Nach Brexit-Schock Dax-Konzerne verlieren 65 Milliarden Euro an Börsenwert

Das Votum der Briten für einen Austritt aus der EU hat die meisten Anleger und Händler böse überrascht. Allein im Dax wurden mehr als 65 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet.

Börsenhändler in Frankfurt
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Börsenhändler in Frankfurt


Es war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte des Dax: 6,8 Prozent verlor der deutsche Leitindex am Freitag, nachdem die Briten für einen Austritt aus der EU gestimmt hatten. Mehr als 65 Milliarden Euro Börsenwert wurden dabei allein bei den 30 größten börsennotierten Unternehmen vernichtet.

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Heft 26/2016
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Am Morgen hatte es sogar noch schlimmer ausgesehen. Mit einem Minus von zehn Prozent war der Dax in den Tag gestartet. Das letzte Mal hatte es solch massive Verluste während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 gegeben.

Ursprünglich hatten die Anleger auf einen Verbleib der Briten in der EU spekuliert, was den Aktienmarkt zuvor kräftig angetrieben hatte. So blieb unter dem Strich auf Wochensicht ein Minus von 0,77 Prozent im Dax übrig.

Auch die anderen Börsen konnten die großen Verluste vom Handelsstart begrenzen. Der MDax der mittelgroßen Konzerne sank am Freitag um 4,5 Prozent, der Technologiewerte-Index TecDax büßte 3,3 Prozent ein.

Banken verlieren besonders stark

Der EuroStoxx50 verlor 8,6 Prozent. Der Londoner FTSE 100 Chart zeigen schloss 3,2 Prozent niedriger als am Vortag. Das Handelsvolumen war beinahe fünf Mal so hoch wie an einem durchschnittlichen Handelstag. Die Börse in Paris ging mit einem Minus von acht Prozent aus dem Handel. An der Wall Street notierte der Dow Jones bis zum europäischen Handelsschluss 2,2 Prozent schwächer.

Besonders betroffen waren die Bankenwerte. Die Deutsche Bank Chart zeigenverlor zeitweise knapp 17 Prozent und schloss rund 14 Prozent schwächer. Die Commerzbank Chart zeigen gab 13 Prozent nach. Zu den größten Verlierern gehörte auch ThyssenKrupp Chart zeigen mit einem Minus von rund zehn Prozent.

Deutsche Börse und LSE halten an Fusionsplänen fest

Die Papiere der Deutschen Börse büßten 9,26 Prozent ein, und auch in London sackten die Aktien des britischen Börsenbetreibers LSE deutlich ab. Trotz des Brexit wollen die beiden Konzerne an ihrem Fusionsplan festhalten. Da allerdings der rechtliche Sitz des Gemeinschaftsunternehmens London sein soll, wird das Vorhaben am Finanzmarkt zunehmend kritisch gesehen.

Spekulationen auf einen Rückgang des Tourismus drückten die Aktien von TUI und Thomas Cook um acht und 16 Prozent. Auf Sinkflug gingen auch die Aktien britischer Fluggesellschaften, die besonders vom freien Zugang in der EU profitiert hatten. So kassierte die British-Airways-Mutter IAG die Gewinnprognose für dieses Jahr ein und schickte damit die Aktien um über 20 Prozent ins Minus.

Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Verzinsung deutscher Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief: Die Umlaufrendite fiel von minus 0,07 Prozent am Donnerstag auf minus 0,20 Prozent.

An den Devisenmärkten rutschte das Pfund Sterling in der Spitze um elf Prozent ab. Gefragt waren an den Finanzmärkten dagegen vermeintlich sichere Anlagen wie Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um bis zu 8,2 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 1358,20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Der Ölpreis fiel deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am späten Nachmittag 48,52 US-Dollar. Das waren 2,40 Dollar weniger als am Vortag.

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brt/Reuters/dpa/AFP

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