Börsenhändler: Immer-Gewinner auf Speed

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Die jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten haben normale Anleger eher verschreckt. Doch für eine Gruppe war das Börsenbeben ein ertragreiches Fest: Ultraschnelle Computerhändler verdienen immer - an steigenden Kursen genauso wie an fallenden.

Aktienhandel in New York: Mehr Computer als Menschen Zur Großansicht
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Aktienhandel in New York: Mehr Computer als Menschen

Hamburg - Steil hinunter, kräftig rauf und wieder krachend nach unten: Wenn man sich die jüngste Entwicklung der weltweiten Aktienkurse als rasante Achterbahnfahrt vorstellt, kann einem schon mal übel werden. Ähnlich ergeht es den meisten Privatanlegern: Sie werden vom Auf und Ab der Märkte überfordert und verlieren eine Menge Geld, weil sie immer erst dann verkaufen, wenn die Kurse schon kräftig gefallen sind. Wenn es kurz darauf wieder nach oben geht, sind sie dann schon nicht mehr dabei.

Für einige Profis ist der Zickzackkurs der vergangenen Wochen jedoch ein Grund zum Jubeln. Mit schnellen, kurzfristigen Geschäften - meist von Computern gesteuert - haben sie zuletzt satte Profite erwirtschaftet. Alleine am 8. August, als der amerikanische Dow-Jones-Index um 635 Punkte absackte, haben die sogenannten Hochfrequenz-Händler laut Schätzungen der Marktforschungsfirma Tabb Group auf dem US-Aktienmarkt rund 60 Millionen Dollar verdient, berichtete das "Wall Street Journal". Das klingt nicht nach besonders viel - doch hochgerechnet auf ein Jahr wären es satte 15 Milliarden Dollar.

Für die Hochfrequenz-Händler sind die starken Schwankungen hervorragende Gelegenheiten, Geld zu verdienen. Ob es aufwärts oder abwärts geht ist dabei egal. Sie können immer profitieren. Innerhalb von Sekundenbruchteilen kaufen und verkaufen ihre Computer Aktien und nutzen dabei kleinste Preisunterschiede aus. Die hohen Gewinne entstehen erst durch die gigantische Anzahl an Transaktionen.

Die Aufsichtsbehörden sind alarmiert

Die ultraschnellen Computer haben in den vergangenen Jahren die Macht an den Börsen übernommen, vor allem in den USA. Dort gehen mittlerweile mehr als 60 Prozent der Aktiengeschäfte auf den Hochfrequenzhandel zurück - in Deutschland sind es Schätzungen zufolge rund 40 Prozent. Die Computer werden von Spezialisten mit hochkomplizierten Algorithmen darauf programmiert, den Markt zu durchforsten und selbst kleinste Kursdifferenzen auszunutzen.

Solche Differenzen entstehen zum Beispiel, wenn Kauf- und Verkaufkurse um einige Cent auseinander liegen oder unterschiedliche Börsenbetreiber leicht abweichende Kurse für die gleiche Aktie angeben.

Unter den Hochfrequenzhändlern sind außer klassischen Investmentbanken und Hedgefonds auch kleinere US-Firmen wie Tradeworx oder Getco, die sich auf den schnellen Computerhandel spezialisiert haben. Die großen Börsenplätze in New York, London oder Frankfurt hofieren diese Hochfrequenzhändler mit eigenen Büros direkt neben den Handelssystemen. So geht keine Millisekunde durch zu lange Kabel verloren.

Der Aufstieg der High-Speed-Akteure hat längst auch die Aufsichtsbehörden alarmiert. Sie haben vor allem zwei Bedenken: Zum einen könnten die Akteure durch die enorme Geschwindigkeit einen ungerechtfertigten Vorteil gegenüber normalen Anlegern haben. Zum anderen untersuchen die Behörden, ob die Hochfrequenzhändler einen Börsencrash begünstigen oder gar auslösen könnten.

Wer war schuld am "Flash-Crash"?

Laut "Wall Street Journal" hat die US-Börsenaufsicht SEC zuletzt einige der Hochfrequenzhändler vorgeladen, um ihre Rolle im sogenannten "Flash Crash" zu überprüfen. Am 6. Mai 2010 war der Dow-Jones-Index binnen weniger Minuten ohne ersichtlichen Grund um mehr als 1000 Punkte abgestürzt. Kritiker machen dafür unter anderem Hochfrequenzhändler verantwortlich, die sich plötzlich aus dem Markt zurückgezogen und so den Crash ausgelöst hätten. Anders als regulierte Börsenhändler sind sie nämlich nicht dazu verpflichtet, bei allen Marktbedingungen einen Preis festzulegen.

Wegen der möglichen destabilisierenden Wirkung des Hochfrequenzhandels fordert der Ökonom Nikolaus Hautsch von der Berliner Humboldt-Universität die Einrichtung eines weltweiten elektronischen Überwachungssystems, das in kritischen Marktphasen Alarm schlägt: "Es ist eine technologische Schlacht. Hochfrequenzhändler sind hoch bezahlte, clevere Leute, die ihre technische Power perfekt ausnutzen", sagte Hautsch im Interview mit der "Financial Times Deutschland". "Den Behörden müssten ähnliche technische Mittel zur Verfügung stehen wie diesen Händlern, damit eine effektive Kontrolle möglich wird."

Auch andere Experten warnen. "Der Hochfrequenzhandel hat einen verstärkenden Effekt auf Marktbewegungen", schreiben Harald Malmgren, Chef des Beratungshauses Malmgren Global, und Mark Stys, Leiter Anlagenstrategie bei Bluemont Capital, in einem Aufsatz für das Fachmagazin "International Economy".

Sie werfen den ultraschnellen Computerhändlern vor, die Preise am Aktienmarkt zu verzerren und klassische Bewertungskriterien zu ignorieren. "Investment-Strategien, die sich auf fundamentale Kennzahlen wie die langfristige Entwicklung eines Unternehmens beziehen wurden hinweggefegt von den Algorithmen des Hochfrequenzhandels, die nach Ineffizienzen in der Preisfindung und nach Arbitrage-Möglichkeiten jagen."

So gefährlich und anrüchig das superschnelle Geschäft für die klassischen Börsenprofis auch sein mag. Es ist so erfolgreich, dass es immer mehr Nachahmer anzieht. Laut Schätzungen des Dienstleisters Tabb Group jedenfalls werden in diesem August rund dreimal so viele Aktiengeschäfte im Hochfrequenzhandel getätigt wie im Monat zuvor.

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insgesamt 169 Beiträge
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1. Haie
vostei 19.08.2011
Es ist wie im Tierreich. Unter Haien ist es durchaus üblich angeschlagene Exemplare ihrer Spezies zu verschlingen. Und das geht auch ruckzuck. :D Nur, und das geht an die "Normalos" dieser Art von Finanzbranche: Haie können es sich NICHT aussuchen, Hai zu sein.
2. Was der Papst dazu sagt:
jos777 19.08.2011
Geld mit Geld zu machen, soll laut dem Papst nicht in Ordnung sein. In diesem Sinne wäre der Hochfrequenzhandel genauso wie Zinsgeschäfte nicht im Sinne des Papstes.
3. Mal wieder ein Grund mehr ...
citizen_kane 19.08.2011
... über die Tobin-Steuer nachzudenken.
4. Daytrader-Community
Emil Peisker 19.08.2011
Zitat von sysopDie jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten*haben normale Anleger eher verschreckt. Doch für eine Gruppe war das Börsen-Beben ein ertragreiches*Fest:*Ultraschnelle*Computerhändler verdienen*immer*- an steigenden Kursen*genauso*wie an fallenden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,780822,00.html
Bei solch volatilen Börsen sind nicht nur die HF-Händler in Feierstimmung. Es gibt eine Daytrader-Community weltweit, die sich bei Flanken von 100-300 Plus oder Minus reinhängt und nach der Flanke wieder draußen ist. Wie gesagt, täglich stellen die glatt und jeden früh in D oder Nachmittags in USA geht es wieder los. Auch das verstärkt die Ausschläge.
5. Bremse einlegen
blue.milla 19.08.2011
Zitat von sysopDie jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten*haben normale Anleger eher verschreckt. Doch für eine Gruppe war das Börsen-Beben ein ertragreiches*Fest:*Ultraschnelle*Computerhändler verdienen*immer*- an steigenden Kursen*genauso*wie an fallenden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,780822,00.html
Ich denke dass hier die Transaktionssteuer dämpfend wirken könnte. An den grundsätzlichen Fehlern des Börsenhandels wird das allerdings wenig ändern.
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