Börsencrash Konjunkturangst lässt Kurse stürzen

Massive Kursverluste an der Wall Street und in Europa sorgen für Panik - auch die Börsen in Asien und Australien sind auf Talfahrt. Händler sprechen von einem "Blutbad", Wirtschaftsforscher warnen vor einer neuen globalen Krise. Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel wollen die Lage beraten.

Börsen-Berichterstattung in Australien: Weltweit fallen die Kurse
REUTERS

Börsen-Berichterstattung in Australien: Weltweit fallen die Kurse


Tokio/Peking - Die Aktienmärkte werden von einem neuen, dramatischen Negativtrend erschüttert: Nach den schweren Verlusten an der Wall Street und in Europa sind am Freitag auch die Börsen in Asien auf Talfahrt gegangen. Der japanische Nikkei Chart zeigen lag knapp vor Börsenschluss 3,75 Prozent im Minus. Der Hongkonger Hang Seng Chart zeigen verlor 4,1 Prozent.

Auch die Börsen in Südkorea und Australien verzeichneten deutliche Verluste: Der Kospi in Seoul lag am späten Vormittag mit knapp drei Prozent im Minus. Die Börse in Australien stabilisierte sich am frühen Nachmittag, nachdem die Kurse mehr als vier Prozent in den Keller gegangen waren. Die Börse in Bangkok sackte in den ersten Handelsminuten um 3,1 Prozent ab.

Am Donnerstag hatten die europäischen Märkte und die Börsen in den USA herbe Verluste verzeichnet. Der Dow Jones Chart zeigen an der New Yorker Wall Street war am Donnerstag so schnell gefallen wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 - erstmals seit Dezember 2010 fiel er wieder unter die Marke von 11.400 Punkten. "Es war ein totales Blutbad", sagte John Richards von RBS Global Banking & Markets dem "Wall Street Journal".

Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen war im regulären Geschäft bereits um 3,4 Prozent auf 6414 Punkte und damit auf ein Zehnmonatstief abgerutscht. Die in diesem Jahr erzielten Gewinne waren damit wieder verloren.

Panikstimmung an den Märkten

Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 136,68 Punkte oder 5,1 Prozent auf 2.556,39 Zähler. Alle wichtigen Indizes verloren mindestens zehn Prozent gegenüber ihren jüngsten Höchstwerten vom April.

Die Stimmung an den Finanzmärkten am Donnerstag erinnerte mitunter an die Panik im September und Oktober vor drei Jahren - und möglicherweise wird das schwindende Vertrauen in das Krisenmanagement von Politik und Notenbanken die Börsen noch weiter abstürzen lassen.

Laut Händlern führen die Sorgen um das US-Wirtschaftswachstum global zu einer beschleunigten Flucht aus Aktienwerten. Marktteilnehmer warten nun mit besonders großer Anspannung auf den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht.

Experten warnen vor neuer Rezession

Analysten machen neue Befürchtungen um eine Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone sowie die Haushaltsprobleme und die schwachen Konjunkturdaten der USA für die Verluste an den Aktienmärkten verantwortlich. Das Vertrauen der Anleger in die Wirtschaft, die Märkte und das politische Führungspersonal sei verschwunden, sagte Börsenexperte Hugh Johnson. Peter Cardillo von der Finanzberatung Rockwell Global Capital erklärte, die Anleger befürchteten, dass die USA sich auf eine neue Rezession zubewegen.

Angesichts der dramatischen Verluste sieht der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise heraufziehen. "Die Lage ist besorgniserregend. Denn die Panik an den Finanzmärkten kann schnell die Kreditvergabe und die Kreditnachfrage zum Absturz bringen", sagte Horn Handelsblatt Online. Dies würde eine globale Krise zur Folge haben.

Wichtig sei jetzt, dass die Politik Vertrauen erzeuge. "In Europa heißt dies, dass der Europäische Rettungsschirm EFSF tätig werden muss, falls Staatsanleihen weiter unter Druck geraten. In den USA sollte die Fed entsprechend intervenieren", sagte Horn.

Krisentelefonat der europäischen Staatenlenker

Frankreich, Deutschland und Spanien wollen sich am Freitag in einem Krisentelefonat abstimmen. Dazu ist ein Telefonat des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit Kanzlerin Angela Merkel und dem spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero geplant. Sarkozy hatte bereits am Mittwoch und Donnerstag mit dem Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, die Situation an den Börsen erörtert.

Die EZB kaufte zur Beruhigung der Lage auf den Kapitalmärkten am Donnerstag wieder italienische und spanische Staatsanleihen. Die Renditen für zehnjährige Anleihen der beiden Staaten waren am Mittwoch über sechs Prozent gestiegen - den höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Bei Werten von sieben Prozent hatten Irland und Portugal zuletzt den europäischen Rettungsschirm EFSF in Anspruch genommen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso schlägt zur Prävention einer europäischen Wirtschaftskrise vor, den inzwischen 440 Milliarden Euro schweren EFSF weiter aufzustocken. In einem Brief an die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten hatte Barroso die Regierungen zu einer "raschen Überprüfung aller Elemente des EFSF" aufgefordert. Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds "über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen", fordert Barroso.

Finanzminister Wolfgang Schäuble ließ Barroso schroff abblitzen: Es sei nicht zu erkennen, "inwieweit eine Neueröffnung der Debatte zu einer Beruhigung der Märkte beitragen soll", teilte Schäuble über seinen Sprecher mit.

amz/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 120 Beiträge
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Seite 1
nemesis001 05.08.2011
1. Aw
könnte das einen fallenden Ölpreis auslösen? ich hoffe doch mal :)
marc0815 05.08.2011
2. sooo überrachend...
das Ergebnis versäumter Finanzmarktregulierung, spätestens nach der ersten Finanzkrise. Die Quittung kommt jetzt und zwar gewaltig. Die Versager in Brüssel, Berlin und anderswo auf der Welt sind nur noch Statisten in einer vom Finanzmarkt (fehl)-geleiteten Welt. Auf das die Blase platze...
tzünisch, 05.08.2011
3. 123
Zitat von sysopMassive Kursverluste*an der Wall Street und in Europa*sorgen für Panik*- auch die Börsen in Asien und Australien sind auf Talfahrt. Wirtschaftsforscher warnen vor einer neuen globalen Krise. Frankreichs Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel wollen die Lage in einer Telefonkonferenz beraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,778491,00.html
Ach was. Keine Panik. Die Krise ist doch überwunden. Haben die PolitikerInnen doch gesagt. Außerdem haben die Banken doch den Stresstest bestanden. Und die verschiedenen Rettungsfonds werden sowieso nicht gebraucht, weil die ja nur das Vertrauen der Finanzmärkte sichern, aber eigentlich gar nicht zur Auszahlung kommen sollen. Also Leute: Don't panic. Alles wird gut. Auf Regen folgt Sonnenschein. SO. Damit müßten doch jetzt alle wieder beruhigt sein, oder ?
c.bronson 05.08.2011
4. Hahaha!!!!
Am witzigsten ist doch, dass jeder dr logisch denken kann weiss, dass es kein unbegrenztes Wachstum gibt... daher kommen doch all die Blasen- wenn man die Realität nicht ändern kann, dann redet man sie sich halt schön- und alle machen mit... Warum verbietet man nicht einfach Börsen? Die machen doch eh nur die wenigen Reichen immer reicher und die Armen noch ärmer??? Achso, ich weiss warum nicht... ;)
shokaku 05.08.2011
5. Ein Volk, ein Kontinent. ein Euro
Shocking, da entweicht doch glatt die heisse Luft aus den Börsenkursen. Ab 5000 kann man ja mal schauen, ob sich Kaufgelegenheiten anbieten.
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