Whistleblower in der Finanzbranche Börseneinbruch soll Manipulation gewesen sein

Ein Insider aus der Finanzbranche behauptet, der Kurssturz an der Wall Street sei ein Raubzug findiger Manipulatoren gewesen. Die betroffene Börse bestreitet das.

New Yorker Börse
AFP

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Ein Insider aus der Finanzbranche führt den Börseneinbruch der vergangenen Woche auf zweifelhafte Machenschaften zurück. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten seien auf Manipulationen eines an den Börsen vielbeachteten "Angstbarometers" zurückzuführen, heißt es in einem Schreiben des US-Anwalts Jason Zuckerman an die Finanzregulierungsbehörde CFTC vom Montag.

Konkret geht es um den sogenannten Volatilitätsindex "Vix", der einerseits das Ausmaß der Kursschwankungen an den US-Börsen beschreibt, und an dem sich andererseits der Wert spekulativer Finanzprodukte orientiert.

Zuckerman vertritt mit seinem Vorwurf nach eigenen Angaben einen Whistleblower, der hochrangige Posten in einigen der größten Investmentfirmen der Welt inne gehabt habe. Zuckerman selbst ist ein Anwalt aus der US-Hauptstadt Washington, der sich auf die Vertretung von Whistleblowern spezialisiert hat.

Was passiert sein soll

Aufgrund eines Konstruktionsfehlers sei es Händlern mithilfe ausgefeilter Algorithmen möglich, den Vix-Index auf- und abzubewegen, ohne tatsächliche Transaktionen abzuschließen, heißt es in dem Brief. Hierfür reichten bloße Scheingebote auf sogenannte Optionsgeschäfte aus, die zu unrealistischen Preisen abgegeben werden, sodass sie keine Interessenten finden.

Durch diese Marktmanipulationen seien Kleinanleger und institutionelle Investoren um Milliardenbeträge geprellt worden, schreibt Zuckerman. Zudem hätten systemische Risiken für die gesamten Finanzmärkte bestanden.

Die Behörden müssten Konsequenzen ziehen, bevor die Manipulationen neben der Finanzstabilität auch die Wirtschaft gefährdeten, fordert Zuckerman. Der Anwalt hatte die Behörden bereits in der Vergangenheit auf die möglichen Manipulationen hingewiesen.

Chicagoer Börse weist Vorwürfe zurück

Die Chicagoer Börse CBOE, die den Vix-Index berechnet, wies die Vorwürfe zurück. Zuckermans Brief sei voller ungenauer Aussagen, Missverständnisse sowie sachlicher Fehler und somit unglaubhaft, hieß es in einer Stellungnahme.

Vergangene Woche waren die Kurse am US-Aktienmarkt rasant in die Tiefe gerauscht und hatten auch andere Börsen - etwa in Frankfurt - mit sich gezogen. Häufig genannte Gründe für den Absturz sind vorherige Übertreibungen im Zuge einer monatelangen Rekordjagd sowie die Erwartung steigender Inflation - und damit steigender Zinsen.

Viele Experten verweisen aber auch darauf, dass Spekulanten mithilfe sogenannter "Exchange Traded Products" (ETPs) auf die Entwicklung des Vix-Index' gewettet und dadurch den starken Kursrutsch verursacht hätten - ein Vorwurf, der neue Schärfe bekäme, sollte der Vix-Index obendrein manipuliert worden sein.

ssu/dpa-AFX



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