Bohrloch-Desaster: Rating-Riese lässt BP fallen

Für BP kommt es jetzt richtig dicke: Die Rating-Agentur Fitch stuft die Kreditwürdigkeit des Ölkonzerns erneut herunter, dieses Mal fast auf Ramschniveau. Auch die Konkurrenten gehen auf Distanz - vor dem US-Kongress werfen sie der britischen Firma schwere Versäumnisse vor.

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REUTERS

BP-Chef Tony Hayward: Druck von allen Seiten

London/Washington - Wenn es schlecht läuft, dann gleich richtig. Diese Erfahrung macht nun auch der Ölkonzern BP, der seit Wochen mehr oder minder erfolgreich gegen die Ölpest im Golf von Mexiko kämpft. Mittlerweile hat das Unternehmen nicht nur ein Image-Problem - nun sorgen sich auch Investoren wegen der katastrophalen finanziellen Folgen.

An diesem Dienstag hat nun die Rating-Agentur Fitch bereits zum zweiten Mal in diesem Monat die Bewertung der Kreditwürdigkeit des britischen Energiekonzerns gesenkt - und zwar kräftig um sechs Stufen. BP wird nach "AA" nun nur noch mit "BBB" bewertet. Damit liegt die Kreditwürdigkeit nur knapp über Ramschniveau. Und es wird für BP deutlich teurer, sich Geld zu leihen. Zum Vergleich: Fitch stuft Griechenland mit "BBB-" ein, also nur ein wenig schlechter als BP.

Die Kosten für die Beseitigung der Umweltschäden und für Schadensersatz summierten sich laut Fitch auf zuletzt sechs Milliarden Dollar. Hinzu kommen womöglich auch Bußgelder in Höhe von bis zu acht Milliarden Dollar. Die Klärung der langfristigen Forderungen könnte Jahrzehnte dauern, ähnlich wie nach der Ölpest, die der Tanker Exxon Valdez vor Alaska im Jahr 1989 ausgelöst hatte.

Wie ernst die Lage bei BP ist, wurde auch auf der Sitzung des Aufsichtsrats am Montag deutlich. Das Gremium beriet erstmals seit 1992 über ein Aussetzen der Dividende. Das Ergebnis der Sitzung wurde noch nicht bekanntgegeben. Fitch-Analyst Jeffery Woodruff sagte, er wäre überrascht, wenn die Firma noch eine Dividende zahlt, bevor das ganze Ausmaß der Krise deutlich geworden ist.

Die Verbalausfälle des Tony H.

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Auch von anderen Seiten wächst der Druck auf BP: In einer Anhörung vor dem US-Kongress zu der Ölpest im Golf von Mexiko warfen die Chefs mehrerer großer Ölkonzerne dem Mitbewerber schwerwiegende Versäumnisse vor.

Chevron-Chef John Watson bezeichnete die Havarie der Förderplattform "Deepwater Horizon" und die nachfolgende Ölpest vor der Südküste der USA in seiner Aussage am Dienstag als "vermeidbare Tragödie". Das Fiasko im Golf zeige, dass es "schreckliche Folgen" habe, wenn nicht alle Ölfirmen bei der Förderung mit "denselben hohen Standards an Sicherheit und Verantwortung" arbeiteten.

Auch ExxonMobil-Chef Rex Tillerson warf BP vor den Abgeordneten Versäumnisse vor. "Dieser Vorfall stellt eine dramatische Abkehr von den Branchen-Normen bei der Tiefseebohrung dar", sagte er. Wenn bei den Bohrungen alle Sicherheitsstandards beachtet würden, "dann sollten solche tragischen Ereignisse wie im Golf von Mexiko nicht passieren", sagte er.

Unter den geladenen Konzernchefs vor dem Energieausschuss des Repräsentantenhauses war auch der USA-Chef von BP, Lamar McKay, der sich ebenfalls zu den Vorgängen äußern sollte. Zur Eröffnung der Anhörung hatten Abgeordnete scharfe Kritik an den Notfallplänen der Konzerne für den Fall einer katastrophalen Ölpest geäußert. Eine Untersuchung der eingereichten Unterlagen habe ergeben, dass die Pläne veraltet und teilweise unbrauchbar seien, sagte der Ausschussvorsitzende Ed Markey.

In zwei der untersuchten Pläne sei die Telefonnummer eines "seit langem verstorbenen Experten" angeführt, kritisierte Markey. BP und drei weitere Konzerne erwähnten in den Dokumenten des Weiteren den Schutz von Walrössern, "die seit drei Millionen Jahren nicht mehr im Golf von Mexiko beheimatet sind".

dpa-AFX/AFP

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Forum - Ölpest - sind die Ölkonzerne politisch noch zu kontrollieren?
insgesamt 506 Beiträge
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1.
merapi22 29.05.2010
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Man muss die Macht der Ölkonzerne durch ein neues Gesetz beschneiden, das der mächtigsten Lobby Amerikas so richtig weh tut: Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
2. Und Gott ist weiß und hat einen Rauschebart?
emigskarl 29.05.2010
Zitat von merapi22Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Die USA funktionieren nur durch gigantische Ressourcenvergeudung. Irgendwo muss das Zeug herkommen. Gas aus Wyoming - was dort gerade einen gigantischen Boom erzeugt, Öl aus Lousiana - was dort gerade eine Ölpest erzeugt. Schwund ist eben überall, und da braucht gar nichts politisch geregelt zu werden. Wenn jeder Einzelne weniger Benzin verbraucht, ist das in den Gewinnen der Konzerne zu spüren - nicht aber durch Lobbyarbeit verwässerte Umweltgesetze, die nur scheinbar eine zahnlose EPA stärken sollen.
3. Milchmädchenrechnung
pulegon 29.05.2010
Zitat von merapi22Dem Verbot der Ölförderung im Meer! Obama ist ein Umweltschützer und nur seinem Gewissen und der Zukunft verpflichtet.
Dann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
4.
merapi22 29.05.2010
Zitat von pulegonDann warte ich mal, wer zuerst Schreit... die Ölkonzerne oder der Verbraucher. Konstante Nachfrage bei verknappten Angebot ist das perfekte Argument für Preissteigerungen. Wenn man versucht multinational agierende Konzerne mit nationalen Gesetzen zu kontrollieren, dann brauch man sich nicht wundern, das dass nicht funktioniert... Kleiner Tipp offshore (http://dict.leo.org/?lp=ende&from=fx3&search=offshore) außerhalb der Küstengewässer liegend vllt. einfach mal internationale Gesetze und Vereinbarungen schaffen?
Da haben Sie Recht, nur ein Verbot reicht nicht, man muss Alternativen schaffen, etwa Neue Kraftstoffe E85, Wasserstoff usw., aber die Konzerne kann man auch an die Leine legen. Wie die Kuba - Blockade zeigt sogar erfolgreich. Ja, außerhalb der Küstengewässer - offshore, macht ja auch Norwegen, kann man nur ueber die UNO in den Griff bekommen. Was man nicht versteht, wir leben auf einer Feuerkugel und haben ein Energieproblem: „99 Prozent unseres Planeten sind heißer als 1000*°C; ca. 90*Prozent des Rests sind immer noch heißer als 100*°C. Fast überall hat das Erdreich in 1*Kilometer Tiefe eine Temperatur von 35*°C bis 40*°C.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Geothermie Sind da die Öl – und andere Lobbyisten schuld, das man das naheliegende vergisst, das Feuer unter unseren Füßen?
5.
Rainer Helmbrecht 29.05.2010
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama geriet über die Vorgänge im Golf von Mexiko in die Kritik. Sein Krisenmanagement und sein Umgang mit BP werden kontrovers diskutiert. Aber welche Möglichkeiten hätte er? Sind die Ölkonzerne politische überhaupt noch zu kontrollieren?
Die Frage ist doch verengt auf Öl gestellt, sie müsste lauten, wie viele Konzerne, sind Staaten ebenbürtig, oder sogar durch Lobbyismus und Bestechung so einflussreich, dass man von Überlegenheit sprechen kann. Meiner Meinung nach, ein bereits jetzt nicht mehr umkehrbarer Prozess. MfG. Rainer
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