Frankfurt am Main - Ob sich die Krise wieder verschärft ist noch unklar, die Finanzmärkte aber reagieren derzeit auf negative Vorzeichen besonders sensibel. Einige schlechte Nachrichten ließen die europäischen Börsen einbrechen. Der deutsche Leitindex Dax
verlor 3,4 Prozent und rutschte auf 6523 Punkte - den tiefsten Stand seit Ende Januar. Auch die kleineren Indizes MDax
und TecDax
schlossen tief im Minus.
Auch in Paris, London, Amsterdam und Madrid fielen die Aktienkurse zum Wochenbeginn deutlich: Die Leitindizes in Frankreich Cac 40 und Spanien gaben um 2,8 Prozent nach, Amsterdam lag um 2,6 Prozent im Minus und der Londoner FTSE 100
immerhin 1,8 Prozent.
Zu Wochenbeginn drückte erneut eine Reihe von Negativschlagzeilen die Stimmung. Sowohl die Industrie als auch die Dienstleister in der Euro-Zone verbuchten im April schwächere Geschäfte als noch im Monat zuvor. Volkswirte sehen darin Anzeichen, dass die Rezessionsgefahr in der Euro-Zone noch nicht gebannt ist - auch wenn die Staaten bei der Verringerung ihrer Haushaltsdefizite durchaus erfolgreich sind. Auch aus China gab es schon am Morgen schwache Einkaufsmanager-Indizes. Die weltweite Wachstumslokomotive verliert demnach ebenfalls an Tempo.
Nachrichten aus der Politik machen Anleger nervös
Für Nervosität sorgten an den Märkten auch der wahrscheinliche Machtwechsel in Frankreich und die Regierungskrise in den Niederlanden. In Den Haag ist die Regierung über den Streit um die richtige Haushaltspolitik zerbrochen. Damit drohen dem Land nicht nur Neuwahlen, sondern auch der Verlust der Top-Bonität durch die Ratingagenturen. An den Finanzmärkten wird nun auch ein Aufweichen des Fiskalpakts befürchtet.
Deutschland könnte in der Schuldenkrise damit außerdem ein wichtiger Verbündeter für die Durchsetzung einer strafferen Haushaltsdisziplin abhandenkommen. Mit den geplanten Einschnitten des gescheiterten Haushaltsplans sollte sichergestellt werden, dass die Niederlande das EU-Defizitziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht verfehlen.
Wall Street folge europäischen Vorgaben
Auch aus Spanien kamen schlechte Nachrichten: Die Wirtschaft steckt in der Rezession. Bei den Konjunkturdaten sorgten bei den Anlegern zudem die Einkaufsmanagerindizes für Enttäuschung. Sie gaben im April weiter nach und liegen nun noch tiefer unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Besonders stark trübte sich die Stimmung in der deutschen Industrie und im französischen Dienstleistungssektor ein.
Auch die US-Börsen wurden von der europäischen Nervosität mitgezogen: Die Wall Street eröffnete zum Wochenstart deutlich im Minus - derzeit gebe halt Europa die Richtung vor, heißt es bei den Händlern in New York. Es gebe keinen Grund davon auszugehen, dass sich die Angst der Investoren schnell auflöse. Bis zum Mittag Ortszeit lag der Dow-Jones-Index ein Prozent im Minus.
nck/dpa/Reuters
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