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Börsen-Ausblick "Es gibt 2010 keine Alternative zu Aktien"

2. Teil: "Das Problem ist, dass man Haus und Hof verlieren kann"

Frage: Wo wird der Dax in einem Jahr stehen?

Kaldemorgen: Bei 6480 Punkten.

Frage: Ah ja. Woher wissen Sie das so genau?

Kaldemorgen: Wir sind die 30 Unternehmen im Index durchgegangen. Es gibt Verlierer, etwa die Automobilindustrie, und Gewinner. Zu denen gehören beispielsweise die Versorger. Dann gibt es Titel, die wie Infineon wegen ihres geringen Einflusses auf den Dax nicht ins Gewicht fallen. Summiert man unsere Erwartungen, steht am Ende die genannte Zahl.

Frage: In der Finanzkrise hat sich der DWS Vermögensbildungsfonds I deutlich besser gehalten als der Markt. Trotzdem wandert immer mehr Geld in Indexfonds ab (sogenannte ETFs, d. Red.). Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

Kaldemorgen: Nein, definitiv nicht. Natürlich sind ETFs eine Konkurrenz für das aktive Fondsgeschäft, weil sie sehr günstig sind und in einigen Märkten sogar bessere Ergebnisse erwirtschaften als aktiv gemanagte Fonds. Ihre Schwäche bleibt aber die Passivität.

Frage: Trotzdem werden sie auch bei privaten Anlegern immer beliebter.

Kaldemorgen: 2009 haben wir für den DWS Vermögensbildungsfonds I über 400 Millionen Euro eingesammelt. Viele Anleger, die sich wieder am Aktienmarkt engagieren wollen, bevorzugen Flaggschiff-Fonds. Sie sind noch verunsichert und nehmen uns in die Pflicht. Daher ist eine der Lehren aus 2008, künftig nach oben mitzulaufen und nach unten die Verluste zu begrenzen. Noch einmal zweistellig ins Minus zu rutschen, das werden die Anleger mir kaum verzeihen.

Frage: Wie wollen Sie das verhindern, wenn die Börsen um 20 Prozent oder mehr abstürzen?

Kaldemorgen: Das ist schwierig, aber mit Terminkontrakten möglich. Über die relative Performance können wir uns nicht mehr definieren. Die absolute Performance muss stimmen.


Frage: Gilt das für alle Fonds oder nur für die Flaggschiffe?

Kaldemorgen: Bei einigen Fonds, etwa reinen Rohstofffonds, haben Anleger ein anderes Risikobudget einkalkuliert. Da gehören starke Schwankungen dazu. Aber bei den großen Fonds erwarten meine Kunden, dass ich an allen verfügbaren Rädchen drehe, bevor es böse endet.

Frage: Hat ein Edouard Carmignac ein paar Rädchen mehr als Sie? Der französische Fondsmanager war zuletzt sehr erfolgreich...

Kaldemorgen: Nein.

Frage: Haben Sie sich mal gefragt, was er besser macht?

Kaldemorgen: Natürlich. Carmignac hat in den vergangenen Jahren die Themen sehr gut getroffen. 2009 hat er sich allerdings sehr stark zu einem Markttimer entwickelt. Das bringt Risiken mit sich.

Frage: Trotzdem sind die Fonds von Carmignac bei vielen Beratern derzeit das Maß aller Dinge.

Kaldemorgen: Das war vor zehn Jahren beim Templeton Growth und später beim Fidelity European Growth genauso. Die haben wir alle ausgesessen. Jetzt ist es eben Edouard Carmignac. Ich finde die Konkurrenz spannend.

Frage: Werden Fonds und Portfolios künftig deutlich komplexer?

Kaldemorgen: Ja, allein durch die Absicherungsmechanismen. Anfang der neunziger Jahre wurde das Risiko lediglich am Investitionsgrad gemessen. Das ergibt heute keinen Sinn mehr. Eine Cashquote sagt nichts aus.

Frage: Wie beurteilen Sie Absolute-Return-Fonds - also Fonds, die unabhängig von der Marktlage ein absolutes Renditeziel anstreben?

Kaldemorgen: Für diese Produkte sehe ich eine große Zukunft.

Frage: Aber bei der DWS spielen sie bislang praktisch keine Rolle.

Kaldemorgen: Wir arbeiten dran. Es muss unser Ehrgeiz sein, uns in diesem Bereich besser aufzustellen. Leider gibt es den Total-Return Manager nicht. Es gibt gute Manager für Aktien und für Renten. Manager, die über alle Klassen gut entscheiden, sind sehr selten.

Frage: Sind deswegen auch die 130/30-Fonds gescheitert? (Bei diesen Fonds werden 100 Prozent des Anlagekapitals in Aktien investiert, für weitere 30 Prozent wird Fremdkapital aufgenommen, also Kredite. Dieses Geld wird in Optionen, Terminkontrakte oder ähnliche Finanzkonstrukte investiert, um einen Hebeleffekt zu erzielen, d. Red.)

Kaldemorgen: Die Fonds sollten eine Brücke zum Hedge-Fonds-Markt schlagen. Angekommen sind sie nicht ...

Frage: ... weil Shortselling, der Leerverkauf von Aktien, etwas ganz anderes ist als das, was traditionelle Fondsmanager den ganzen Tag über machen.

Kaldemorgen: Ja, richtig. Short zu gehen erfordert ein ganz anderes Risikomanagement und einen anderen Weitblick. Das Problem ist, dass man Haus und Hof verlieren, aber höchstens den Wert einer Aktie gewinnen kann.

Frage: Was sind die wichtigsten Ziele der DWS und der Branche?

Kaldemorgen: Wir haben unsere Fondspalette überarbeitet und viele Produkte vom Markt genommen. Auch Fonds können sich überleben. Wir brauchen ein neues Kostenbewusstsein und gleichzeitig eine fokussierte Fondspalette. Der Bauchladen darf nicht zu voll sein.

Frage: Was wird vor diesem Hintergrund aus Ihrer Zertifikate-Plattform DWS Go?

Kaldemorgen: DWS Go gehört nicht mehr zum Kerngeschäft der DWS. Daher haben wir Zertifikate mit einem geringen Volumen vom Markt genommen.

Frage: Wird sich die gesamte Branche gesundschrumpfen?

Kaldemorgen: Der Trend hin zu kleinen, hoch spezialisierten Boutiquen und den großen Playern wird bestehen bleiben. Fraglich ist, was einige Banken mit ihren Fondsgesellschaften anfangen werden, die keine kritische Größe erreicht haben.

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insgesamt 16 Beiträge
Hubert Rudnick 29.12.2009
--------------------------------------------------------- Wer sollte denn nach dieser Finanzkrise auch auf etwas neues, oder eine andere Richtung in Fragen der Finaz und Wirtschaftspolitik gerechnet haben, doch sicherlich nur [...]
Zitat von sysopBildet sich an den Börsen eine neue Blase? Welche Länder werden 2010 boomen, droht uns eine Mega-Inflation? Fondsmanager Klaus Kaldemorgen spricht im Interview über die Chancen nach der Finanzkrise, wieso Gold Rekordpreise erzielen könnte - und was er jetzt rät. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,667757,00.html
--------------------------------------------------------- Wer sollte denn nach dieser Finanzkrise auch auf etwas neues, oder eine andere Richtung in Fragen der Finaz und Wirtschaftspolitik gerechnet haben, doch sicherlich nur ein paar Träumer. Der Kapitalismus bleibt wie er immer war, einige werden sehr gute Geschäfte und das auf Kosten der Mehrheit der Menschen machen. Es wird sich nichts grundlegendes verändern, aber das wollte ja auch keiner derjenigen der in der Finaz und Wirtschaft das Sagen hat und die Politik ist doch nur der Handlanger dieser Leute. HR
mccash 29.12.2009
Zugegeben, was sollte ein Fondmanager auch sonst empfehlen. Ich frage auch immer meinen Metzger, um mich über vegetarische Gemüsegratins zu erkundigen.
Zugegeben, was sollte ein Fondmanager auch sonst empfehlen. Ich frage auch immer meinen Metzger, um mich über vegetarische Gemüsegratins zu erkundigen.
ich schon wieder 29.12.2009
... das SPON mit genau solchen Artikeln wieder einmal die Gier im kleinen Manne schürt. Gold kaufen, Aktien kaufen... bloß was abbekommen von dem großen Boom. Und wenn's nicht klappt: "nein ihr Geld ist nicht weg... es ist [...]
... das SPON mit genau solchen Artikeln wieder einmal die Gier im kleinen Manne schürt. Gold kaufen, Aktien kaufen... bloß was abbekommen von dem großen Boom. Und wenn's nicht klappt: "nein ihr Geld ist nicht weg... es ist bloß woanders" Hat natürlich am Ende den Vorteil, dass man sagen kann: alle sind schuld wenn se' platzt die nächste Blase. Statt die Wirtschaft und die Finanzmärkte auf eine solide Basis zu stellen, sie angemessen zu regulieren, damit hier endlich den Spekulanten und Nichtsverkäufern ein Riegel vorgeschoben wird, baut man schon wieder Luftschlösser voller Illusionen für den Deppen. Ist ja auch schlimm, Steuerkohle zur Rettung ist ja genug da und 'ne zum Handeln unfähige Regierung auch. ;-)
rplay 29.12.2009
entscheidende Frage wurde in dem Interview gar nicht gestellt, wenn Herr K. so gut ist, warum muß er immer noch arbeiten? Warum sitzt er nicht schon lange auf einer Südsee Insel und geniesst die Früchte seiner Arbeit ... wie es [...]
Zitat von sysopBildet sich an den Börsen eine neue Blase? Welche Länder werden 2010 boomen, droht uns eine Mega-Inflation? Fondsmanager Klaus Kaldemorgen spricht im Interview über die Chancen nach der Finanzkrise, wieso Gold Rekordpreise erzielen könnte - und was er jetzt rät. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,667757,00.html
entscheidende Frage wurde in dem Interview gar nicht gestellt, wenn Herr K. so gut ist, warum muß er immer noch arbeiten? Warum sitzt er nicht schon lange auf einer Südsee Insel und geniesst die Früchte seiner Arbeit ... wie es aussieht macht er sie schon seit über 10 Jahren .... da sollte eigentlich genügend Rendite aufgelaufen sein .... oder macht er das ganze nur aufgrund seiner Nächstenliebe? warum sollte ich ihm mein Geld anvertrauen, mit 1,5% Rendite auf 10 Jahre sollte er sich was schämen und gar kein Interview gegeben bzw. Prognosen für die nächsten Jahre abgeben ... was die in der Vergangenheit getaugt haben sieht man an der Rendite ... 1,5% da wäre Festgeld aber deutlich besser gewesen und dabei muß man nix denken ....
hatem1 29.12.2009
Klaus Kaldemorgen ist, wenn man die Performance der DWS-Fonds betrachtet (insbes. den Vermögensbildung 1) ein Underperformer. Anders gesagt: Ein Verlierer. Warum er hier noch nahezu wie ein Guru behandelt wird, ist mir ein [...]
Klaus Kaldemorgen ist, wenn man die Performance der DWS-Fonds betrachtet (insbes. den Vermögensbildung 1) ein Underperformer. Anders gesagt: Ein Verlierer. Warum er hier noch nahezu wie ein Guru behandelt wird, ist mir ein Rätsel. Und wer ernsthaft glaubt, er könnte den DAX vorhersagen (Kaldemorgen: 6480 Punkte) - kann man den noch ernst nehmen?
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Zur Person
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Klaus Kaldemorgen gehört zur Geschäftsführung der DWS, seit 2006 leitet er sie als Sprecher. Die DWS ist die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Kaldemorgen ist seit 1982 bei dem Unternehmen. Seit 1994 ist er für den DWS-Vermögensbildungsfonds I verantwortlich, den mit einem Volumen von 4,8 Milliarden Euro größten Aktienfonds der Gesellschaft. Ebenfalls managt er den Traditionsfonds Akkumulata (aufgelegt 1961) sowie vier weitere Aktienfonds. Kaldemorgen studierte Volkswirtschaftslehre an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

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Heft 1/2010

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