähmen als erwartet?

Wer Gefahren sehen will, der kann sie derzeit ziemlich leicht finden. Ob das reicht, um den ganz großen Ausverkauf am Aktienmarkt einzuläuten, wird sich erst in den kommenden Tagen und Wochen zeigen. Dann kommt es auf die Psychologie an: Geraten die Anleger vollends in Panik und versuchen zu verkaufen, bevor es andere tun? Oder nutzen sie die Kursrückgänge der vergangenen Wochen, um wieder vergleichsweise günstig in den Aktienmarkt einzusteigen?

Die Antwort hängt auch davon ab, welchen Stellenwert die Investoren den guten Nachrichten beimessen, die es immer noch gibt. Am Donnerstag zum Beispiel gab das US-Arbeitsministerium bekannt, dass die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gefallen ist. Und prompt zogen die Aktienkurse wieder an. Das ist zumindest ein kleiner Grund für Optimismus.

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insgesamt 132 Beiträge
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1.
Europa! 16.10.2014
Der sogenannte Einfluss von "Ebola" auf die Börsen ist absolut irrational.
2. Das Geld der
omguruji 16.10.2014
Notenbanken soll die Kreditvergabe erleichtern und nicht der Spekulation dienen!
3.
a-mole 16.10.2014
das heißt ich kann bald wieder ein bisschen nachkaufen...
4. Völlig normal
oidahund 16.10.2014
Nachdem die Börsen monatelang nur einen Kurs nach oben kannnten gibt es jetzt eine deutliche Korrektur nach unten. Die Weltwirtschaftlichen Einflüsse sind sicher auch ein Grund, die ungeklärte Schuldensituation und die Politik der EZB ein anderer aus einen ganzen Portfolio aus Gründen. Dank der Zinspolitik der EZB fehlen jetzt auch noch die Möglichkeiten die Wirtschaft zu unterstützen.
5.
leiboldson 16.10.2014
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/16/crash-gefahr-in-athen-merkel-warnt-vor-neuer-euro-krise/ In Griechenland sind die Zinssätze für Staatsanleihen auf 9 Prozent gestiegen. Auch Spanien muss plötzlich höhere Zinssätze für seine Schulden bezahlen.Die Investoren fürchten Neuwahlen und glauben offenbar der EZB nicht mehr, dass sie alle Euro-Staaten retten kann. Die EU kündigt an, dass sie den griechischen Banken weitere Steuergelder aus Europa zur Verfügung stellen könnte. Angela Merkel klingt indes ungewöhnlich düster. Das Euro-U-Boot ist nicht mehr zu halten.
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