Börse in Athen Griechische Bankaktien stürzen um bis zu 30 Prozent ab

Dritter Handelstag, dritter Absturz: Die griechischen Bankaktien fallen erneut um bis zu 30 Prozent. Die Regierung braucht dringend Geld, um die Finanzinstitute zu rekapitalisieren - und will sich schnell 25 Milliarden Euro sichern.

Börse in Athen: Leitindex verliert 3,3 Prozent
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Börse in Athen: Leitindex verliert 3,3 Prozent


Die griechische Finanzbranche muss auch am dritten Tag nach Wiederöffnung der Börse starke Verluste hinnehmen. Vor allem die Aktienkurse der vier systemrelevanten Banken des Landes stürzten am Mittwoch wieder ab - teilweise fielen sie auf minus 30 Prozent. Das ist der größtmögliche Tagesverlust.

Die Aktien der Piraeus Bank und der Alpha Bank verloren bis zu 30 Prozent. Die Eurobank nahm etwas weniger Schaden und fiel bis zum Nachmittag auf minus 26,8 Prozent. Lediglich die National Bank (NBG) konnte sich am Vormittag mit minus 1,66 Prozent halten, doch auch sie brach anschließend zusammen und stürzte am Nachmittag um 28 Prozent ab.

Der Leitindex Athex Composite verzeichnete am Nachmittag ein Minus von 3,3 Prozent. Am Montag - dem ersten Handelstag nach gut einem Monat Zwangspause - hatte es an der Athener Börse einen Kurssturz von gut 16 Prozent gegeben. Börsenmakler sprachen angesichts der Zahlen von einem schwarzen Montag. Am Dienstag gab es leichte Verluste.

Wegen der drohenden Staatspleite hatte Griechenland die Börse Ende Juni geschlossen und strenge Vorschriften für den Geldverkehr erlassen. Dennoch stehen die heimischen Banken vor dem Ruin, weil die Kunden aus Angst vor einem Ausscheiden des Landes aus der Eurozone ihre Konten leerräumen. Wegen der weiterhin bestehenden Kapitalverkehrskontrollen können Griechen jedoch auch nur eingeschränkt Aktien kaufen.

25 Milliarden Euro Direktauszahlung

Angesichts der klammen Finanzlage will die Regierung nach einem Schuldendeal mit den Gläubigern offenbar einen raschen Zugriff auf die in Aussicht gestellten Milliardenhilfen. Der Fraktionssprecher der Syriza-Partei, Nikos Filis, brachte eine erste Auszahlungstranche von 25 Milliarden Euro ins Gespräch. Dies wären knapp 30 Prozent der von den Geldgebern für insgesamt drei Jahre avisierten Gesamtsumme - und zugleich auch die Summe, die griechische Banken nach Berechnungen der Geldgeber derzeit benötigen, um ihr Kapital wieder aufzustocken.

Griechenland und die Gläubiger wollen die Rekapitalisierung bis Ende des Jahres abgeschlossen haben. Das sagte der griechische Finanzminister nach einem Treffen mit Vertretern der Geldgeber. "Wir haben die Rekapitalisierung der griechischen Banken diskutiert. Beide Seiten wollen den Prozess so schnell wie möglich abschließen, bis Ende des Jahres", sagte Euklidis Tsakalotos.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras sprachen am Mittwoch von einer baldigen Einigung. "Alle Berichte, die ich erhalte, deuten auf eine Einigung diesen Monat hin, vorzugsweise vor dem 20.", sagte Juncker.

Eine Einigung auf die meisten dieser Themen ist Voraussetzung für ein drittes Hilfspaket in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro. Und die Zeit drängt: Am 20. August muss Griechenland liquide genug sein, um 3,2 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank (EZB) zu zahlen.

Schuldenkrise in Griechenland

brk/dpa/Reuters



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
fritzyoski 05.08.2015
1. Jetzt aber schnell
Jetzt aber schnell 25 Milliraden Euro sichern. Darfs auch ein wenig mehr sein?
thomasconrad 05.08.2015
2. Immer rein
bis endlich alle griechischen Verpflichtungen das Risiko anderer Nationen sind. Alternativlos und natürlich vollkommen richtig !
chrimirk 05.08.2015
3. Es läuft seinen sozialistischen Gang!
Jetzt nur noch zuwarten. Die Sache erledigt sich von selbst.
j.vantast 05.08.2015
4. Ne Menge Kohle
Es wurden doch gerade erst 90 Milliarden an Notkrediten an die griechischen Banken gezahlt damit diese überhaupt Geld am Automaten bereitstellen konnten. Nun also nochmals 25 Milliarden? Macht 115 Milliarden. Bei rund 11 Millionen Einwohnern vom Säugling bis zum Greis. Sooo arm können die Griechen dann ja nicht sein. Denn bei den genannten Summen entfallen somit Auszahlungen von 10.454,- EUR auf jeden Einwohner. Und die reichen Griechen entfallen hierbei, denn die haben ihr Geld ja längst im neuen Steuerparadies Bulgarien.
salkin 05.08.2015
5. Juncker
Wieso mischt sich Juncker immer ein? Die Kreditvergabe ist doch Sache der Eurozone über den ESM und nicht der EU. Herr Juncker sollte in Ruhe sein Schnäpschen trinken und nicht laufend Kommentare abgeben. Die ersten 25 Mrd. sind ohnehin sofort weg. Es fehlen dann noch die Milliarden aus der Zwischenfinanzierung die ja auch abgelöst werden müssen. Fraglich bleibt dann noch was aus den ELA Krediten wird. Sicher wird sich Herr Draghi dankbar erweisen, dass man ihm keine Probleme mit seinen Anleihekäufen der griechischen Staatsanleihen gemacht hat und dann wieder derartige Anleihen als Sicherheit akzeptieren und Griechenland in das QE Programm mit einbinden. Somit sind dann bis zu den Neuwahlen im September locker 100 Mrd. zusätzlich im Feuer und Griechenland kann dann den Grexit machen mit entsprechendem Schuldenschnitt. Clever gemacht Herr Tsipras.
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