Steigende Kurse Anleger setzen auf Einigung im US-Haushaltsstreit

Die erste Annäherung im US-Etatstreit treibt die Kurse an: Börsianer rechnen fest damit, dass eine Staatspleite verhindert wird. Optimisten sehen den Dax 2014 schon bei 10.000 Punkten.

Kräftige Kursausschläge: Die Krise im US-Kongress ruft manchen Untergangspropheten auf den Plan, doch Investoren bleiben gelassen
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Kräftige Kursausschläge: Die Krise im US-Kongress ruft manchen Untergangspropheten auf den Plan, doch Investoren bleiben gelassen

Von manager-magazin.de-Redakteur


Hamburg - Die Nachricht kam nicht überraschend, die Erleichterung an der Börse war gleichwohl spürbar. Kaum hatte sich herumgesprochen, dass sich die Republikaner in den USA zu einer Anhebung der Schuldenobergrenze für zunächst sechs Wochen bereit erklärt haben, zogen die Kurse an der Wall Street und in Frankfurt kräftig an.

Börsianer sehen das Einlenken des republikanischen Verhandlungsführers John Boehner als Signal, dass die konservative Tea Party ihre Blockadehaltung nicht auf Dauer durchhalten wird - und das russische Roulettespiel der zerstrittenen US-Parlamentarier nicht zu einer Staatspleite führen wird. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen verbuchte daraufhin die größten Kursgewinne seit mehr als vier Wochen.

Anlass für steigende Kurse hatte es bereits Mitte der Woche gegeben - die Berufung von Janet Yellen zur neuen Fed-Chefin werten Anleger als Zeichen, dass es mit der lockeren Geldpolitik der Fed vorerst weitergehen wird. "Mit ihr wird es keine Revolution in der Geldpolitik geben. Das sollte für die Märkte Sicherheit bringen", betonte Berenberg-Ökonom Christian Schulz.

Und nur wenig später dann erste Entspannungssignale in dem erbittert geführten Politpoker, der Finanzmärkte und Investment-Gemeinschaft gleichsam als Geisel genommen hat: "Diesmal sollte die Wall Street besorgt sein", hatte US-Präsident Obama vergangene Woche nach dem erklärten Haushaltsnotstand gewarnt. Je nachdem welcher Schätzung man folgt, könnte ein nur wenige Wochen andauernder "Shutdown" die USA im vierten Quartal zwischen 0,5 und 1,4 Prozentpunkte Wachstum kosten.

Davon wäre auch die exportstarke deutsche Wirtschaft betroffen. 348 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften allein die 50 größten deutschen Konzerne in den USA.

Im schlimmsten Fall droht finanzieller Infarkt à la Lehman

Ganz zu schweigen von einer möglichen Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft, sollte sich der US-Kongress nicht bis zum 17. Oktober über eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen. Käme es so, müsste die US-Regierung ihre Staatsausgaben von heute auf morgen drastisch senken - um 75 Milliarden bis 175 Milliarden Dollar monatlich, schätzt Goldman Sachs laut "Börsen-Zeitung". Die Folgen für die Wirtschaft wären kaum zu ermessen.

In diesem Worst-Case würden nicht nur die Risikoprämien auf breiter Front steigen. Eine Zahlungsunfähigkeit würde auch eine Serie hochkomplexer Ereignisse im Finanzsystem in Gang setzen, die nicht mehr aufzuhalten wären, warnt Willem Verhagen von ING Investment Management. Dabei bestünde das Risiko eines finanziellen Infarkts à la Lehman.

Die Wahrscheinlichkeit, den "Patienten" wiederbeleben zu können, wäre dann viel geringer als noch im Jahr 2008. Die Organisation der Industrieländer (OECD) hatte ebenfalls in dieser Woche gewarnt, dass eine dauerhafte Haushaltskrise in den USA die Weltwirtschaft in eine Rezession treiben könnte.

Doch auch auf die US-Republikaner wächst im eigenen Land der Druck, sich endlich zu einigen.

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insgesamt 5 Beiträge
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Badischer Revoluzzer 12.10.2013
1. Ich habs doch gesagt.
Die Sache geht aus wie das berühmte Hornberger Schießen. Weshalb wird darüber überhaupt noch berichtet. In einem Jahr spielt die selbe Melodie wieder.
aurichter 12.10.2013
2. Warum bleiben die Anleger gelassen,
Nun ganz einfach, weil Sie eben die allerbesten Insiderinformationen in der Politikkaste und der NYSE haben. Genau deshalb beobachtet man dieses Theater aus einem anderen Blickwinkel. Alles nur Show für das dumme Volk. Ganz einfach.
Adolfrausch 12.10.2013
3. Wieso Staatspleite verhindern ..?
Die USA sind faktisch pleite, das einzige was man verhindern kann, ist dass es denn dummen Börsianern bzw. den Anlagern die ihnen ihr Erspartes anvertrauen, bewusst wird, das das Geld futsch ist. Es geht also nicht darum, eine Pleite zu verhindern, sondern darum, die Wahrheit weiterhin zu vertuschen. Wohl bekomms !
Adolfrausch 12.10.2013
4. Übrigens sind die Börsen
im Jahr 2011 just dann eingebrochen - zumindest die in Europa - als der Kompromiss beschlossen war und das Schuldenmachen weitergehen konnte. Mal sehen wie der diesjährige Crash verläuft.
deisterfahrer 13.10.2013
5. Èinigung ist unvermeidlich!
Die Regierung steckt in der Bredouille und das hat seinen Grund. USA spielen den Weltpolizisten und den Schlichter und Regulator ohne die Mittel dazu zu besitzen. Das aber kostet alles mehr, als "God own Country" sich überhaupt leisten kann und darf. Die Haushaltssituation ist die eines ausgemachten Pleitiers und nur die Tatsache, dass man selbst der Staat ist, hält den Richter fern. Die Reps turnen dem Präsidenten auf der Nase rum, in dem Glauben, dass die Verweigerung der Zustimmung 1. eigene Forderungen durchsetzen hilft und das 2. ein zerrütteter Haushalt nicht doch auf sie selbst zurück fällt. Das ist aber nicht so. Ein zahlungsunfähiger Staat bedeutet eine Entwicklung, die auch die Reps nicht absehen oder gar regulieren können. Die tun nur so, die wollen nur spielen.
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