Börsen-Turbulenzen Crashtest für den Westen

Binnen einer Woche sind an den Aktienmärkten Werte in Billionen-Höhe vernichtet worden. Droht nun ein Crash der Realwirtschaft, ein neuer Abschwung? Tatsächlich sind Banken und Staatsfinanzen im Westen denkbar schlecht vorbereitet - vielen Ländern droht ein Rückfall in die Rezession.

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Börsenhändler in New York: "Wachstum in den meisten Ländern wird sich verlangsamen"
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Börsenhändler in New York: "Wachstum in den meisten Ländern wird sich verlangsamen"


Hamburg - Es ist ein Crash auf Raten. Innerhalb von acht Tagen hat der Dax Chart zeigengut 15 Prozent an Wert verloren, der US-Index Dow Jones Chart zeigen rund zehn Prozent. Ist der Absturz nur eine irrationale Übertreibung? Oder kündigt er den Kollaps der Weltkonjunktur an?

Dass ein Einbruch am Aktienmarkt immer auch eine Konjunkturkrise nach sich zieht, ist kein Naturgesetz. "Die Aktienmärkte haben auch schon einige Krisen vorausgesagt, die gar nicht eingetreten sind", sagt Matthias Jörss, Leiter der Aktienstrategie bei der australischen Bank Macquarie. Zum Beispiel im Oktober 1987: Am "Schwarzen Montag" brach der amerikanische Dow-Jones-Index an einem Tag um mehr als 20 Prozent ein - und riss den Rest der Welt mit sich. Was folgte, war allerdings kein Ab-, sondern ein Aufschwung. Und auch die Börsenkurse erholten sich bald wieder.

Ein solcher Fehlalarm ist allerdings die Ausnahme. "Allgemein sind die Aktienmärkte schon ein guter Frühindikator", sagt Jörss. So folgte in Deutschland auf den Kursabsturz des Dax im Jahr 2000 ebenso eine Wirtschaftskrise wie auf den Crash 2008 (siehe Grafik). Und auch dieses Mal werden die Märkte nach Meinung von Jörss Recht behalten. "Wir haben derzeit eine Krise des Bankensystems und der Staatsfinanzen. Das wird deutliche konjunkturelle Konsequenzen haben."

Dax-Entwicklung seit 1988: Die Märkte sind der Wirtschaft immer ein Stück voraus.
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Dax-Entwicklung seit 1988: Die Märkte sind der Wirtschaft immer ein Stück voraus.

Ähnlich sieht es Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, den sogenannten Wirtschaftsweisen. "Ich würde den Crash als globalen Weckruf bezeichnen", sagt er. "Die Weltwirtschaft steht am Wendepunkt. In den kommenden Monaten wird sich das Wachstum in den meisten Ländern der Welt verlangsamen."

In der Tat stehen die Zeichen in den meisten Regionen der Welt derzeit eher auf Abkühlung:

  • In den USA ist die Wirtschaft im ersten Halbjahr nur noch schwach gewachsen. Das 2,4-Billionen-Dollar-Sparprogramm dürfte das Wachstum weiter abwürgen. Manche Ökonomen warnen schon vor dem "Double Dip", dem erneuten Rückfall in die Rezession.
  • In Südeuropa wütet die Schuldenkrise, die Regierungen haben gewaltige Sparprogramme aufgelegt - und damit die Wirtschaft weiter gelähmt. Griechenland und Portugal stecken noch immer in der Rezession.
  • Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, leidet unter den Folgen der Naturkatastrophe vom März. Die Wirtschaft steht still, und die Staatsverschuldung liegt so hoch wie nirgendwo sonst in der Welt.
  • Die Volkswirtschaften der Schwellenländer, die die globale Konjunktur bislang angetrieben haben, bekommen selbst Probleme. China versucht, das Wirtschaftswachstum abzukühlen, um die Inflation zu bekämpfen. Und Länder wie Brasilien leiden unter der massiven Aufwertung ihrer Währung, weil die Anleger aus den USA und der Euro-Zone fliehen. Das macht ihre Exportgüter global weniger wettbewerbsfähig.

Ganz neu ist allerdings keine dieser Entwicklungen. Deshalb bleibt die Frage, warum die Märkte erst jetzt darauf reagieren. "Die Aktienmärkte haben die Schuldenkrise lange ignoriert, ebenso wie die Anzeichen, die auf eine schwächere Konjunktur hindeuteten", sagt Aktienexperte Jörss. "Nun reagieren sie umso heftiger." Auch der Wirtschaftsweise Bofinger wundert sich über den späten Absturz an den Börsen: "Die Märkte haben geschlafen - und sind jetzt aufgewacht."

Bofinger sieht die aktuelle Entwicklung an den Aktienmärkten als Vorboten einer neuen Etappe der Finanzkrise. "Wir kommen in eine neue Phase der Krise", sagt Bofinger - es wäre die dritte seit 2008.

  • Die erste Phase endete demnach mit dem Crash am Immobilenmarkt und dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers. Seinerzeit ging ein Boom zu Ende, der vor allem mit privaten Schulden finanziert worden war.
  • Danach begann eine Phase, in der sich Staaten weltweit extensiv verschuldeten, um die Wirtschaft anzuheizen. Nun ebbt diese künstliche Nachfrage ab. Obendrein läuft die Staatsverschuldung in vielen Ländern so stark aus dem Ruder, dass die Regierungen massiv sparen müssen - was die Wirtschaft zusätzlich abwürgt.
  • In der nächsten Phase müsste laut Bofinger nun eigentlich wieder der private Sektor die Nachfrage anheizen, um die Krise zu bekämpfen. Doch genau dieser Schub fehlt. "Viele Märkte haben sich noch nicht von den Schocks der vergangenen Jahre erholt", sagt der Ökonom. "Das Wachstum lahmt, die Arbeitslosigkeit in Europa und Amerika ist enorm hoch, ebenso die private Verschuldung. Niemand weiß, wo auf absehbare Zeit das Wachstum herkommen soll."

Die Zeichen stehen also nicht gut für die Weltwirtschaft. Vor allem die westlichen Industrienationen stehen vor einer riesigen Herausforderung: Sie müssen ihre Banken und Staatshaushalte stabilisieren, ohne die Konjunktur völlig abzuwürgen. Deshalb sind sie darauf angewiesen, dass wenigstens die Schwellenländer ihnen weiter ihre Waren abkaufen.

Der Absturz an den Börsen könnte die Abwärtsentwicklung der Konjunktur sogar noch beschleunigen. Denn je düsterer die Stimmung wird, desto schneller verschlechtert sich auch die Lage.

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Seite 1
siar 05.08.2011
1. .
Nichts ist so alt, wie eine Meldung von vor 1 Stunde. Der Dax ist doch schon wieder im Sturzflug. Langsma wird es wirklich absurd.
roofstomper 05.08.2011
2. es ist natürlich kein Wert vernichtet worden
Zitat von sysopDer Kursrutsch an den Börsen scheint erst einmal gebremst, aber er hat schon Aktienwerte in Billionen-Höhe vernichtet. Droht nun ein*Crash der Realwirtschaft, ein neuer Abschwung? Tatsächlich sind Banken und Staatsfinanzen im Westen denkbar schlecht auf neue Krisen vorbereitet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778610,00.html
Es gibt keine Börse auf dieser Welt, an der Werte geschaffen oder Werte vernichtet werden. Es werden einfach Preise festgestellt. Der Unterschied zwischen einem Preis und einem Wert, jeder Schnäppchenjäger kennt den Unterschied.
kimba2010 05.08.2011
3. ...
Solange nicht an den Grundproblemen wie massiver Staatsverschuldung oder Fehlkonstruktion der Eurozone gearbeitet wird, wird sich nichts verbessern. Es wird höchstens künstlich erzeugte Zwischenhochs geben, wie 2010. Das bittere Ende verschiebt man aber so nur. Nein, man macht es sogar nur schlimmer.
enni3 05.08.2011
4. veraltet
Zitat von sysopDer Kursrutsch an den Börsen scheint erst einmal gebremst, aber er hat schon Aktienwerte in Billionen-Höhe vernichtet. Droht nun ein*Crash der Realwirtschaft, ein neuer Abschwung? Tatsächlich sind Banken und Staatsfinanzen im Westen denkbar schlecht auf neue Krisen vorbereitet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778610,00.html
Und während die Redakteure von Spon das kurze Strohfeuer der US-Arbeitsmarktzahlen feiern, straft sie die Realität Lügen. Da war tatsächlich ein Tagesplus, für Minuten, bevor in 30Min wieder 100 Mrd. vernichtet wurden. Bitte als nächste Schlagzeile nehmen. Welche Gewinnaussichten sollen die Börse denn bitte befeuern, wenn 30-50% der Konsumenten auf dem Altar des Wachstums geoffert werden, um die Blase bitte nur nicht platzen zu lassen.
quendalinda, 05.08.2011
5. .
Zitat von roofstomperEs gibt keine Börse auf dieser Welt, an der Werte geschaffen oder Werte vernichtet werden. Es werden einfach Preise festgestellt. Der Unterschied zwischen einem Preis und einem Wert, jeder Schnäppchenjäger kennt den Unterschied.
Danke, Sie sprechen mir aus der Seele! Obwohl ich nicht glaube, dass die Chaos-Schreiber von SPON den Unterschied kennen wollen. Schade, SPON ähnelt immer mehr BLÖD :-(((
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