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25. September 2011, 12:09 Uhr

Börsenturbulenzen

Aktienhändler riskieren mehr als Psychopathen

Warum verspielen einzelne Trader immer wieder Milliarden? Für eine Studie hat die Universität St. Gallen Aktienhändler und Psychopathen verglichen. Selbst die Experten waren vom Ergebnis überrascht. Sie bescheinigen den Börsenprofis einen immensen Hang zur Zerstörung.

Hamburg - Warum verzocken Aktienhändler wie der vor zwei Wochen aufgeflogene Londoner UBS-Händler Kweku Adoboli bisweilen Milliarden? Was läuft da schief in den Banken, aber vielleicht auch bei den jungen Profis? Sie verhalten sich jedenfalls noch rücksichtsloser und manipulativer als Psychopathen - zu diesem Ergebnis kommt nach SPIEGEL-Informationen eine neue Studie der Universität St. Gallen.

Untersucht wurden Kooperationsbereitschaft und Egoismus von 28 Profi-Tradern. Die Probanden mussten Computersimulationen durchspielen und sich Intelligenztests unterziehen. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen des Teams um Pascal Scherrer und Thomas Noll, Forensiker und Vollzugsleiter des Schweizer Gefängnisses Pöschwies nördlich von Zürich.

"Natürlich kann man die Händler nicht als geistesgestört bezeichnen", sagt Noll, "aber sie verhielten sich zum Beispiel noch egoistischer und risikobereiter als eine Gruppe von Psychopathen, die den gleichen Test absolvierten."

Besonders schockierend für Noll: Insgesamt erzielten die Banker gar nicht mehr Gewinn als die Vergleichsgruppen. Statt sachlich und nüchtern auf den höchsten Profit hinzuarbeiten, "ging es den Händlern vor allem darum, mehr zu bekommen als ihr Gegenspieler. Und sie brachten viel Energie auf, diesen zu schädigen".

Es sei in etwa so gewesen, als hätte der Nachbar das gleiche Auto, "und man geht mit dem Baseballschläger darauf los, um selbst besser dazustehen". Erklären können die Wissenschaftler diesen Hang zur Zerstörung nicht. Der UBS-Hasardeur Adoboli, der über zwei Milliarden Dollar verzockt hat, soll bis auf weiteres in Haft bleiben.

aar

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