Börsenboom: Dax und Euro ignorieren Griechenland-Sorgen

Die Euro-Finanzminister schachern hart um die nächsten Griechenland-Milliarden, die Finanzmärkte sind dennoch zuversichtlich. Sie rechnen mit einer Einigung. Der deutsche Leitindex Dax klettert auf ein Halbjahreshoch, auch der Euro gewinnt deutlich an Wert.

Dax-Tafel am 20. Februar 2012: Börsen rechnen fest mit Griechenland-Kredit Zur Großansicht
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Dax-Tafel am 20. Februar 2012: Börsen rechnen fest mit Griechenland-Kredit

Frankfurt am Main - Es scheint, als wüssten die Investoren mehr als die Politiker: Die Bundesregierung will noch offene Fragen klären, bevor die Euro-Finanzminister die 130-Milliarden-Euro-Finanzhilfe an Griechenland freigeben, sogar von einem Scheitern war bereits die Rede. An den Börsen aber wird fest mit der Zusage gerechnet, der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen übersprang schon am Morgen die Marken von 6900 Punkten und stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr. Auch der Euro Chart zeigen legte deutlich zu und kletterte in Richtung 1,33 Dollar.

Für die andauernde Börsenrally haben die Händler zwei Erklärungen: Die Investoren gehen davon aus, dass die Euro-Staaten Griechenland weiter unterstützen werden. Ein Austritt des Landes aus der Euro-Zone würde dem Ansehen der Gemeinschaftswährung einfach zu sehr schaden, sagen Analysten.

Längerfristig erhöhe ein solcher Schritt die Risiken für andere ebenfalls hoch verschuldete Euro-Länder: "Der Euro würde einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion überleben; aber so ein Austritt ist nur schwer vorstellbar und würde zudem die Risiken verschärfen", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.

In diesem Fall würden sich die Anleger schnell in den Dollar zurückziehen, besonders kritisch dürfte es dann für Portugal, Irland, Italien und Spanien werden: "Die Ansteckungsgefahr dürfte enorm zunehmen", warnt Eugen Keller, Analyst bei der Metzler Bank in Frankfurt. Dies würde sich an den Kapitalmärkten in einem fallenden Euro-Kurs und steigenden Renditen der Staatsanleihen der hoch verschuldeten Länder widerspiegeln.

Chinas lockere Geldpolitik treibt die Aktienmärkte

Die Aktienmärkte profitierten zudem von einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in China: Die Notenbank des Landes hatte am Wochenende die Mindestreserve-Anforderungen für die Geschäftsbanken des Landes gesenkt. Weil die Institute nun weniger Geld als Sicherheiten bei der Notenbank hinterlegen müssen, haben sie rund 50 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung, die sie als Kredite vergeben können. Anleger hoffen, dass dadurch die Konjunktur sowohl in China als auch weltweit angekurbelt wird.

Zu den Favoriten im Dax zählten Aktien von Banken, die von den Hoffnungen auf eine Lösung für Griechenland am stärksten profitierten. Die Aktien der Deutschen Bank Chart zeigenstiegen um mehr als 2,2 Prozent auf gut 34,60 Euro - die der Commerzbank Chart zeigen gewannen sogar fast drei Prozent hinzu auf 2,13 Euro.

Ein weiteres Indiz für die Sicherheit, mit der Investoren auf eine Zusage der Finanzhilfen für Griechenland wetten, sind die Kurse der Staatsanleihen: Am Rentenmarkt wurden die als sicher geltenden Bundesanleihen verkauft und verloren an Wert.

Die zuletzt eher verschmähten Staatsanleihen klammer Euroländer dagegen waren gefragt, was deren Renditen drückte. Italienische Bonds mit zehnjähriger Laufzeit rentierten mit 5,47 Prozent, vergleichbare spanische Anleihen warfen sogar nur noch 5,18 Prozent ab.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 4 Beiträge
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1. .
recardo 20.02.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Euro-Finanzminister schachern hart um die nächsten Griechenland-Milliarden, die Finanzmärkte sind dennoch zuversichtlich. Sie rechnen mit einer Einigung. Der deutsche Leitindex Dax klettert auf ein Halbjahreshoch, auch der Euro gewinnt deutlich an Wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,816509,00.html
Ich schreibe es, so oft ich es noch kann: Vielen Dank SPD/GRÜNE/EU/EZB dafür, dass Griechenland im Euroraum ist und wir dadurch so ein unnötiges Problem haben. Vielen Dank für euer Versagen, dass hätte doch nun wirklich nicht Not getan, wir haben sonst ja keine Probleme. Ein so durch und durch korruptes Land.............!
2. Kein Austritt Griechenlands aus der EURO-Zone, aber ...
kaksi 20.02.2012
Zitat von recardoIch schreibe es, so oft ich es noch kann: Vielen Dank SPD/GRÜNE/EU/EZB dafür, dass Griechenland im Euroraum ist und wir dadurch so ein unnötiges Problem haben. Vielen Dank für euer Versagen, dass hätte doch nun wirklich nicht Not getan, wir haben sonst ja keine Probleme. Ein so durch und durch korruptes Land.............!
Obiger Beitrag spricht mir aus der gequälten und erzürnten Seele. Ich verweise ergänzend auf: Margareta Pagano: Is there a Plan B to give Greece a soft landing? - Margareta Pagano - Business Comment - The Independent (http://www.independent.co.uk/news/business/comment/margareta-pagano/margareta-pagano-is-there-a-plan-b-to-give-greece-a-soft-landing-7166393.html) Dort wird auf die Möglichkeit verwiesen, dass ein "Plan B" für Griechenland existiert. Nach diesem verbleibt Griechenland - jedenfalls pro Forma - in der EURO-Zone, hat oder prägt aber einen eigenen EURO, den es abwerten kann usw. Fachleute (ich bin keiner) mögen entscheiden, ob es sich um einen Rosstäuschertrick handeln wird. In dem gelinkten Artikel wird aber die vergleichsweise ruhige Reaktion der Märkte auf die derzeitige Entwicklung in Griechenland auf die Existenz eines solchen oder ähnlichen "Plans B" zurückgeführt. All diese Mühen und Phantaisen und vor allem Kosten hätten vermieden werden können, auch von UNSERN Politikern.
3. Einigung...
glücklicher südtiroler 20.02.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Euro-Finanzminister schachern hart um die nächsten Griechenland-Milliarden, die Finanzmärkte sind dennoch zuversichtlich. Sie rechnen mit einer Einigung. Der deutsche Leitindex Dax klettert auf ein Halbjahreshoch, auch der Euro gewinnt deutlich an Wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,816509,00.html
Natürlich rechnen die Märkte mit einer Einigung; die auch trotz langem Eiertanz kommen wird. Nachdem die Wall Street recht gut abgeschlossen hat war es klar daß es zu einer Einigung kommen wird. Vielleicht hat man in NY "tiefere Einblicke" und befindet sich ganz nahe an den Orten der Entscheidungsfindung. Und nebenbei; in wenigen Tagen wird die EZB einen weiteren Dreijahrestender unter das Bankenvolk bringen. Diese werden sich wiederum dazu entscheiden das Geld in Bonds zu stecken. Die Effekte merkt man wie immer an sinkenden Zinsen für Staatsanleihen der Problemländer. Sieht derzeit gut aus... Spread in area 350. La Bce azzera acquisti di titoli di Stato - Il Sole 24 ORE (http://www.ilsole24ore.com/art/finanza-e-mercati/2012-02-20/spread-sotto-italia-riavvicina-134229.shtml?uuid=Aaox6iuE) Der Druck auf die Eurozone ist gewaltig. Alle Interessierten haben kein Interesse an einem manifesten default in der Eurozone. Noch weniger an einer Ansteckung. Deswegen wird das Geld fließen, das niemals bei den Hellenen ankommen wird sondern allein zur Bankenrettung dient. Es ist eine unvorstellbar riesige Summe, 130 Mia. €... Angesichts der massiven und irrationalen Sparmaßnahmen ist das Land am Ende. Es gibt keinen Weg aus der Krise durch Sparen. Siehe auch diese sehr interessanten Aussagen von Dirk Müller... Dirk Müller Ausschnitt - bei Anne Will - Griechenland brennt ... 15.02.2012 ! die Bananenrepublik - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=JEYnAbhY1XM) Und nochmals... Es gibt keine Rückzahlung... Das Geld ist weg. Das endlich einmal zuzugeben ohne es durch immer neue Kredite verdecken zu wollen, das will sich die Politik einfach nicht eingestehen. Der harte Schnitt wäre für das Land besser als Kredite gegen Sparpakete. Angesichts der desaströsen Wirtschaftsentwicklung wird sich der default im Herbst neu stellen. Britische Ökonomen haben bereits 2010 den Griechen zum Ausstieg geraten. Der Schuldenschnitt wird noch viele Fans bekommen. Nicht nur in Hellas, demnächst auch in Portugal... Es ist die Verschleppung der Lösung... ;( Schian Gruaß...
4. Unsinn.
kantundco 21.02.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Euro-Finanzminister schachern hart um die nächsten Griechenland-Milliarden, die Finanzmärkte sind dennoch zuversichtlich. Sie rechnen mit einer Einigung. Der deutsche Leitindex Dax klettert auf ein Halbjahreshoch, auch der Euro gewinnt deutlich an Wert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,816509,00.html
Hier wird nichts ignoriert. Nur was soll die Schafsherde der Investoren machen? Es ist einfach zu viel Geld im Markt. Was wir sehen sind Inflationseffekte. In absoluten Zahlen folgt daraus ein Anstieg des DAX. Relativ im Verhältnis zu echten Werten tritt der DAX auf der Stelle. Kann man ganz einfach z.B. an der Tankstelle feststellen.
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