Frankfurt am Main - Es scheint, als wüssten die Investoren mehr als die Politiker: Die Bundesregierung will noch offene Fragen klären, bevor die Euro-Finanzminister die 130-Milliarden-Euro-Finanzhilfe an Griechenland freigeben, sogar von einem Scheitern war bereits die Rede. An den Börsen aber wird fest mit der Zusage gerechnet, der deutsche Leitindex Dax
übersprang schon am Morgen die Marken von 6900 Punkten und stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr. Auch der Euro
legte deutlich zu und kletterte in Richtung 1,33 Dollar.
Für die andauernde Börsenrally haben die Händler zwei Erklärungen: Die Investoren gehen davon aus, dass die Euro-Staaten Griechenland weiter unterstützen werden. Ein Austritt des Landes aus der Euro-Zone würde dem Ansehen der Gemeinschaftswährung einfach zu sehr schaden, sagen Analysten.
Längerfristig erhöhe ein solcher Schritt die Risiken für andere ebenfalls hoch verschuldete Euro-Länder: "Der Euro würde einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion überleben; aber so ein Austritt ist nur schwer vorstellbar und würde zudem die Risiken verschärfen", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank.
In diesem Fall würden sich die Anleger schnell in den Dollar zurückziehen, besonders kritisch dürfte es dann für Portugal, Irland, Italien und Spanien werden: "Die Ansteckungsgefahr dürfte enorm zunehmen", warnt Eugen Keller, Analyst bei der Metzler Bank in Frankfurt. Dies würde sich an den Kapitalmärkten in einem fallenden Euro-Kurs und steigenden Renditen der Staatsanleihen der hoch verschuldeten Länder widerspiegeln.
Chinas lockere Geldpolitik treibt die Aktienmärkte
Die Aktienmärkte profitierten zudem von einer weiteren Lockerung der Geldpolitik in China: Die Notenbank des Landes hatte am Wochenende die Mindestreserve-Anforderungen für die Geschäftsbanken des Landes gesenkt. Weil die Institute nun weniger Geld als Sicherheiten bei der Notenbank hinterlegen müssen, haben sie rund 50 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung, die sie als Kredite vergeben können. Anleger hoffen, dass dadurch die Konjunktur sowohl in China als auch weltweit angekurbelt wird.
Zu den Favoriten im Dax zählten Aktien von Banken, die von den Hoffnungen auf eine Lösung für Griechenland am stärksten profitierten. Die Aktien der Deutschen Bank
stiegen um mehr als 2,2 Prozent auf gut 34,60 Euro - die der Commerzbank
gewannen sogar fast drei Prozent hinzu auf 2,13 Euro.
Ein weiteres Indiz für die Sicherheit, mit der Investoren auf eine Zusage der Finanzhilfen für Griechenland wetten, sind die Kurse der Staatsanleihen: Am Rentenmarkt wurden die als sicher geltenden Bundesanleihen verkauft und verloren an Wert.
Die zuletzt eher verschmähten Staatsanleihen klammer Euroländer dagegen waren gefragt, was deren Renditen drückte. Italienische Bonds mit zehnjähriger Laufzeit rentierten mit 5,47 Prozent, vergleichbare spanische Anleihen warfen sogar nur noch 5,18 Prozent ab.
nck/dpa/Reuters
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