Wegen US-Sanktionen Russland-Crash drückt europäische Aktien ins Minus

Neue US-Sanktionen haben einen Kurssturz an der Moskauer Börse ausgelöst, zum Teil ging es 50 Prozent nach unten. Im Abwärtsstrudel werden europäische Konzerne mitgerissen.

Metro-Kunden in Russland (Archiv)
REUTERS

Metro-Kunden in Russland (Archiv)


Die Verschärfung der US-Sanktionen gegen Russland trifft indirekt auch die österreichische Großbank Raiffeisen Bank International (RBI). Die Aktien des Geldhauses, das ein umfassendes Filialnetz in Russland unterhält, brachen am Montag um mehr als zwölf Prozent auf 27 Euro ein.

Sie waren damit größter Verlierer im österreichischen Aktienindex ATX. Raiffeisen Chart zeigen zog den gesamten Markt mit nach unten. Der ATX fiel um 2,7 Prozent auf 3359 Zähler und damit deutlich stärker als die meisten anderen europäischen Indizes. Das Russlandgeschäft ist für die RBI einer der Hauptertragsbringer.

Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Bank in Russland einen Gewinn nach Steuern von 443 Millionen Euro. Der Konzern gehört zu den größten Kreditgebern in Osteuropa.

"Bösartige Aktivitäten Russlands in der Welt"

Das US-Finanzministerium hatte am Freitag gegen sieben Russen und zwölf ihrer Firmen Strafmaßnahmen verhängt. Im Zuge der Sanktionen werden die Vermögenswerte der Milliardäre und 17 weiterer hochrangiger Regierungsvertreter in den USA eingefroren. Washington begründet den Schritt nicht mit konkreten Vergehen, sondern dem allgemein "wachsenden Muster bösartiger Aktivitäten Russlands in der Welt".

Gleichzeitig untersagt die US-Regierung Amerikanern allgemein, Geschäfte mit den betroffenen Russen zu machen. Einem Rechtsexperten zufolge dürften deshalb die meisten westlichen Banken davor zurückscheuen, den betroffenen Firmen bei der Kapitalaufnahme zu helfen.

An der Börse in Zürich geriet der Aktienkurs des Industriekonzerns Sulzer unter Druck, an dem der russische Oligarch Wiktor Wechselberg beteiligt ist (minus 16 Prozent). In Frankfurt verloren die im MDax Chart zeigen gelisteten Aktien des Handelskonzerns Metro 2,2 Prozent. Der Handelskonzern hat schon seit Langem mit einem schwächelnden Russlandgeschäft zu kämpfen.

Zuvor hatten die neuen US-Sanktionen in Moskau einen massiven Kurssturz ausgelöst. Der Moskauer Aktienindex RTS Chart zeigen verlor rund zwölf Prozent. Aktien des Aluminiumkonzerns Rusal verloren sogar 50 Prozent ihres Werts. Rusal ist einer der größten Aluminiumproduzenten der Welt. Der Zeitung "RBK" zufolge rechnet die Firma mehr als 60 Prozent ihrer Geschäfte in Dollar ab. Der Konzern versucht demnach, seine Geschäfte künftig in anderen Währungen abzuwickeln.

beb/Reuters



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53er 09.04.2018
1. Von hinten durch die Brust ins Auge.
Die Politik des Westens schießt ihre eigene Wirtschaft ab, indem sie die russische sanktioniert. Im Fall Skripal ist nichts entschieden und selbst wenn es zutrifft, was die Engländer behaupten, rechtfertigt das keine solchen Reaktionen. Es ist ein Disput zwischen Russland und Grossbritannien, England zieht ganz Europa, das es mit dem Brexit verlassen will, mit in seinen diplomatischen Abgrund.
bartsuisse 09.04.2018
2. Energie Rohstoffe und wenig mehr
Russland wird wirtschaftlich gerne überschätzt, gerade auch in Deutschland. Die russische Wirtschaft ist kleiner als die Italiens
-su- 09.04.2018
3.
Na und? Es werden doch immer harte Sanktionen gefordert und immer geschrieben, dass man solche Verluste hinnehmen muss um die Westlichen Werte zu verteidigen. Habe kein Mitleid mit den europäischen Konzernen, sind selber schuld, wenn die sich das von den Amis bieten lassen.
mghi 09.04.2018
4. Natürlich gibt es Nachteile
Jede Sanktion, jede zusätzliche Belastung im Handel bringt in einer globalisierten Welt auch Kollateralschäden mit sich. Da muss man immer wieder abschätzen, was man in Kauf zu nehmen bereit ist. Es gibt keine einfachen Antworten; dies wollen uns Leute vom Schlage eines Trump immer nur weismachen. Trotzdem kann er hin und wieder (wie in diesem Falle) richtig liegen, bzw. ich teile die Maßnahmen, die er ergreift. Grundsätzlich sollte man aber immer beachten, dass man andere Staaten nicht zu stark in die Ecke drängt, dann kann es auch schon mal gefährlich werden. Zumal Russland immer noch eine große Atommacht ist, auch wenn von Weltmacht schon lange keine Rede mehr sein kann.
juba39 09.04.2018
5. Immer noch nicht durchschaut?
"wachsenden Muster bösartiger Aktivitäten Russlands in der Welt". Das reicht neuerdings schon aus? Bei konkreten Vorwürfen hatte man ja in jüngster Zeit enorme Beweisprobleme. Wer es allerdings immer noch nicht begriffen hat, dem sollte nach Trumps Aktionen vom Samstag gegen des Deutschen liebstes Kind, mehr als zu denken geben, daß Schadenfreude über Russland unangebracht ist. Es geht gegen Russland UND gegen den Zusammenhalt der EU., Nicht begriffen, warum Trump erst in Warschau und danach erst in Brüssel war? Die Frage ist doch mehr, was reitet eine deutsche Regierung, sich in fast babylonische Gefangenheit zu den USA zu begeben? Oder gibt es, nach dem Deal Zölle vs US-Drohnen noch mehr Dinge, die wir nicht wissen dürfen? Eigentlich war der Spiegel schon mal investigativer!
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