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Frankfurter Börse: Chinesische Chefs verschwinden mit Firmenkasse

Finanzviertel in Hongkong: Das Geld sei "nicht mehr im Einflussbereich des Unternehmens" Zur Großansicht
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Finanzviertel in Hongkong: Das Geld sei "nicht mehr im Einflussbereich des Unternehmens"

Der chinesische Schuhhersteller Ultrasonic sorgt für Wirbel an der Frankfurter Börse: Die Chefs sind abgetaucht, die Firmenkasse ist fast leer und der Aktienkurs abgestürzt. Es ist nicht der erste Fall dieser Art.

Frankfurt am Main - Als vor einigen Jahren die ersten chinesischen Unternehmen an die Frankfurter Börse kamen, war die Euphorie noch groß. Mittlerweile dürfte sie sich gelegt haben. Denn schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate sind wichtige Manager solcher Unternehmen verschwunden. Und die Firmenkasse haben sie offenbar gleich mitgenommen.

Chi Kwong Clifford Chan, Finanzvorstand des Schuhherstellers Ultrasonic, teilte am Dienstag mit, die Buchhaltung habe ihn informiert, dass "der ganz überwiegende Teil der liquiden Mittel (in Hongkong und in China) transferiert wurde und sich nicht mehr im Einflussbereich des Unternehmens befindet". Die deutsche Holding verfüge noch über einen sechsstelligen Euro-Betrag. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr noch gut 100 Millionen Euro Barreserven ausgewiesen. Sind die Chefs also mit dem gesamten Geld verschwunden?

Der Kontakt zu Vorstandschef Qingyong Wu und zu dem für das operative Geschäft verantwortlichen Manager Minghong Wu sei seit dem Wochenende abgerissen, ließ der Finanzvorstand mitteilen. Beide seien nicht auffindbar. Am Freitag hatte es geheißen, Minghong Wu müsse ins Krankenhaus und lasse sein Amt für sechs Monate ruhen.

Auch Finanzvorstand Chan selbst steht vor dem Absprung: Er hatte zum Monatsende seine Kündigung mitgeteilt, weil er mehr Zeit bei seiner Familie in Hongkong verbringen wolle. Er sollte durch einen bisher für Amnesty International tätigen Manager ersetzt werden. Ob es dazu noch kommt, ist offen.

Der Kurs der seit 2011 börsennotierten Ultrasonic-Aktie brach bereits am Dienstag um 72 Prozent ein. Am Mittwoch gab er erneut leicht nach.

Die in Frankfurt gelisteten Unternehmen aus China haben in der Regel eine in Deutschland ansässige Holding, die operativen Gesellschaften befinden sich aber in China.

Ähnlich wie bei Ultrasonic war es im Juli auch beim Verpackungshersteller Youbisheng Green Paper gelaufen, dessen Deutschland-Holding ebenfalls in Köln sitzt. Auch dort war der Vorstandschef über Wochen verschollen, dem Finanzvorstand wurde der Zugang zu den Fabriken in China verweigert. Auch der als neuer Vorstandschef eingesetzte Bruder seines Vorgängers hatte wenig später seinen Rücktritt erklärt. Seit August hat bei der Kölner Youbisheng Green Paper AG der Insolvenzverwalter Christoph Niering das Sagen.

Die Deutsche Börse hatte jahrelang um Unternehmen aus China gebuhlt, die in Frankfurt an die Börse gehen wollten. Experten zufolge handelt es sich dabei oft um Firmen, denen die Behörden im eigenen Land einen Börsengang nicht genehmigt hatten und die deshalb nach Deutschland ausweichen. Bei dem Listing steht meist nicht der Emissionserlös im Vordergrund, sondern ein leichterer Zugang zu Bankkrediten in China.

stk/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1. nicht nur in D
sitiwati 17.09.2014
also, da standen , wo ich in Indonesien gewohnt habe, eines Montagsmorgen einige hundert ArbeiterInnen vor verschlossenen Werkstoren, der Chef hatte aich, unter Mitnahme des Geldes, was er sicher schon vorher tarnsferiert hat, davongemacht, er wart nicht mehr gesehen, den ArbeiterInnen bleib nur ein bischen Inventar übrig!
2. Selber Schuld
saiber 17.09.2014
Da ist man selber Schuld wenn keine Background Checks gemacht werden. Unternehmen die IPO gehen durchlaufen oft schwerwiegenden Auflagen und Checks bevor sie an die Boerse gelassen werden. Da war die Euphorie wohl groesser als die Vorsicht und Gründlichkeit.
3.
SchneiderG 17.09.2014
Ich meine mich zu erinnern, daß ALIBABA von der Hongkonger Börse abgelehnt wurde. Das soll der Grund sein warum er nach New York ging. Die Hongkonger kennen ihre Pappenheimer. Die denken sich sicherlich, laß die Ausländer (hier US-Amerikaner) doch ihr Geld bei so einer Firma verbrennen. Weiß eigentlich jemand den Standort den ALIBABA für sein Firmennetz für den Börsengang hat? In China, Hongkong & den USA scheint es nicht zu sein. Wenn jemand was genaues weiß, raus damit.
4. Wird Zeit...
peterbond0815 17.09.2014
dass die Bild und andere Medien mal wieder ein paar Geschichten über Zuwanderer und andere "Nutzer" unseres Sozialsystems bringt. Ansonsten merkt am Ende noch der deutsche Michel, an welchem Ende der Skala wirklich ein Problem besteht.
5. ... und die sieben ...
buerger_nr_x 17.09.2014
@ SchneiderG Die Alibaba Ausgründung, deren Aktien man zeichnen kann, sitzt na wo wohl? Auf den Cayman-Islands. Es geht doch hier nicht wirklich um Alibaba, sondern um die Unternehmen, die sich gewinnbringend davon trennen wollen oder den Wert der eigenen Buchungen in den Büchern vergrößern wollen. Aber seien Sie sicher, das Geld liegt ja zur Zeit auf der Straße ... Manche wissen ja nicht wohin damit. ... siehe auch Kommentare zu dem Artikel hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/alibaba-aktie-wird-noch-teurer-a-991827.html Und Alibaba vermittelt ja nur nur, die händeringend versuchen, irgendwie in China ihren Lebensunterhalt zu verdienen mit denen, die weltweit möglichst günstig einkaufen wollen. Und an der Transaktion verdient das Unternehmen. (Das chinesische Mutterunternehmen. Welchen Anteil davon sich dann der kühn voranschreitende ;-) stolze Alibaba-Aktionär zuschreiben kann, ich weiß es nicht.)
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