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Börsenverlierer 2015: Diese deutschen Firmen sind die größten Kapitalvernichter

Dann doch lieber Nullzinsen: Mit Aktien ließen sich 2015 hohe Gewinne machen - aber ebenso horrende Verluste. Ein Überblick über die größten Kapitalvernichter unter den deutschen Firmen.

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Händler in Frankfurter Börse (Archiv)

Eigentlich lief das vergangene Jahr für Anleger an der Börse richtig gut - auch wenn die Kurse gegen Ende ganz allgemein deutlich abrutschten. Dennoch lag etwa der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen Ende 2015 immer noch um zehn Prozent über dem Wert zu Jahresbeginn. In Zeiten der Nullzinsen ist das eine mehr als ordentliche Rendite. Wer Anteilsscheine von Adidas kaufte, konnte sein Kapital sogar um 56 Prozent mehren.

Doch auch in einem grundsätzlich guten Börsenjahr dürften sich viele Anleger die Haare gerauft haben. Das belegt eine unrühmliche Rangliste der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit den 50 größten Kapitalvernichtern unter deutschen börsennotierten Unternehmen.

Die DSW legt dieses Ranking seit 15 Jahren regelmäßig vor. Sie betrachtet und gewichtet dafür die Wertentwicklung von Aktien nach einem, drei und fünf Jahren. Daher finden sich in der Negativrangliste sogar Unternehmen, die im vergangenen Jahr Kursgewinne verzeichneten, dafür allerdings in den Vorjahren exorbitant an Wert verloren hatten.

Zum ersten Mal bezog die DSW in diesem Jahr auch Dividendenzahlungen in die Berechnung ein - und veröffentlichte außer der traditionellen Liste, die ausschließlich die Kursentwicklung berücksichtigt, eine zweite Liste. Diese sogenannte Performance-Liste bildet die tatsächlichen Verluste eines Anlegers realistischer ab, SPIEGEL ONLINE verwendet daher diese. Allerdings sind die Unterschiede zwischen der Kurs- und der Performance-Liste auch nicht groß.

An der Spitze der 50 größten Kapitalvernichter landete diesmal Vtion Chart zeigen, ein Anbieter von Mobilfunk-Datenkarten. Doch auch wesentlich bekanntere Unternehmen finden sich in der Liste, darunter sechs Dax-Konzerne.

Der Slider zeigt die größten und die bekanntesten Kapitalvernichter im Überblick:

Platz 1: Vtion. An der Spitze des Negativrankings landete diesmal der Anbieter von Mobilfunk-Datenkarten. In allen drei Zeiträumen bescherte das Unternehmen seinen Anteilseignern eine miese Wertentwicklung - minus 90,1 Prozent (5 Jahre), minus 77,7 Prozent (3 Jahre) und minus 71 Prozent (1 Jahr).

Platz 2: Singulus Der Maschinenbauer aus Kahl am Main verzeichnete allein 2015 einen Aktienwertverlust von 58,1 Prozent. Anleger, die die Aktien bereits seit drei oder fünf Jahren halten, müssen noch größere Verluste beklagen.

Platz 3: Telegate Der Anbieter von Telefonauskünften und weiteren Kommunikationsdiensten beglückte seine Anleger in den vergangenen Jahren eher weniger - mit einem Performance-Verlust von 74,3 Prozent über fünf Jahre.

Platz 4: Teles Auch der Kommunikationsdienstleister aus Berlin weist eine miserable Wertentwicklung für Anleger auf. Allein im vergangenen Jahr verloren Aktionäre 53,5 Prozent mit den Papieren von Teles.

Platz 5: Aixtron Der Maschinenbauer mit Spezialisierung auf Halbleiter aus Herzogenrath bei Aachen brachte den Anlegern im vergangenen Jahr sogar einen Verlust von 55,9 Prozent. Weil es in den Vorjahren aber etwas weniger schlecht lief als bei Teles, landete Aixtron hinter den Berlinern.

Platz 6: Yoc Die Berliner Firma ist auf Werbung auf mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets spezialisiert. Wer Anfang 2011 Aktien kaufte, musste Ende vergangenen Jahres 94,1 Prozent an Wertverlust in Kauf nehmen - allerdings ist die jüngere Entwicklung weitaus positiver. 2015 betrug der Wertverlust nur noch 2,3 Prozent.

Platz 7: Tom Tailor Beim Modekonzern aus Hamburg konnten sich Käufer von Kleidung wesentlich zufriedener fühlen als Käufer von Aktien. Allein 2015 mussten letztere einen Verlust von 56,4 Prozent hinnehmen, über die vergangenen fünf Jahre hinweg waren es sogar 67 Prozent.

Platz 8: RWE Dem Energiekonzern wird die zweifelhafte Ehre zuteil, als erstes Dax-Unternehmen in der Negativliste der DSW aufzutauchen. Kein Wunder: Im vergangenen Jahr standen für Aktionäre unter dem Strich 52,3 Prozent Verlust, über fünf Jahre waren es 68,6 Prozent. Und das, obwohl die Dividendenzahlungen berücksichtigt sind.

Platz 9: Wilex Das Biotech-Unternehmen aus München fiel 2015 gar nicht so negativ an der Börse auf - der Verlust für Anleger betrug lediglich acht Prozent. Da es in den Jahren zuvor allerdings weitaus schlimmer lief - über fünf Jahre betrachtet verloren Anleger 90,2 Prozent -, landet Wilex dennoch in den Top Ten der größten Kapitalvernichter.

Platz 10: SKW Stahl-Metallurgie Der bayerische Spezialchemie-Hersteller bescherte den Anteilseignern im vergangenen Jahr ebenfalls vergleichsweise kleine Verluste (minus 4,7 Prozent) - ebenso wie Wilex ist die Entwicklung über drei (minus 71,7 Prozent) beziehungsweise fünf Jahre (minus 80,2 Prozent) hinweg extrem schlecht.

Platz 29: Commerzbank Die zweitgrößte Bank Deutschlands ist auch das zweitschlechteste Dax-Unternehmen Deutschlands, was die Performance betrifft. Im vergangenen Jahr verloren Anteilseigner unter dem Strich 12,9 Prozent, über fünf Jahre hinweg sogar 71,1 Prozent.

Platz 30: E.on Der Essener Energiekonzern profitierte erheblich davon, dass die DSW erstmals eine Kapitalvernichter-Liste veröffentlicht, die auch die Dividendenzahlungen berücksichtigt. Ohne diese würde E.on auf Platz 20 landen - so ist es Platz 30 und nur der drittschlechteste der Dax-Konzerne.

Platz 34: K+S Der Salz- und Düngemittelhersteller hat derzeit richtig Ärger: Die Staatsanwaltschaft Meiningen hat Anklage gegen insgesamt 14 Mitarbeiter erhoben, darunter Vorstandschef Norbert Steiner. Der Verdacht lautet auf unerlaubte Abfallbeseitigung und Gewässerverunreinigung. Auch mancher Anleger dürfte sich ärgern: Im vergangen Jahr bescherte das Unternehmen ihnen zwar einen Wertzuwachs von 6,3 Prozent. Wer die Aktien aber bereits Anfang 2011 gekauft hat, verlor unter dem Strich bis Ende vergangenen Jahres 52 Prozent.

Platz 40: Deutsche Bank Die größte deutsche Bank beglückte ihre Aktionäre in den vergangenen Jahren eher nicht. 2015 gab es einen Wertverlust von 7,5 Prozent, im Zeitraum von 2011 bis 2015 betrug er 32 Prozent.

Platz 45: ThyssenKrupp Ob der traditionsreiche Konzern seinen Aktionären einen (zumindest nominalen) Gewinn oder Verlust einbrachte, hängt vom Zeitpunkt des Aktienkaufs ab. Von 2011 bis 2015 verloren Anleger 38,3 Prozent. Wer aber Anfang 2013 kaufte, konnte Ende 2015 einen Gewinn von 3,8 Prozent verzeichnen. Im vergangenen Jahr allein verlor die Aktie wiederum 13,3 Prozent.

fdi/dpa

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