Börse in Tokio Nikkei-Index rutscht mehr als sechs Prozent ab

An den japanischen Börsen herrscht Panik: Der Nikkei-Index rutscht um mehr als sechs Prozent ins Minus, weil sich Händler massenhaft von ihren Aktien befreien. Als Beruhigungsmaßnahme pumpt die Notenbank fast 350 Milliarden Euro in den Markt.


Tokio - Das Ausmaß der Katastrophe in Japan erschüttert die Finanzwelt: Der Aktienmarkt in Tokio hat am ersten Handelstag nach dem Erdbeben massive Kursverluste verzeichnet. Der wichtige Nikkei-Index Chart zeigen fiel am Montag um 6,2 Prozent und schloss bei 9620 Punkten. Ein schwerwiegendes Signal: Seit Monaten war der Leitindex nicht mehr unter die 10.000-Punkte-Marke gefallen.

Beim breiter gefassten Topix Chart zeigen lag der Verlust sogar bei 7,5 Prozent. Der Index verzeichnete damit den größten Tagesverlust seit der Lehman-Brothers-Pleite im Oktober 2008. Händler trennten sich panikartig von Papieren. Mit knapp 4,9 Milliarden Papieren wechselten so viele Anteilsscheine ihren Besitzer wie nie zuvor in der Geschichte der Tokioter Börse. Vor allem die Betreiberfirma mehrerer havarierter Atomreaktoren war davon betroffen. Die Aktie des Betreibers Tepco musste sogar vom Handel ausgesetzt werden. "Investoren verkaufen aggressiv, weil sie kein Risiko eingehen wollen", sagte ein Berater. Der Umfang des Ausverkaufs sei noch nicht absehbar.

Außer Aktien von AKW-Betreibern wurden besonders Anteilsscheine von Autobauern, Elektroherstellern und Ölraffinerien verkauft. Viele Konzerne mussten wegen der Zerstörungen die Produktion in wichtigen Fabriken einstellen. So blieben unter anderem alle Toyota-Werke Chart zeigen in Japan am Montag geschlossen. Die Produktion soll nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo bis mindestens Mittwoch ruhen. Die Aktie gab um fast acht Prozent nach. Honda-Papiere Chart zeigen lagen ebenfalls mit knapp acht Prozent im Minus. Sony-Aktien Chart zeigen verloren mehr als neun Prozent. Atsushi Saito, Chef der Börse in Tokio, versprach, der japanische Aktienhandel werde auch nach den katastrophalen Ereignissen in seinem Land weitergeführt.

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Zwei Tage nach dem Beben: Verwüstete Ostküste
Nach dem schweren Beben hatte der Nikkei bereits am vergangenen Freitag verloren. Das Minus fiel allerdings mit 1,7 Prozent gering aus, weil sich die Katastrophe erst kurz vor Börsenschluss ereignet hatte. Zudem war das Ausmaß noch nicht absehbar.

Die japanische Zentralbank kündigte eine drastische Notmaßnahme an, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Die Bank of Japan (BoJ) pumpt weiteres Geld in den Markt und weitet wegen der Erdbebenkatastrophe ihr Programm zum Wertpapierkauf aus. Der Umfang werde auf 40 Billionen Yen (knapp 350 Milliarden Euro) von zuvor 35 Billionen Yen erhöht, teilte die Zentralbank kurz vor Handelsschluss in Tokio mit.

Zuletzt hatte die BoJ die Märkte im Mai mit einer Finanzspritze gestützt. Damals wollte sie nach den durch die griechische Schuldenkrise ausgelösten Spannungen für Beruhigung sorgen.

Mit der weiteren Lockerung der Geldpolitik solle verhindert werden, dass sich die Wirtschaftsstimmung verschlechtere, hieß es am Montag. So hielt die Notenbank an ihrem Wirtschaftsausblick fest. Die Industrieproduktion werde wegen der Erdbebenkatastrophe aber wahrscheinlich bis auf weiteres zurückgehen.

Anders als die Tokioter Börse tendierten die anderen asiatischen Aktienmärkte teilweise im Plus: Der Hang-Seng-Index in Hongkong legte 0,3 Prozent zu, der südkoreanische Kospi gewann 0,8 Prozent. In Taiwan gaben die Kurse 0,6 Prozent nach.

yes/Reuters/dpa

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RaMaDa 14.03.2011
1. Die Angwst geht um
Kurssturz: Wertpapier auf dem Weg zu seinem Papierwert.
Silverhair, 14.03.2011
2. Absehbarers
Die Märkte mit "Geld drucken beruhigen?" Man fragt sich welche Vorstellungen die jap. Notenbank dort noch hat - ob sie wirklich noch auf dem Boden der Realitäten steht? Die Unternehmen in Japan werden mit 100% Sicherheit nicht in den nächsten Wochen anfangen können wieder zu arbeiten - dafür ist schlicht das gesamte "Just in time" System Japanischer Unternehmen zusammengebrochen - es gibt schlicht keine verläßliche Infrastruktur für den Transport mehr, und es werden so oder so schwere Einschränkungen in der Stromversorgung geben! Sollte sich allerdings noch eine zusätzliche - radioaktive Wolke über Japan ausbreiten werden wohl die Chips als auch die Unternehmen von weiteren Aktivitäten abstand nehmen.. Chips mögen keine Radioaktive Strahlung - das macht sie Kaputt - und wer wird noch in der Welt "Kontaminierte Produkte" kaufen - und das wird unvermeidlich sein dann! Aber es ist die übliche Geldgier der Börsianer die hier mal wieder zuschlägt. Anstelle erst ein paar Tage abzuwarten wollen sie wie gehabt weiter "Renditen erzocken" - müssen ja die Börse zum Zocken wie Süchtige unbedingt wieder haben! Der jetzige Ausverkauft zum aktuellen Zeitpunkt war und ist schlicht absehbar - bei solchen Unsicherheiten wird jeder erstmal versuchen seine wertlosen Aktienpakete loszuwerden - egal wie die Entwicklung der Realität über die nächsten Tage sein wird! Die Welt dreht sich immer noch nicht um "Geld" - es gibt immer noch eine Realität dahinter, und die Realität im Auge zu behalten ist wichtig, nicht irgendwelche wertlosen Papierberge zu drucken - den das werden sie letztlich auch sein .. egal wieviele Billionen man drucken wird!
meinmein 14.03.2011
3. Absturz
Wenn ich japanische Aktien hätte, würde ich sie sofort verkaufen. Meinen Toyota auch, denn es wird bald keine Ersatzteile mehr geben. Niemand wird mehr japanische Produkte kaufen. An den europäischen und amerikanischen Einfuhrhäfen werden Geigerzähler stehen.
Klaus.G 14.03.2011
4. Nun
angesichts der Katastrophe ist der Kursturtz noch moderat. Vieles hängt davon ab ob es in dieser Woche gelingt das Problem in den Griff zu kriegen, außerdem ist der Süden wo die meiste Industrie zu finden ist weniger stark betroffen. Es kann sein, dass die Verluste schon in ein paar Wochen wieder ausgeglichen sind und ob die Weltwirtschaft in dem Ausmaße jetzt davon berührt ist wird man sehen müssen.
imsozeitgeisty 14.03.2011
5. Geographie
Zitat von meinmeinWenn ich japanische Aktien hätte, würde ich sie sofort verkaufen. Meinen Toyota auch, denn es wird bald keine Ersatzteile mehr geben. Niemand wird mehr japanische Produkte kaufen. An den europäischen und amerikanischen Einfuhrhäfen werden Geigerzähler stehen.
Hier muss ich Ihnen widersprechen, Fabriken der großen japanischen Unternehmen stehen nicht nur in Japan. Sondern sind viel mehr über den Globus verteilt.
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