Krise in Fernost China setzt Börsenhandel aus, Dax bricht ein

Lange trieb China die Weltwirtschaft an, nun steckt das Land in der Krise: Der Aktienhandel in Shanghai und Shenzhen wurde ausgesetzt, weltweit reagieren Anleger alarmiert. Der Dax startet mit deutlichem Minus ins neue Jahr.

Investorinnen in China: Börsenhandel ausgesetzt
AFP

Investorinnen in China: Börsenhandel ausgesetzt


Neue Anzeichen für eine Krise der chinesischen Wirtschaft haben deutschen Unternehmen einen verlustreichen Start ins neue Börsenjahr beschert. Der Deutsche Aktienindex (Dax Chart zeigen) verlor am Montag zur Eröffnung bis zu 3,4 Prozent auf 10.381 Zähler - der tiefsten Stand seit knapp drei Wochen. Das Börsenjahr 2015 hatte der Dax mit einem Plus von knapp zehn Prozent beendet.

Für den Mittelwerteindex MDax Chart zeigen ging es zuletzt um 2,37 Prozent nach unten auf 20 281,38 Zähler, und der Technologiewerte-Index TecDax Chart zeigen büßte 2,56 Prozent auf 1783,93 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Chart zeigen rutschte um 2,81 Prozent auf 3175,86 Punkte ab.

Für Verunsicherung sorgte, dass die chinesische Industrieproduktion im Dezember den zehnten Monat in Folge geschrumpft ist. Weil die Kurse zeitweise um knapp sieben Prozent nachgaben, wurde der Aktienhandel am Montag an den größten Handelsplätzen Shanghai und Shenzhen mithilfe eines neuen Sicherungsmechanismus vorzeitig beendet. "Ein Traumstart ins neue Jahr sieht anders aus", sagte ein Händler. Zu den größten Verlierern im Dax zählten E.on Chart zeigen und Fresenius Chart zeigen mit Abschlägen von mehr als vier Prozent.

Auch der französische Leitindex CAC 40 Chart zeigen gab deutlich nach und verlor mehr als zwei Prozent. Das britische Pendant, der FTSE 100 Chart zeigen, büßte 1,5 Prozent im Vergleich zum vorherigen Handelstag ein. Andere asiatische Börsen gaben ebenfalls deutlich nach. Auch die chinesische Landeswährung Renminbi verlor deutlich. Die Zentralbank in Peking setzte den Referenzkurs für einen Dollar am Montag über der Marke von 6,50 Yuan fest. Damit ist der Renminbi so schwach wie zuletzt im Mai 2011.

Dabei sehen nicht alle Experten die Zahlen aus China als uneingeschränkte Hiobsbotschaft. Dirk Gojny, Analyst bei der National-Bank, betrachtet die Entwicklung eher von der positiven Seite. "Das verarbeitende Gewerbe schwächelt, während sich der Dienstleistungssektor ganz ordentlich entwickelt. Das könnte man durchaus als erste Zeichen für den Erfolg der Umsteuerung des chinesischen Geschäftsmodells verstehen", sagte Gojny.

Der vom chinesischen Wirtschaftsmagazin "Caixin" ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) war im Dezember überraschend stark gesunken: von 48,6 auf 48,2 Punkte, auf den tiefsten Stand seit September. Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet. Die Zahlen beim offiziellen Stimmungsindikator für die Industrie fielen etwas besser aus. Der vom chinesischen Handelsverband CFLP veröffentlichte Wert lag bei 49,7 Punkten und damit leicht höher als im November.

Schlechtes Omen für Gesamtjahr?

Experten halten es dennoch für wahrscheinlich, dass die chinesische Führung künftig weitere Eingriffe vornehmen wird, um die Konjunktur zu stützen. "Wirtschaftspolitische Maßnahmen liegen nahe, um Überkapazitäten abzubauen und die landesweite Urbanisierung voranzutreiben", sagte Rainer Sartoris, Analyst bei der Bank HSBC Trinkaus. "Daher rechnen wir 2016 mit einer Ausweitung der Neuverschuldung auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts." Zudem sei mit einer weiteren Senkung der Leitzinsen sowie des Reservesatzes durch die Zentralbank zu rechnen.

Selbst recht positive Daten zur Industriestimmung in der Eurozone konnten an dem Abwärtstrend der Börsen nichts ändern. Zudem drückte der eskalierende Streit zwischen Saudi-Arabien und Iran auf die Stimmung der Anleger. Der Ölpreis zog am Montag aufgrund der Entwicklung deutlich an: Der Preis für ein Barrel Brent Chart zeigen stieg um 2,44 Prozent auf über 38 Dollar.

Sollte sich der negative Trend an den Börsen in den kommenden Wochen fortsetzen, so könnte das ein schlechtes Omen für Anleger sein: Laut einer Börsenregel lässt sich am Verlauf des Handels im Januar die Tendenz fürs Gesamtjahr ablesen. In den USA haben Langzeituntersuchungen dies grundsätzlich bestätigt. Auch der Dax folgte bislang mehrheitlich der Regel, er existiert jedoch erst wesentlich kürzer als vergleichbare US-Indizes.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 65 Beiträge
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fred-vom-saturn 04.01.2016
1. Oh! Nein!
Der niedrigste Wert seit ganzen drei Wochen! Wie furchtbar! Der DAX auf Tiefstand. Die Welt wird untergehen. Jetzt hilft nur noch beten.
bettini 04.01.2016
2. Sehr gut!
Immer wenn der Dax einbricht, dann geht es dem durch den durchgeknallten Mario heruntergeknüppelten Eurokurs wenigstens wieder etwas besser.
rolli 04.01.2016
3.
Planwirtschaft trifft auf Marktwirtschaft, Planerfüllung auf Wirklichkeit. Heraus kommt eine ziemlich grosse Überproduktion, die nun offensichtlich wird denn die Halden sind voll, und eine Weiterproduktion kaum möglich, die Industrieproduktion schrumpft, und sie muss auch deutlich schrumpfen, wenn man eine Deflation wie damals in Japan verhindern will. Sehr unangenehm für Exportnationen und für neoliberalistische Glaubenskrieger.
tomxxx 04.01.2016
4. Erinnert sich eigentlich jemand an Biedermeier und...
die Brandstifter? Jeder Blödsinn, der die Nerven beruhigt wird auch erzählt. Alle überprüfbaren Wirtschaftszahlen in China schwächeln eigentlich seit 2009 bzw. ist das frisieren der Statistik ein offenes Geheimnis. Dann muss das Wachstum halt woanders sein... weil ja ein Einbruch der Produktion auf Erfolg bei den Dienstleistungen hinweist... dümmer gehts nicht mehr. Aber wir machen das bei anderen Themen ja auch so... siehe Flüchtlingskrise. Fehlt eigentlich nur noch, dass man wie im Mittelalter dann dem Überbringer der schlechten Botschaft die Schuld gibt... ups... da sind uns jetzt die Polen zuvor gekommen...
johannesmapro 04.01.2016
5.
man nennt das ganze auch Schneeballsystem, Spekulationsblase, das gibt es zwar alles nicht nach der Neoliberalen Theorie, passiert aber dauernd in der Praxis, weil der Staat Wahrscheinlich ständig eingreift oder der Preisindex für Arbeit verfälscht ist, wahrscheinlich sind die Preise für Vermögenswerte gerade Falsch, wer die Wirklichkeit verstehen will muß schon ehr David Harvey lesen.
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