Starke Verluste an der Wall Street Dow Jones verliert weitere vier Prozent

Der Ausverkauf an der Wall Street geht weiter: Der Dow-Jones-Index schließt erneut deutlich im Minus - er sackt um 4,2 Prozent ab. Der Dax verzeichnet den größten Tagesverlust seit anderthalb Jahren.

Händler an der Wall Street
AFP

Händler an der Wall Street


Die US-Börsen haben am Donnerstag erneut herbe Verluste hinnehmen müssen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Minus von 4,2 Prozent auf 23.858 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 3,8 Prozent auf 2581 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 3,9 Prozent auf 6777 Stellen ein.

Es war bereits das zweite Mal in dieser Woche, dass der Dow Jones mehr als tausend Punkte verlor. Die Hoffnungen, dass die Talfahrt der Kurse relativ schnell vorbei sein könnte, erhielten damit einen erheblichen Dämpfer.

Nach dem Absturz des Dow Jones am Montag um 4,6 Prozent hatte sich der Leitindex am darauf folgenden Tag wieder etwas berappelt und um 2,3 Prozent zugelegt. Am Mittwoch verzeichnete der Dow Jones dann einen nur leichten Verlust von 0,1 Prozent, bevor sich die Talfahrt am Donnerstag erneut beschleunigte.

Einer der Hauptgründe für die Nervosität an den US-Finanzmärkten ist paradoxerweise die gute Lage der heimischen Wirtschaft. Die im US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag registrierten robusten Lohnzuwächse könnten dem kursierenden Szenario zufolge die derzeit niedrige US-Inflation nach oben treiben. Dies wiederum könnte demnach den neuen US-Notenbankchef Jerome Powell dazu veranlassen, den Leitzins stärker anzuheben als bislang von der Federal Reserve geplant, um den Preisanstieg unter Kontrolle zu halten.

Zur Kehrseite höherer Zinsen aber gehört, dass sie Kredite verteuern und damit die Investitionsbereitschaft von Unternehmen senken - mit entsprechenden Negativeffekten für die Konjunktur. "Die Angst vor steigenden Zinsen hält die Börsen weiterhin im Würgegriff", kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners die zweite heftige Talfahrt an der Wall Street in dieser Woche.

Dax fällt erneut

Die Furcht vor einer anziehenden Inflation und steigenden US-Zinsen lässt auch Anleger in Deutschland nicht los. Der deutsche Leitindex Dax und der europäische Leitindex EuroStoxx50 verzeichneten am Donnerstag den größten Tagesverlust seit eineinhalb Jahren. Das deutsche Börsenbarometer fiel 2,6 Prozent auf 12.260 Punkte, das europäische 2,7 Prozent auf 3361 Zähler. Allein in der laufenden Woche verlor der Deutsche Aktienindex damit vier Prozent.

Warum der Einbruch, wenn die wirtschaftliche Lage eigentlich gut ist? Eine Erklärung der gegenwärtigen Turbulenzen an den Börsen lesen Sie hier.

Thomas Mayer, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute, rät Anlegern im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Es gibt keinen Grund, bei den aktuellen Verwerfungen kurzfristig zu reagieren. Denn typischerweise verkaufen Privatanleger dann, wenn es am düstersten ist. Und wenn sie aussteigen, dann müssen sie zweimal den richtigen Zeitpunkt erwischen. Denn irgendwann stellt sich die Frage: Wann steige ich wieder ein?"

oka/AP/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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lafari 09.02.2018
1.
Wir brauchen ein neues finanzsystem und keines, das von crash zu crash tingelt und verwüstung hibterlässt. Wir brauchen steuerfreiheit für die altersvorsorge und das selbstgenutzte eigenheim.
theophrastusbombastus.von 11.02.2018
2. @ larifari
Steuerfreiheit für die Altersvorsorge und das selbstgenutzte Eigenheim (auch Grunderwerbssteuerfreiheit für's erste Grundstück!) sind leider nur die halbe Miete. Die Hälfte der Menschen, die sich Eigenheim und Altersvorsorge nicht leisten können, müßten von allen Abgaben und Steuern befreit werden. Das ginge natürlich nur mit Steuermitteln. Eine geringe Steuererhöhung für die oberen 25 % und eine deutliche für die oberen 5 %, sowie die Erhöhung von Grundsteuer und Grunderwerbssteuer für nicht selbstgenutztes Wohneigentum schufen die Mittel dafür. Wie hoch der Gesetzgeber das menschenwürdige Existenzminimum tatsächlich einschätzt, erkennt man an der Einkommensgrenze für Prozeßkostenhilfe. Die liegt bei einemallein lebenden Erwachsenen mit Durchschnittsmiete für Einpersonenhaushalte bei etwa 1.200,- €. Das wäre eine grundgesetzkonforme Mindestrente ... Das Finanzsystem krankt daran, daß wir de facto zwei unterschiedliche Währungen haben, die gleich gesetzt sind. Realgeld wird geschaffen durch menschliche Arbeit. Man verändert ein Stück Umwelt, so daß andere bereit sind, dafür Geld auszugeben. Realgeld-Wertschöpfung ist also begrenzt durch die Anzahl der Menschen und deren Arbeitszeit. Giralgeld (Zinsen auf'm Konto oder Spekulationsgewinne) wächst dagegen unendlich. Ein einziger €-Cent zu Christi Geburt mit 3 % verzinst wäre heute das mehrfache Gewicht des Erdballs in Gold wert. Das Mißverhältnis zwischen Realgeld-Wertschöpfung und Giralgeld-Wertschöpfung wird bisher immer wieder durch sogenannte wertberichtigende Krisen verringert. Der erste, der's wissenschaftlich sauber bewiesen hat, war Ernest Mandel. Dafür hat er leider von meinem Ex-Parteifreund Hans-Dietrich Genscher ein Einreiseverbot bekommen ... Die Wurzel des Übels würde erst durch eine deutlich erkennbare Zweitwährung aufgehoben, wo jeder frei wählen könnte, ob er Realgeld oder Giralgeld gibt oder annimmt.
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