Börse auf Speed EU plant Notbremse gegen Turbo-Trader

Steil hinunter, kräftig rauf und wieder krachend nach unten: Die Weltbörsen schlagen derzeit auffällige Kapriolen. Kritiker geben Hochgeschwindigkeits-Händlern daran die Mitschuld. Jetzt will die EU die Speed-Börsianer an die kurze Leine nehmen.

Aktienhandel in New York: Mehr Computer als Menschen
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Aktienhandel in New York: Mehr Computer als Menschen


Brüssel - Sekundenschnelle Computergeschäfte lösen bisweilen gefährliche Kursschwankungen aus - nach Willen der EU-Kommission soll das in Europa künftig nicht mehr möglich sein: "Wir brauchen Regeln für den superschnellen Handel", sagt die Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. "Dazu gehören automatische Stopps, die den Handel unterbrechen, falls die Kurse zu schnell fallen."

Solche Sicherungen sollten in Zukunft verhindern, dass Aktionen von Handelscomputern Börsenkurse rasend schnell abstürzen lassen. Kommissar Barnier werde im Oktober oder November eine Novelle der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid mit Vorschriften für den Wertpapierhandel vorlegen.

Über die EU-Pläne hatte zuvor das "Handelsblatt" berichtet. Demnach will die EU-Kommission Börsen und Handelsplattformen verpflichten, Kurssicherungssysteme in ihre Software einzubauen. Elektronische Handelssysteme sollen von der Finanzaufsicht überwacht werden. Das Europaparlament und die Mitgliedstaaten müssen dem Vorschlag zustimmen.

Im Hochfrequenzhandel kann es bei bestimmten Börsenentwicklungen passieren, dass Computer ohne Befehl eines Händlers in Sekundenbruchteilen automatisch hunderte Verkaufsanweisungen geben. Bei fallenden Kursen kann dies Verkaufswellen nach sich ziehen, was Panikstimmung an den Börsen auslösen kann.

Kommissar Barnier hatte die Überarbeitung der Richtlinie damit begründet, dass der Hochfrequenzhandel die Finanzlandschaft "dramatisch verändert" und die bisherigen gesetzlichen Regelungen überholt habe. "Der europäische Rechtsrahmen muss mit den Veränderungen der Handelspraktiken und den technologischen Entwicklungen Schritt halten", sagte Barnier zuletzt.

Ähnliche Entwicklungen gibt es auch in den USA. Dort geht die amerikanische Finanzaufsicht Finra verdächtigen Marktaktivitäten nach: Von Hochfrequenz-Händlern fordern sie die geheimen Computercodes ihrer Kauf- und Verkaufsprogrammen an.

ssu/dpa



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insgesamt 14 Beiträge
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ugt 06.09.2011
1. Upppss ...
Zitat von sysopSteil hinunter, kräftig rauf und wieder krachend nach unten: Die Weltbörsen schlagen derzeit auffällige*Kapriolen. Kritiker geben Hochgeschwindigkeitshändlern daran die Mitschuld. Jetzt will die EU die Speed-Börsianer an die kurze Leine nehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,784688,00.html
Fällt den Spielern jetzt erst auf, dass sie gegen den Computer verlieren? Sie sich ihr eigenes Spielzeug kaputt machen? Keine Wetten mehr auf dieses und jenes Gewinn bringen , weil der Computer emotionslos nach eingestellten Parametern arbeitet? Das die ach so wichtigen Börsen nichts anderes als Lottoannahmestellen sind?
DJ Doena 06.09.2011
2. .
Ich versteh sowieso nicht, warum es je erlaubt wurde, eine gekaufte Aktie nur 17,3 Sekunden in seinem Besitz zu halten, nur um sie mit 0,2 Cent Gewinn pro Stück wieder zu verkaufen. Das läuft völlig dem zuwider, wofür Aktien mal erfunden wurden. Der ganze Blödsinn würde sich schon dadurch entschleunigen, wenn man einfach nur drauf bestehen würde, dass gekaufte Aktien für lächerliche 7 Tage unverkäuflich sind.
Ako, 06.09.2011
3. ...
Zitat von DJ DoenaIch versteh sowieso nicht, warum es je erlaubt wurde, eine gekaufte Aktie nur 17,3 Sekunden in seinem Besitz zu halten, nur um sie mit 0,2 Cent Gewinn pro Stück wieder zu verkaufen. Das läuft völlig dem zuwider, wofür Aktien mal erfunden wurden. Der ganze Blödsinn würde sich schon dadurch entschleunigen, wenn man einfach nur drauf bestehen würde, dass gekaufte Aktien für lächerliche 7 Tage unverkäuflich sind.
Wenn nur alles so einfach währe... Es liegt in der Natur des Menschen zu zocken. Ob an der Börse oder Casino. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und kein Gesetz ist ohne Lücken. Oder wie die Russen sagen - wenn was nicht erlaubt ist, man will es aber sehr, dann ist es doch erlaubt.
Silverhair, 06.09.2011
4. Überflüssig
Zitat von DJ DoenaIch versteh sowieso nicht, warum es je erlaubt wurde, eine gekaufte Aktie nur 17,3 Sekunden in seinem Besitz zu halten, nur um sie mit 0,2 Cent Gewinn pro Stück wieder zu verkaufen. Das läuft völlig dem zuwider, wofür Aktien mal erfunden wurden. Der ganze Blödsinn würde sich schon dadurch entschleunigen, wenn man einfach nur drauf bestehen würde, dass gekaufte Aktien für lächerliche 7 Tage unverkäuflich sind.
Der Handel an den Unternehmensbörsen hat nur einen Zweck - nämlich Zocken! An "Geld" kommen Unternehmen durch die Ausgabe von Aktien - mit dem Börsengeschehen haben sie danach nichts mehr zu tun - dort Zocken nur Spieler gegeneinander! Und da praktisch einzigen Unternehmen die selber als "Aktiengesellschaften" Existieren - und gleichzeitig damit zocken die Banken sind haben sie natürlich das größte Interesse an dieser Zockerbörse! Man sollte einfach nie vergessen - das "Geld" ist Buchgeld - eine private Ware der Banken und Börsen - das hat mit "Staat" und Staatlichen Garantiertem Zahlungsmittel nichts zu tun alles! Zum Glück werden die meisten Aktion überhaupt nicht über die Börsen verkauft - das sind meistens nur die Firmen die es "nötig haben" sprich Werbung und "Ruf" über dieses regelrechte Spielcasino zu bekommen! Es gibt wirklich keinen Grund für Unternehmensbörsen im 1000 stel sec tag, noch nicht mal welche im Std. Takt, keine Unternehmensdaten ändern sich wirklich in diesen Zeiten! Es ist Online-Wettspiel - statt Pferden eben Aktien - Jauche würde auch gehen ...
Silverhair, 06.09.2011
5. Nicht alles was möglich ist ist erlaubt
Zitat von AkoWenn nur alles so einfach währe... Es liegt in der Natur des Menschen zu zocken. Ob an der Börse oder Casino. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und kein Gesetz ist ohne Lücken. Oder wie die Russen sagen - wenn was nicht erlaubt ist, man will es aber sehr, dann ist es doch erlaubt.
Spielen hat durchaus einen Sinn - aber aus guten Gründen ist das Spielen mit einer Unmenge von Dingen die "wichtig" fürs überleben sind auch verboten! Und hier ist ein solch wirklich höheres Ziel, nämlich eine Stabile Wirtschaft ausreichend Grund für massive Einschränkungen! Im Casino wird übrigens mit "Spielgeld" nur gezockt - nicht mit Geld was der Wirtschaft als Zahlungsmittel dient! Und die Regeln im Casino erlauben nur allen den "gleichen Zugang" -wer dort mit Computer auftaucht der hat sofort Hausverbot! Unternehmensbörsen und ihre Spieler sind so wie sie aufgestellt sind ein Fall für den Phychiater - und für Drogenentzug - einen Sinn erfüllen sie nicht mehr!
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