Sanierungskonzept Bombardier erhält alle deutschen Standorte

Erfolg für die Arbeitnehmer: Alle sieben deutschen Standorte des kriselnden Zugherstellers Bombardier bleiben bestehen. Dafür werden 2200 Stellen gestrichen.

Zugfertigung in Hennigsdorf (Archiv)
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Zugfertigung in Hennigsdorf (Archiv)


Der Zughersteller Bombardier hat sich mit Arbeitnehmervertretern auf ein Sanierungskonzept geeinigt. Demzufolge sollen alle sieben deutschen Standorte erhalten bleiben. Allerdings werden wie vorgesehen 2200 Stellen in Deutschland abgebaut. Bis Ende 2019 fällt demnach fast ein Viertel der derzeit 8500 deutschen Arbeitsplätze weg. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dabei ausgeschlossen sein.

Über ein Freiwilligenprogramm mit Abfindungen, eine Brücke in die Rente oder Umschulungen für andere Tätigkeiten sollen gut 1500 Stellen wegfallen. Die übrigen Arbeitsplätze sind von Leiharbeitern besetzt, deren Verträge nicht verlängert werden.

"Wir haben ein Programm verabschiedet, das nachhaltig und sozial verantwortlich ist", sagte Deutschland-Chef Michael Fohrer in Berlin. "Wir wollen so wirtschaftlich auf die Erfolgsspur zurückkommen."

A b 2020 Gewinn angestrebt

Bombardier schreibt in Deutschland seit Jahren Verluste. Der kanadische Mutterkonzern war durch die Flugzeugentwicklung in Schwierigkeiten geraten. 2016 hatte Bombardier die Streichung von weltweit 7500 Stellen angekündigt. 5000 davon sollten in der Bahntechnik wegfallen, deren Schwerpunkt in Deutschland liegt.

Nach massiven Protesten der Gewerkschaft schaltete sich das Bundeswirtschaftsministerium Anfang 2017 ein. Gewerkschaft und Konzernleitung vereinbarten die Erarbeitung eines neuen Unternehmenskonzepts, das schließlich im Sommer vom Aufsichtsrat bestätigt wurde. Seitdem verhandelten Betriebsrat und Management über die Details der künftigen Ausrichtung der einzelnen Werke.

Fohrer sagte, mit dem Sanierungsprogramm wolle man im Jahr 2020 das Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern und so in die schwarzen Zahlen kommen.

IG Metall sieht Erhalt der Standorte als Erfolg

Die Gewerkschaft IG Metall bezeichnete es als Erfolg, dass alle sieben Produktionsstandorte in Deutschland erhalten würden. Züge und Bahntechnik seien ein gesuchtes Produkt in einem wachsenden Markt.

Das Unternehmen müsse sich genau anschauen, wen und wie viele Mitarbeiter es über das Freiwilligenprogramm gehen lasse. "Fachkräfte sind derzeit Mangelware", sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen. Ostdeutschland ist mit den Standorten Hennigsdorf bei Berlin sowie Bautzen und Görlitz in Sachsen vom Umbau besonders betroffen.

In Bautzen wird Fohrer zufolge künftig die Serienfertigung kompletter Züge, Straßenbahnen und U-Bahnen angesiedelt. Hennigsdorf bleibt Forschungs- und Entwicklungszentrum, gibt die Serienfertigung jedoch an Bautzen ab. Görlitz behält den Wagenrohbau für Züge. Künftig sollen dort auch die Wagenkästen von Straßenbahnen gefertigt werden.

Weder Unternehmen noch Arbeitnehmervertreter wollten konkrete Zahlen nennen, wie viele Arbeitnehmer schließlich an welchem Standort gehen müssen.

brt/Reuters/dpa



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