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Börsenturbulenzen: Aktienhändler riskieren mehr als Psychopathen

Warum verspielen einzelne Trader immer wieder Milliarden? Für eine Studie hat die Universität St. Gallen Aktienhändler und Psychopathen verglichen. Selbst die Experten waren vom Ergebnis überrascht. Sie bescheinigen den Börsenprofis einen immensen Hang zur Zerstörung.

Hamburg - Warum verzocken Aktienhändler wie der vor zwei Wochen aufgeflogene Londoner UBS-Händler Kweku Adoboli bisweilen Milliarden? Was läuft da schief in den Banken, aber vielleicht auch bei den jungen Profis? Sie verhalten sich jedenfalls noch rücksichtsloser und manipulativer als Psychopathen - zu diesem Ergebnis kommt nach SPIEGEL-Informationen eine neue Studie der Universität St. Gallen.

Untersucht wurden Kooperationsbereitschaft und Egoismus von 28 Profi-Tradern. Die Probanden mussten Computersimulationen durchspielen und sich Intelligenztests unterziehen. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen des Teams um Pascal Scherrer und Thomas Noll, Forensiker und Vollzugsleiter des Schweizer Gefängnisses Pöschwies nördlich von Zürich.

"Natürlich kann man die Händler nicht als geistesgestört bezeichnen", sagt Noll, "aber sie verhielten sich zum Beispiel noch egoistischer und risikobereiter als eine Gruppe von Psychopathen, die den gleichen Test absolvierten."

Besonders schockierend für Noll: Insgesamt erzielten die Banker gar nicht mehr Gewinn als die Vergleichsgruppen. Statt sachlich und nüchtern auf den höchsten Profit hinzuarbeiten, "ging es den Händlern vor allem darum, mehr zu bekommen als ihr Gegenspieler. Und sie brachten viel Energie auf, diesen zu schädigen".

Es sei in etwa so gewesen, als hätte der Nachbar das gleiche Auto, "und man geht mit dem Baseballschläger darauf los, um selbst besser dazustehen". Erklären können die Wissenschaftler diesen Hang zur Zerstörung nicht. Der UBS-Hasardeur Adoboli, der über zwei Milliarden Dollar verzockt hat, soll bis auf weiteres in Haft bleiben.

aar

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1. Sag`ich doch:
tsitsinotis 25.09.2011
Zitat von sysopFür eine Studie hat die Universität St. Gallen Aktienhändler und Psychopathen miteinander verglichen. Selbst die Experten waren vom Ergebnis überrascht. Sie bescheinigen den Profi-Tradern einen immensen Hang zur Zerstörung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,788232,00.html
Alle verhaften.
2. ...
scsimodo 25.09.2011
Und genau deswegen sollte man die in Ihrem Möglichkeiten "einsperren", soll heisssen: Die sollten sogar für den Toilettengang die Genehmigung von mindestens 2 "Aufpassern" einholen. Kann ja nicht angehen, dass solche Typen ganze Länder in Krisen stürzen können oder (im weniger schlimmen Fall) eine Firma in den Ruin treiben. Jeder normale Angestellt in einer Bank muss Rechenschaft für jeden Cent ablegen, diese Zocker dürfen aber Milliarden verbrennen? Geht's noch! Banken, die sowas durchgehen lassen wünsche ich die baldige Insolvenz... Wann kommt endlich die Trennung zwischen Geschäftsbank und Investmentbank?
3. Wieviele Börsenhändler...
muwe6161 25.09.2011
... waren so grenzenlos dumm, ein Psychogram von sich herstellen zu lassen? Alle entlassen!
4. -
doitwithsed 25.09.2011
Das ist nun wirklich nichts Neues. Schon vor ein paar Jahren hat der führende britische forensische Psychologe Paul Britton, der an der Aufklärung fast aller aufsehenerregenden Serienmordfällen Großbrittaniens der letzten Jahrzehnte beteiligt war, in einem Interview erklärt, die gleichen psychopathischen Muster von Serienmördern ließen sich z.B. auch bei zahlreichen Wirtschaftsakteuren nachweisen. Siehe Interview (Teil 2: "Not All Psychopaths Kill"): http://www.yourdiscovery.com/crime/the_criminal_mind/interview/psychopaths/index.shtml Es ist nur eine Frage der Lebensumstände in der Entwicklung, ob das psychopathische Handeln ohne Empathie und Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer kriminell oder wie im Fall von Wirtschaftsakteuren sozial akzeptiert ausgelebt würden.
5. Siehe endogene Morphine
Silverhair, 25.09.2011
Erklären können sie sich das nicht? Nun, ich hätte eine einfache Erklärung. Die Evolution hat uns einen kleinen Streich gespielt. Der Hypothalamus produziert zur Schmerzabwehr, zur Stimulation der Organe eine ganze Reihe von "endogenen Morphine" - auch Glückhormone genannt. Deren Ausschüttung wird aber auch bei Sex, bei Macht, bei Geld etc. angeregt, immer wenn etwas positiv für das Lebewesen war, und damit wird auch ein lernprozess im Gehirn aktiviert. Sprich ohne diese Endogenen Morphine verhalten wir und dumpf - motivationslos etc. Wir sind also alle letztlich kleine Junkies, aber natürlich steigert sich das bei Spielern gewaltig, so auch bei Bankern und allen Leuten die mit "Geld" spielen. Drogentests und regelmäßige Entziehungskuren wären eigentlich angesagt, oder ein anderes Geldsystem - den das wird ohne die Reduktion dieser Anreize wohl nie aufhören und die Banken verzocken weiter die Lebenszeiten der Menschen!
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