Boni-Debatte: Investmentbanken verhandeln über Selbstregulierung
Boni gelten als Mitauslöser der Finanzkrise, Boni-Empfänger als am schnellen Profit orientierte Geldgeier. Führende Banker wollen dieses Stigma nun loswerden: Laut Deutsche-Bank-Chef Ackermann verhandeln sie heimlich über eine Prämien-Selbstregulierung - auch um möglichen Staatseingriffen zuvorzukommen.
Frankfurt am Main - Führende Investmentbanken verhandeln laut Josef Ackermann über gemeinsame Bonus-Regeln, um Vorgaben durch Aufsichtsbehörden zuvorzukommen. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos vergangene Woche habe es ein Treffen hinter verschlossenen Türen gegeben, sagte der Deutsche-Bank-Chef am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten.
Thema sei die Selbstregulierung der Banken bei Bonuszahlungen gewesen, sagte Ackermann. Ob er selbst an dem Treffen teilgenommen hat, sagte der Deutsche-Bank-Chef nicht. Er gab auch keine Details zu den Verhandlungen bekannt. Die Deutsche Bank selbst hat ihr Vergütungssystem bereits geändert. Sie senkte die Boni und erhöhte dafür die fixen Gehaltsbestandteile.
Weltweit ist derzeit eine heftige Debatte um zu hohe Boni in Gange. Politiker und Experten kritisieren, die Prämienzahlungen, die sich früher oft nach schnellen Erfolgen der Bank richteten, seien mitverantwortlich für den Ausbruch der Finanzkrise.
Erst am Mittwoch hatten
neue Nachrichten über exorbitante Prämien für Aufruhr gesorgt. Laut mehreren übereinstimmenden Zeitungsberichten zahlt der sieche Versicherer AIG
seinen Mitarbeitern 100 Millionen Dollar aus. Das Unternehmen äußerte sich dazu nicht. Die US-Regierung hat in den vergangenen zwei Jahren mehr als 182 Milliarden Dollar in den Konzern gepumpt, um ihn auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor dem Zusammenbruch zu bewahren.
Über satte Gehälter konnten sich einem Zeitungsbericht zufolge auch die Mitarbeiter der Bank of America
freuen. Das Institut zahlte seinen Investment-Bankern und Händlern im vergangenen Jahr offenbar mehr als vier Milliarden Dollar. Jeder einzelne von ihnen erhalte für 2009 im Durchschnitt zwischen 300.000 und 500.000 Dollar, berichtete das "Wall Street Journal" am Mittwoch unter Berufung auf einen Insider. Damit komme das Institut fast an die Zahlungen des Rekordjahrs 2006 heran. Die Bank war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Keine Boni für BayernLB-Vorstände
Keine Boni erhalten dagegen die Manager der BayernLB. Die bayerische Staatsregierung will auch in diesem Jahr Prämien an Top-Manager verhindern, weil die Landesbank 2009 Milliardenverluste gemacht hat. Außerdem will die CSU/FDP-Koalition hohe Millionenabfindungen für geschasste Landesbanker künftig nach Möglichkeit vermeiden. Das sagte Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) am Donnerstag im Landtag.
Manager der Deutschen Bank erhalten dagegen nach einem äußerst erfolgreichen Geschäftsjahr hohe Boni. Das Institut hat 2009 satte Gewinne gemacht. Der deutsche Branchenprimus erwirtschaftete nach eigenen Angaben einen Gewinn nach Steuern von fünf Milliarden Euro.Im Jahr zuvor war ein Verlust nach Steuern von 3,9 Milliarden Euro angefallen. Analysten hatten mit einem Gewinn von 4,3 Milliarden Euro gerechnet.
An der Börse entfalten die Zahlen nicht die gewünschte Wirkung: Der Aktienkurs der Deutschen Bank tendiert am späten Nachmittag - ebenso wie der Dax
- gut zwei Prozent im Minus. "Die Deutsche Bank hat es nicht geschafft, den Bankensektor für die Anleger wieder attraktiver zu machen", sagte ein Händler.
ssu/dpa-AFX/Reuters
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