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Crash an der Börse: Was Anleger jetzt wissen müssen

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Finanzviertel in Tokio: Auch an der japanischen Börse ging es am Montag abwärts Zur Großansicht
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Finanzviertel in Tokio: Auch an der japanischen Börse ging es am Montag abwärts

Minus 8,5 Prozent an der chinesischen Börse, zeitweise minus 7 Prozent beim Dax: Dieser Montag ist ein Schock für Aktieninvestoren weltweit. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Kurssturz.

Was ist los in China?

Über Jahre hinweg war China der wohl wichtigste Treiber der Weltwirtschaft. Hier verkaufen deutsche Autokonzerne inzwischen die meisten Autos. Selbst als die USA und Europa nach der Finanzkrise 2008 gleichzeitig in die Rezession fielen, blieb China standhaft.

Doch zuletzt schwächelte die chinesische Wirtschaft. Zwar wuchs das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr laut offiziellen Zahlen noch immer um sieben Prozent. Doch war das in der erfolgsverwöhnten Ökonomie der schwächste Wert seit 25 Jahren. Zudem gibt es zunehmend Zweifel, ob die offiziellen Zahlen auch wirklich stimmen. Einige Experten sehen das tatsächliche Wachstum der chinesischen Wirtschaft mittlerweile eher bei drei als bei sieben Prozent.

Chinas Firmen und Privathaushalte sind extrem hoch verschuldet. Der Immobilienmarkt war überhitzt, mittlerweile ist das Angebot höher als die Nachfrage, deshalb fallen die Preise.

Seit Juni ist auch der chinesische Aktienmarkt im Sinkflug. Vor allem private Anleger, die vom vorangegangenen Börsenboom profitieren wollten, machen seither enorme Verluste. Seit Mitte Juni ist der wichtigste Aktienindex Shanghai-Composite um rund 38 Prozent gefallen. Am Montag stürzte er um 8,5 Prozent ab.

Video: Die Angst der Anleger

Was hat Deutschland damit zu tun?

Noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als würde der Aktiencrash in China Deutschland kaum berühren. Doch das scheint nun vorbei. Um mehr als 20 Prozent ist der deutsche Aktienindex Dax Chart zeigen seit dem 11. August gefallen (siehe Grafik). An jenem Tag hatte die chinesische Zentralbank in einem historischen Eingriff die Landeswährung Yuan abgewertet, um die heimische Wirtschaft zu stützen.

"Die Yuan-Abwertung war der Auslöser", sagt Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Research Institutes beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. "Das hat bei vielen Leuten den Verdacht bestärkt, dass die Lage in China schlechter ist, als man lange dachte."

Viele deutsche Konzerne sind stark auf den Export angewiesen und müssen nun mit ansehen, wie einer ihrer wichtigsten Märkte ins Trudeln gerät.

"Das Wachstum der deutschen China-Exporte hat sich schon in den letzten drei, vier Jahren verlangsamt", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Bisher sei es den Unternehmen aber gelungen, dies durch steigende Absätze in den USA und Westeuropa sowie durch den Konsumaufschwung in Deutschland auszugleichen. Dies dürfte in Zukunft schwieriger werden, sagt Krämer. "Auf mittlere Sicht wird sich die deutsche Wirtschaft von der Schwäche in China nicht mehr abkoppeln können."

Hinzu kommt: Nicht nur China schwächelt. Auch andere wichtige Schwellenländer wie Brasilien oder Russland stecken in der Krise. Investoren ziehen massenhaft Geld aus diesen Ländern ab. "Wir kommen global in eine schwächere Wachstumsphase", sagt Ökonom Mayer. Diese Erkenntnis ist zwar nicht unbedingt neu, rückt nun aber wieder in den Fokus der Anleger.

Für die deutschen, exportorientierten Unternehmen heißt die globale Wachstumsschwäche nichts Gutes. Das lässt sich schon jetzt an den Börsenkursen ablesen. Aktien deutscher Industrie-Ikonen wie Siemens Chart zeigen, BASF Chart zeigen, Volkswagen Chart zeigen oder BMW Chart zeigen gehörten in den vergangenen Monaten zu den Verlierern im Dax (siehe Grafik). Der Aufwärtstrend wurde dagegen getragen von Unternehmen wie Fresenius, Fresenius Medical Care, Merck oder Deutsche Börse, deren Geschäfte vergleichsweise wenig export- und konjunkturabhängig sind.

Wo fließt das Geld hin?

Rund 230 Milliarden Euro Börsenwert wurden am Montagmorgen alleine an den europäischen Börsen vernichtet. Doch das Geld ist natürlich nicht weg, sondern nur woanders. Viele Investoren stecken es in Staatsanleihen, die als sogenannte sichere Häfen in Krisenzeiten gelten. Dazu gehören auf jeden Fall deutsche Bundesanleihen, aber auch US Treasury Bills.

Abzulesen ist der Ansturm auf die Staatspapiere an den steigenden Preisen und fallenden Renditen. Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit warfen am Montagmorgen etwa nur noch 0,54 Prozent ab. Ende Juni hatte die Rendite noch bei knapp 0,9 Prozent gelegen.

Viele Experten halten die Reaktion der Anleger für übertrieben. "Seit dem ungeordneten Kollaps von Lehman Brothers im Jahr 2008 die größte Rezession der westlichen Welt ausgelöst hat, sind die Finanzmärkte hypernervös", schreibt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank in einer Analyse. "Wo immer ein kleines Problem auftaucht, glauben die Märkte Lunte zu riechen - einige Investoren neigen dann dazu, erst zu verkaufen und danach Fragen zu stellen."

Ökonom Mayer sieht gerade die Flucht in Staatsanleihen kritisch. "Das ist der Reflex aus der alten Zeit", sagt er. Dabei seien gerade die als sichere Häfen genutzten Anleihen in Zeiten der Niedrigzinsen riskant. "Sobald die Marktzinsen steigen, verlieren die Papiere an Wert", erklärt Mayer.

Was sollen Privatanleger jetzt tun?

Langfristig, da sind sich die meisten Experten einig, geht an Aktien kein Weg vorbei. Und in Zeiten historisch niedriger Zinsen gilt trotz Mini-Crash immer noch das einfachste Argument: Es gibt einfach keine attraktiven Alternativen zu Aktien.

Kurzfristig raten Profis allerdings erst mal zum Abwarten, bis sich die Lage wieder beruhigt hat. "Es wird noch einige Portfolioanpassungen geben", sagt Asoka Wöhrmann, Chefanleger der Deutschen Bank. "Bestimmte Fonds müssen sich jetzt aus Risikoanlageklassen verabschieden, die sich nun seit Jahresbeginn im negativen Territorium befinden." Im Klartext heißt das: Es wird wohl noch ein bisschen nach unten gehen.

Wie lange genau der Abwärtstrend anhält, hängt auch davon ab, wie schwer die Krise der Weltwirtschaft ausfällt. Deutsche-Bank-Mann Wöhrmann gibt sich optimistisch: "Geht man, wie wir, nicht davon aus, dass die Weltwirtschaft vor einer Rezession steht, sollten sich die derzeitigen Stände als gute Einstiegsgelegenheiten herausstellen."

Überteuert scheinen deutsche Aktien jedenfalls nicht. Vergangenen Freitag lag das Verhältnis von Aktienkurs zu Jahresgewinn (das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis) im Durchschnitt der 30 Dax-Unternehmen bei knapp 15, für das bisherige Jahr 2015 etwas höher bei gut 17. Historisch gesehen ist das nicht billig, aber auch nicht übermäßig teuer. In Jahren mit einer Aktienblase wie etwa 2000 lag das KGV deutlich über 20 (siehe Grafik). Im Schnitt der vergangenen 30 Jahre immerhin bei 19.

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1. Welcher
alex300 24.08.2015
China? Dort gibt es keine vernünftige Börse. Bewegt sich so ein vernünftiger Markt? (http://quote.rbc.ru/exchanges/demo/index.0/SSEC/daily) Das ist eher Totalisator. Reine Abzocke. Außerdem, es ist gerade August.
2. Abwarten
Pfaffenwinkel 24.08.2015
und Tee trinken. Langfristig geht der Dax wieder hoch, das hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt.
3. da die wertentwicklung
rst2010 24.08.2015
der aktien schon lange abgekoppelt ist vom realen 'wert' des untermehmens, sondern mehr auf gerüchten und zpcken basiert, finde ich meldungen, dass die aktien um ein paar prozent rauf oder runterschwanken relativ uninteressant. solange nicht alles auf einmal wertlos wird, tut das nicht weh. und selbst wenn, wärs um die innovationsscheuen und faul gewordenen kapitalgesellschaften nicht schade. den alten mist weg, damit was neues entstehen kann und endlich mal wieder was vorwärts geht in deutschland. das trauerspiel um siemens, das sich nur noch selbst demontiert, oder autokonzerne, die lieber technologien in den usa einkaufen, anstatt selber zu entwickeln, kann man eh nicht mehr mitansehen.
4.
muellerthomas 24.08.2015
Zitat von rst2010der aktien schon lange abgekoppelt ist vom realen 'wert' des untermehmens, sondern mehr auf gerüchten und zpcken basiert, finde ich meldungen, dass die aktien um ein paar prozent rauf oder runterschwanken relativ uninteressant. solange nicht alles auf einmal wertlos wird, tut das nicht weh. und selbst wenn, wärs um die innovationsscheuen und faul gewordenen kapitalgesellschaften nicht schade. den alten mist weg, damit was neues entstehen kann und endlich mal wieder was vorwärts geht in deutschland. das trauerspiel um siemens, das sich nur noch selbst demontiert, oder autokonzerne, die lieber technologien in den usa einkaufen, anstatt selber zu entwickeln, kann man eh nicht mehr mitansehen.
Was ist denn Ihres Erachtens der "reale Wert" eines Unternehmens?
5. Möglichkeit
robin-masters 24.08.2015
wer die Möglichkeit hat schnell zu verkaufen und gewinne mitzunehmen, hat es schon getan. Jetzt heißt es abwarten und Tee trinken um dann wieder einzusteigen. Alle anderen sind die Verlierer. Das wären dann Menschen die Vermögenswirksame-Leistungen und Fondsparen etc. haben. Alles wo man nicht schnell rauskommt und das sind meistens die Otto-Normalbürger. Man muss jedoch erwähnen das hier der Verlust durch die lange Laufzeit gedämpft wird.
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