Sorge vor Eskalation Handelsstreit schickt Börsen auf Talfahrt

Der drohende Handelskrieg zwischen China und den USA sorgt erneut für Verunsicherung an den Finanzmärkten. Börsen auf beiden Seiten des Atlantik verzeichnen deutliche Verluste. Besonders deutlich fällt der Sojapreis.

Börsenhändler an der Wall Street
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Börsenhändler an der Wall Street


Der chinesisch-amerikanische Handelsstreit hat am Mittwoch für Verluste an den Börsen gesorgt. Zu Handelsbeginn rutschte der Dow Jones Chart zeigen um zwei Prozent auf 23.527 Punkte ab. Am Dienstag hatte er noch um 1,7 Prozent zugelegt. Auch der S&P 500 und der Nasdaq Composite Chart zeigen gingen mit Kursverlusten von 1,5 und 1,8 Prozent auf Talfahrt. China und die USA hatten zuvor gegenseitige Strafzölle in Höhe von 25 Prozent angekündigt, die jeweils einen jährlichen Warenwert in Höhe von 50 Milliarden Dollar betreffen sollen.

Auch der deutsche Aktienmarkt stand unter Druck. Der Leitindex Dax Chart zeigen weitete seine Vortagesverluste aus und büßte bis zum frühen Nachmittag 1,2 Prozent auf 11.858,71 Punkte ein. Der MDax Chart zeigen der mittelgroßen Werte verlor knapp 1 Prozent, für den konjunktursensiblen Technologieindex TecDax Chart zeigen ging es um 2,1 Prozent auf 2415,02 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 Chart zeigen sank um rund ein Prozent.

Die USA nehmen besonders Produkte der chinesischen Hochtechnologie-Industrien ins Visier. China will dagegen neben der Auto-, Chemie- und Flugzeugindustrie auch den ländlichen Raum in den USA treffen, wo US-Präsident Donald Trump besonders beliebt ist. Dies setzte den Markt für einige Agrarprodukte deutlich unter Druck.

Deutliche Verluste bei Agrarprodukten

Besonders stark betroffen war der Handel mit Sojabohnen. Der Preis für ein Scheffel zur Lieferung im Mai fiel am Mittwoch um bis zu fünf Prozent unter zehn US-Dollar. China ist derzeit der größte Abnehmer von US-Soja. Neben Sojabohnen zielt China auch auf andere Agrarprodukte wie Mais, Weizen und Baumwolle ab, deren Preise am Mittwoch ebenfalls deutlich unter Druck gerieten.

Zu den Verlierern zählte auch Boeing Chart zeigen mit einem Abschlag von rund vier Prozent. Der Flugzeugbauer ist der größte US-Exporteur nach China. Die Autohersteller Ford und GM verloren rund drei und zwei Prozent.

Im Fokus standen zudem weiterhin die Technologiewerte. Aktien von Facebook notierten 1,7 Prozent niedriger. Unternehmenschef Mark Zuckerberg wird einem US-Ausschuss des Repräsentantenhauses am 11. April Rede und Antwort im Datenskandal rund um Cambridge Analytica stehen.

Die Aktien von Börsenneuling Spotify verloren mehr als fünf Prozent, verharrten bei rund 140 Dollar aber über dem Referenzwert von 132 Dollar. Der Musikstreamingdienst aus Schweden hatte am Dienstag ein fulminantes Börsendebüt hingelegt.

Trotz der jüngsten Eskalation behauptete Trump am Mittwoch, sein Land sei "nicht in einem Handelskrieg mit China". Diesen Krieg hätten die USA schon "vor vielen Jahren verloren", schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Schuld an der angeblichen Niederlage gab er früheren US-Regierungen - den "dummen oder inkompetenten Leuten, die die Vereinigten Staaten vertreten haben".

dab/dpa/Reuters/AFP

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hardy.stiefel 04.04.2018
1. Es ist erstaunlich
Ein Zitat aus dem Bericht von Trump: "..den "dummen oder inkompetenten Leuten, die die Vereinigten Staaten vertreten haben". Ich fürchte, dass er in Teilen recht hat. Aber anders, als es sich Trump ausmalt. Die waren nämlich ganz einseitig auf Profit aus, um die Kosten für Produktion so nieder als möglich zu halten. Um die Produktion nach China verlagern zu können, mussten sie das dortige Wirtschaftssystem und die Minderheitsbeteiligung akezptieren. Und haben ohne Not diese Verträge unterschrieben. In den USA wie in Europa. Und keiner der Politiker hat sich gegen diese chinesische Politik eingesetzt. Im Gegenteil. So wurde viel Tafelsilber nach China "freiwillig" geliefert. Aber der Weg von Trump ist nicht richtig - und wird zu einem faulen Kompromiss führen, damit alle Seiten "das Gesicht wahren". Aber bis dahin wir Trump schon Geschichte sein und viele US- und europäische Firmen werden an Bedeutung in der Welt verloren haben. Aber ein Krieg, ganz gleich ob mit Waffen oder Dollar, hat immer nur Verlierer produziert.
larsmach 04.04.2018
2. China besitzt Afrika. - Soja? Kein Problem.
Wer in afrikanischen Ländern Firmen besitzt, kennt die Situation schon lange: In den letzten zehn Jahren sind Chinesen in ganz großen Schritten gekommen, haben allerlei hübsche Theater u.a. gebaut, sich vertraglich Rohstoffe und Land für den Nahrungsmittelanbei gesichert. Und - nebenbei bemerkt - hat so mancher europäische oder nordamerikanische Konzern bei Ausschreibungen das Nachsehen, wenn chinesische Kollegen "kreativ" agieren, ohne zuhause juristische Konsequenzen fürchten zu müssen. Für die betroffenen afrikanischen Gesellschaften ist das schlimm - für die Versorgung Chinas mit Rohstoffen (und wenn nötig auch mit Soja u.v.a.) eine feine Sache. Und wenn neue Felder und Lieferanten erst in Produktion gegangen sein werden, kommen einmal aufgrund eines Handelskriegs verlorene Käufer so leicht nicht zurück.
meinemeinung~ 04.04.2018
3. Die Dummen und Inkompetenten
Zitat: "Zitat aus dem Bericht von Trump: "..den "dummen oder inkompetenten Leuten, die die Vereinigten Staaten vertreten haben". Ich fürchte, dass er in Teilen recht hat. " hier hat er nun leider, zumindest teilweise Recht. Nur Leider wird dabei vergessen, dass neben den immer als Verantwortliche benannten Obama und Clinton in den letzten dreißig Jahren doch auch drei Rep's in der Verantwortung waren. Reagan für acht Jahre, Busch senior für vier Jahre und der unsägliche GWB ebenfalls für acht Jahre. Wer da nun den größeren Mist hinterlassen hat, muß nicht lange hinter den Bush's gesucht werden. Somit ist wohl deutlich, dass der noch amtierende Potus wohl eher auf seine eigenen Leute zeigen sollte. Es kann aber auch sein, dass sein Überblick über Zusammenhänge nicht soweit zurückreicht. Auch Menschen ohne Demenz haben nur ein eingeschränktes Erinnerungsvermögen!
boecka 05.04.2018
4.
Wenn man mal die Wall Street betrachtet, ist das Konzept eines Panikartikels nicht so aufgegegangen
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